07.11.2018 - 14:43 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Richter: "Schlimmer geht's nicht"

Für dreieinhalb Jahre muss der Weidener ins Gefängnis - und damit länger, als die Staatsanwaltschaft forderte. Der 30-Jährige hat nicht nur einen Passanten grundlos zusammengeschlagen, sondern sich auch eine gefährliche Amokfahrt geleistet.

Das ist selten: In seinem Urteil gegen einen 30-jährigen Weidener wählt der Richter ein höheres Strafmaß, als die Staatsanwältin vorgeschlagen hat.
von Autor hczProfil

Mindestens drei Menschenleben gefährdete der Mann bei einem brutalen Überfall vor knapp zwei Jahren sowie bei einer Amokfahrt unter Drogeneinfluss und ohne Führerschein ein halbes Jahr später. Nun verurteilte ihn das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Hubert Windisch zu dreieinhalb Jahren: sogar zehn Monate mehr, als Staatsanwältin Natalie Wolf gefordert hatte.

Im Dezember 2016 hatte der Weidener überraschend und grundlos am Josef-Witt-Platz auf dem Heimweg von der Disco einen 44-Jährigen zu Boden geschlagen. Den Liegenden traktierte er mit Fäusten und Füßen, fügte ihm schwerste Gesichtsverletzungen zu. Jochbein, Nase, Oberkiefer und Orbitaboden waren zertrümmert. Der Angestellte war über ein halbes Jahr arbeitsunfähig und musste in Weiden und Erlangen mehrfach operiert werden.

Zwei Begleiterinnen des Schlägers packte nach dem Vorfall offenbar die Reue. Eine von ihnen alarmierte den Rettungsdienst. Auch der 30-Jährige selbst setzte einen Notruf ab. Später gaben sie bei der Polizei an, sie hätten von der eigentlichen Tat nichts mitbekommen. Nur durch akribische Ermittlungen und Videoaufzeichnungen der Örtlichkeit kam die Kripo dem Täter auf die Spur. Die Frauen erwartet nun ein Strafverfahren wegen Falschaussage und versuchter Strafvereitelung.

Mitte des Jahres 2017 fuhr der Angeklagte mit dem Auto seiner Mutter in die Stadt. Dort raste er mit hoher Geschwindigkeit zu einem Brillengeschäft in die Max-Reger-Straße. Dass er bei der Einfahrt in die Fußgängerzone eine 23-jährige Studentin beinahe umgefahren hätte, war ihm nur einen "Stinkefinger" wert. Ein 39- Jähriger filmte die Fahrt mit dem Handy, so dass sie am Dienstag vor Gericht betrachtet werden konnte.

Nachdem der Mann mit quietschenden Reifen wieder davongerast war, überholte er die in Doppelreihen an einer roten Ampel wartenden Autos, bog vor ihnen nach rechts ab und überfuhr dabei beinahe einen 28- Jährigen, dessen Fußgängerampel Grün zeigte. Der Elektroniker aus Weiden konnte sich nur durch einen kühnen Sprung retten. Da die Mutter des führerscheinlosen Rasers inzwischen die Polizei informiert hatte, dass ihr Sohn das Auto gestohlen habe, fahndeten die Beamten bereits nach ihm und entdeckten ihn schließlich mit Hilfe eines Diensthundes. Er hatte sich in einer Thujenhecke versteckt.

Pluspunkte verdiente sich der von Rechtsanwalt Tobias Konze verteidigte Angeklagte damit, dass er von Anfang an ein vollständiges Geständnis ablegte. Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder berichtete, dass der Drogenkonsum des 14 Mal Vorbestraften schon im Schulalter begonnen habe. Mittlerweile habe die Abhängigkeitserkrankung ein derartiges Maß angenommen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Körperverletzungs- und Drogendelikte zu erwarten seien. Rieder empfahl die Unterbringung in einer Einrichtung zur Therapie, die Richter Hubert Windisch neben der Freiheitsstrafe auch anordnete.

Rechtsanwalt Hilmar Lampert, der den geschädigten Nebenkläger vertrat, forderte für die "massive Gewalttat eine massive Freiheitsstrafe". Rechtsanwalt Konze plädierte auf zweieinhalb Jahre und wies darauf hin, dass sein Mandant schon sieben Monate in U-Haft verbracht hatte. Windisch stellte in der Begründung des Urteils die große Brutalität bei der Körperverletzung in den Vordergrund. Die Straßenverkehrsgefährdung kommentierte er: "Schlimmer geht's eigentlich nicht."

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