21.09.2021 - 17:17 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ringen um Lösungen für Real-Mitarbeiter in Weiden

Im Mai 2022 soll der Real-Markt in Weiden geschlossen werden. Stadt, Arbeitsagentur und Gewerkschaft Verdi suchen für die 52 Mitarbeiter nach Lösungen. Der neue Betreiber bleibt weiterhin ein Geheimnis.

Der Real-Markt in Weiden schließt Ende Mai 2022. Stadt und Gewerkschaft suchen für die 52 Mitarbeiter nach sozialverträglichen Lösungen.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Mit Bedauern hat Oberbürgermeister Jens Meyer die Schließung des Real-Marktes in der Neustädter Straße zum 31. Mai 2022 zur Kenntnis genommen. Jetzt müssten Lösungen her. "Die Entscheidung des Konzerns trifft mich und die Stadtgesellschaft sehr", teilte er in einem Schreiben an die Presse mit. Die Gewerkschaft Verdi findet den Umgang mit den Beschäftigten einfach nur unfair. Deren Stimmung sei entsprechend gedrückt.

Wie berichtet, schließt Real im nächsten Jahr seinen Lebensmittelmarkt in Weiden. Das Unternehmen war im Juni 2020 von der Metro-Gruppe an den russischen Investor SCP verkauft worden. Es begann die weitgehende Zerschlagung der 276 Real-Standorte in Deutschland. Der Großteil wird unter den Lebensmittelhändlern Kaufland, Edeka und Globus aufgeteilt. Über ein Jahr bangten die verbliebenen 52 Mitarbeiter - anfangs waren es noch 65 - um ihre Arbeitsplätze. Seit kurzem haben sie Gewissheit, dass neben der Filiale in Amberg auch Weiden geschlossen wird.

Gespräche mit Arbeitsagentur

Oberbürgermeister Meyer will den Mitarbeitern unter die Arme greifen. "Gemeinsam mit der städtischen Wirtschaftsförderung, der Agentur für Arbeit Weiden und der Gewerkschaft Verdi ist es mir wichtig, dass wir berufliche Perspektiven für die 52 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schaffen," sagt Meyer.

Obwohl der Real-Markt in Weiden neben vielen anderen Filialen in Deutschland geschlossen wird, sei der Einschnitt für die Beschäftigten enorm. Bei einem Gespräch mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, Thomas Würdinger, war sich der Oberbürgermeister mit ihm einig, dass sich die Agentur für Arbeit um jeden Einzelfall kümmern werde. Dazu zählten auch die klassischen Angebote von Umschulung oder Nachqualifizierung. Auch Wirtschaftsförderer Fabian Liedl habe bereits das persönliche Gespräch mit der Geschäftsführung des Real-Marktes in der Neustädter Straße gesucht und seine Unterstützung angeboten.

Für die 52 Mitarbeiter hat die Real GmbH nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat einen Sozialplan in Arbeit. "Ein bundesweiter Sozialplan für alle Beschäftigten", wie Verdi-Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien sagte. Für die Mitarbeiter vor Ort müsse versucht werden, einen individuellen Interessensausgleich auszuhandeln. Gröbner stinkt die Handlungsweise des Düsseldorfer Unternehmens gewaltig. "Die Ungewissheit und monatelange Hängepartie ist einfach unfair gegenüber den Beschäftigten. Die Stimmung entsprechend aufgewühlt. Auch wir haben bis zum letzten Tag gehofft, dass es irgendwie weitergeht", sagt Gröbner.

Die Gewerkschaft wolle nicht hinnehmen, dass hier qualifizierte Arbeitsplätze einfach so verschwinden. Den Mitarbeitern wolle man pragmatische Hilfe anbieten. "Mancher kann vielleicht früher in Rente gehen. Aber bei der Mehrheit ist das noch keine Option. Es ist für alle enttäuschend, dass es nun eine solche Entwicklung genommen hat."

Kein Betriebsübergang

Für die Gewerkschaft sei die Situation durchaus "besonders", da es sich um keinen klassischen Betriebsübergang nach §613a (BGB) handelt, der in der Regel die Arbeitnehmer bis zu einem gewissen Grad schütze. "Warum es diesen Übergang in Weiden nicht gibt, kann auch Gröbner nicht beantworten. "Wir können leider nicht hinter die Kulissen schauen und müssen die Lage erst aufklären." Will heißen, auch Verdi hat im Moment keine Kenntnis, was der neue Betreiber in Weiden vorhat und wer sich dahinter verbirgt.

Laut Real-Pressestelle erfolgten am Standort Weiden erstmal "umfangreiche konzeptionelle und bauliche Veränderungen" durch den neuen Betreiber. Die Lebensmittelketten Edeka und Kaufland haben, wie berichtet, kein Interesse an Weiden. Edeka hat bereits mit dem Generationenmarkt in unmittelbarer Nähe ein Center und führe, wie es mitteilte, bezüglich des Objektes keine Gespräche mit Real oder SCP. Der Redaktion liegen jedoch Informationen vor, dass Edeka noch nicht aus dem Rennen sei. Eine Bestätigung dafür gibt es aber bislang nicht.

Aus dem Rennen scheint auch der Sportartikelhersteller Decathlon mit Sitz in Plochingen. Dieser hatte bundesweit ebenfalls Interesse an frei werdenden Flächen signalisiert. Weiden gehört nicht dazu, wie eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage mitteilte. Man sei hier aktuell nicht in Gesprächen.

Real-Markt in Weiden schließt 2022

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