Weiden in der Oberpfalz
06.04.2022 - 11:10 Uhr
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Rettungsverband sucht Ehrenamtliche für die Offene Behindertenarbeit

Die Offene Behindertenarbeit (OBA) im Allgemeinen Rettungsverband in Weiden sucht dringend neue Ehrenamtliche. Diese unterstützen Menschen mit Behinderung und begleiten sie bei Freizeitaktivitäten. Was Interessenten darüber wissen müssen.

"Sie sollten gut mit Leuten umgehen können, sich auf Menschen mit Behinderung einlassen und sie so nehmen, wie sie sind. Und sie sollten gerne ratschen und lustig sein", beschreibt Lydia Wetzel die wenigen Voraussetzungen für Ehrenamtliche, die sich in der Offenen Behindertenarbeit (OBA) beim Allgemeinen Rettungsverband engagieren möchten. Rudi Schultes, langjähriger Teilnehmer der OBA, ergänzt, was ihm bei den Ehrenamtlichen wichtig ist: "Sie sollen so lustig sein wie Carola." Damit meint er Carola Peintinger, die "gute Seele der Sonneninsel", wie Lydia Wetzel und Rudi Schultes sie unisono nennen. Sie redet, spielt, bastelt und rätselt mit den derzeit rund zehn Teilnehmern der Sonneninsel, einem barrierefreien Treff freitags und teilweise mittwochs im ARV-Gebäude in der Parksteiner Straße. "Durch Corona ist es noch wichtiger geworden, Spaß reinzubringen", sagt Lydia Wetzel, Leiterin der OBA. "Viele sind zu Hause in ein Loch gefallen."

Rudi Schultes nutzt die Angebote der Sonneninsel bereits seit zehn Jahren und hilft dort ehrenamtlich mit. "Die haben mich unheimlich aufgenommen", sagt er. Corona habe aber viel verändert. "Bei dem Lockdown, da verblödelst, wennst nur daheim bist. Die Straßencafés, da, wost dich treffen kannst – hat ja alles nicht mehr offen", beschrieb der 52-jährige Weidener im Dezember in der hauseigenen Zeitschrift "beOBAchter", was er während des Lockdowns vermisst hat. In der aktuellen Ausgabe des von den OBA-Teilnehmern einmal pro Jahr erstellten Heftes ist die Krise das Hauptthema. Rudi Schultes sieht aber auch positive Seiten an der Pandemie. So hätten die wegen des Infektionsschutzes verkleinerten Gruppen mehr Zusammenhalt hervorgebracht.

Größter Wunsch: Ausflug

Um das zu erreichen, mussten die OBA-Leiterinnen Lydia Wetzel und Carola Preißer und ihr Team kreativ werden. Größere Aktionen wie Firmenbesichtigungen, Theater-Aufführungen und Gruppenfahrten waren zwischenzeitlich nicht möglich. Um den Kontakt innerhalb der Gruppe aufrecht zu erhalten, startete Wetzel einen per Post verschickten Newsletter mit Rätsel-Beilage. Weitere Angebote waren Video-Vorträge, eine digitale Faschingsfeier mit Bütten-Reden per Video, Outdoor-Aktivitäten in Kleingruppen wie das Umbauen eines Tisches zum rollstuhl-freundlichen Hochbeet, eine Gartenführung und ein barrierefreier Waldspaziergang mit Stadtförster Wolfang Winter. Eine Umfrage unter den OBA-Teilnehmern hatte ergeben: Was sie sich am meisten wünschen, ist ein Ausflug. Deshalb plant das Team für August einen Ausflug zur Landesvogelstation in Regenstauf.

Ansonsten spielen, basteln und rätseln die Sonneninsel-Teilnehmer gemeinsam oder fachsimpeln über nützliche Hilfsmittel wie Ein-Hand-Teller, auf denen man mit nur einer Hand ein Schnitzel schneiden oder Suppe löffeln kann, und Halterungen für Spielkarten. Carola Peintinger erklärt die Herangehensweise bei der Betreuung: "Jede Behinderung ist anders. Es geht um den Rundumblick, wer gerade was braucht." Wichtig sei die Hilfe zur Selbsthilfe: Hilfestellung nur nach Bedarf und nur, wenn sie gewünscht ist.

Entlastung für Angehörige

Rudi Schultes ist mit seinem frisch aus dem Winterquartier geholten Fahrrad regelmäßig in Weiden unterwegs, alleine oder zusammen mit Carola Peintinger im Rahmen des sogenannten familienentlastenden Dienstes. "Die Eltern unserer Teilnehmer werden auch älter. Und das verändert die Situation zuhause", erklärt Lydia Wetzel. Auch in solchen Fällen kann die Offene Behindertenarbeit wertvolle Unterstützung bieten. Das setzt allerdings voraus, dass es auch künftig Ehrenamtliche gibt, die sich engagieren. Denn aus Altersgründen und wegen der Pandemie habe es Ausfälle gegeben, schildert OBA-Leiterin Wetzel. Wer sich über das Ehrenamt informieren möchte, kann sich unter der Telefonnummer 0961/200-170 melden.

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Hintergrund:

Offene Behindertenarbeit im Allgemeinen Rettungsverband

  • Beratung: Schwerbehinderten-Ausweis, Pflegegrade, Barrierefreiheit, Hilfsmittel, Teilhabe, Mobilität
  • Familienentlastender Dienst: Freizeitbetreuung, Abrechnung mit Pflegekassen oder dem Bezirk möglich
  • Treff Sonneninsel: ein bis zwei Mal pro Woche zum Ratschen, Spielen, Rätseln, offen für Menschen mit und ohne Behinderung (Anmeldung erforderlich)
  • Freizeit-Angebote: gemeinsame Ausflüge, Kurse, Vorträge, Garten-Projekte
  • Medien: Zeitschriftenprojekt "BeOBAchter" und Newsletter "OBAcht!"
  • Kooperation: Zusammenarbeit und Austausch mit zahlreichen Partnern
  • Ehrenamt: Einarbeitung, Fortbildung und fachliche Begleitung
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