18.07.2019 - 12:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Riesenaufstand" um kleines Gebäude im Weidener Bauausschuss

Das Handreinigerhäuschen im Park soll weg. Doch bisher zwei Beschlüssen folgten keine Taten. Nun gibt es einen dritten im Bauausschuss – und Kritik an der vermeintlich unwilligen Verwaltung.

Für viele Stadträte ist es ein "Schandfleck": Das Handreinigerhäuschen im Max-Reger-Park soll weg, der Spielplatz erweitert werden. Doch fast ein Jahr nach dem ersten Beschluss dazu steht es noch immer.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Dass die Diskussion zum dritten Mal innerhalb eines Jahres nötig war und weiter ausuferte, darüber wunderte sich nicht zuletzt Stefan Rank. "Man bekommt fast den Eindruck, wir wollten den Bauhof abreißen", staunte der Stadtrat der Bürgerliste. Dabei ging es doch nur um "Arbeit für einen Tag" - den Abriss des Handreinigerhäuschens im Stadtpark nämlich. Doch der Bauausschuss verhandelte aus scheinbar marginalem Anlass weit größere Fragen. Zum Beispiel: Ist die Verwaltung unwillig, klare Beschlüsse des Stadtrats umzusetzen? Diesem Vorwurf sieht sich Baudezernent Oliver Seidel ausgesetzt. Immerhin erhielt er bereits vor knapp einem Jahr den Auftrag des Gremiums, den Spielplatz im Park erweitern zu lassen und dafür das Häuschen zu opfern.

Nun schilderte Seidel das "Entsetzen" der Verwaltung über den damaligen Beschluss. Denn das als Geräteschuppen und Aufenthaltsraum genutzte Gebäude sei "nicht entbehrlich". Die zwischenzeitliche Suche nach Alternativen sei erfolglos verlaufen. Seidel: "Erst müssen wir eine neue Unterkunft finden, dann können wir abbrechen." Es sei schwierig, die "Wünsche der Politik" mit "vorliegenden Fakten" in Einklang zu bringen. "Es war Zeit genug, um Alternativen zu finden", entgegnete Hildegard Ziegler (SPD). "Mein Eindruck ist: Vielleicht will man gar nicht." Der "Schandfleck im schönen Park" müsse endlich weg. Auch die Handreiniger selbst fänden es "eklig" in dem Gebäude. "Jeder Zustand ist besser als der jetzige", stimmte Rank zu. Alternative Räume fänden sich womöglich im Untergeschoss der Realschulen. Oder in einem Container. Ansonsten wollte er das Thema nicht weiter aufgebauscht wissen: "5000 Euro für den Abbruch, 5000 für den Container. Fertig."

Nach Ansicht von Roland Richter (SPD) bietet die Neugestaltung des Spielplatzes die große Chance, die Innenstadt familienfreundlicher zu machen. Und er stellte ein Ultimatum: "Die Suche nach Alternativen muss Ende August abgeschlossen sein." Auch Hans Sperrer (CSU) wollte den Druck erhöhen: "Es muss etwas geschehen. Es ist ein Jahr lang nichts geschehen."

Wobei Bürgermeister Jens Meyer auffiel, dass die CSU-Vertreter nun "eine Rolle rückwärts" vollzogen: So traten Sperrer, Alois Lukas und Stephan Gollwitzer für eine Ortsbesichtigung ein, um die Möglichkeit einer Sanierung zu prüfen. Auch Seidel legte nach: Das Gebäude habe eine gute Substanz, es sei erschlossen ("Wasser, Abwasser, Strom"). "Warum Tabula rasa machen?" Die Erweiterung des Spielplatzes sei auch auf der benachbarten Wiese möglich. Meyer verwies jedoch auf zwei einstimmige Beschlüsse zum Abbruch. Nun folgte ein dritter - diesmal allerdings gegen die drei CSU-Stimmen. Auch wenn der Baudezernent weiter protestierte: "Wir werden die Mitarbeiter nicht auf die Straße stellen können!" Zuvor hatte auch Stefan Rank erneut seinen Unmut geäußert: "Wenn man um so eine Geschichte so einen Riesenaufstand macht, werd' ich ganz narrisch!"

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