10.08.2018 - 14:43 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Rio-Raub: Viktor C. will reden

Bislang hat Viktor C. eine Beteiligung bestritten. Der 41-Jährige ist angeklagt, beim Raubüberfall auf ein Seniorenpaar in Grafenwöhr dabei gewesen zu sein. Jetzt will er reden und kündigt am Freitagmittag überraschend eine Erklärung an.

Warten auf Viktor: In einem Monat, am 10. September, will sich der stets gut bewachte Hauptangeklagte im Rio-Prozess erklären.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Weiden/Grafenwöhr. (ca) Auf Wunsch von Verteidiger Jörg Sodan unterbricht die 1. große Strafkammer die Sitzung. Nach den 60 Minuten macht Viktor C. dann einen Rückzieher, möglicherweise auf Anraten seines Verteidigers. Die Erklärung soll auf Wunsch von Sodan erst am nächsten Verhandlungstag, dem 10. September 2018, erfolgen.

Der Ukrainer wirkt zunehmend unruhig. Am letzten Verhandlungstag hat ihm die Weidener Kripo sein Alibi um die Ohren gehauen. Der Kumpel, mit dem er zur Tatzeit am 11. April 2016 angeblich bei "Kentucky Fried Chicken" in Prag saß, traf sich mit einem ganz anderen Ukrainer. Das weiß man deshalb so genau, weil die tschechische Polizei zufällig das Telefon dieses Kumpels abgehört hatte. Die Protokolle wurden jetzt wieder ausgemottet.

Auch mit dem Plädoyer des Staatsanwalts wird es am Freitag nichts. Zu lange ziehen sich die Reste der Beweisaufnahme hin. Ein paar interessante Details gibt es doch, etwa bei den "persönlichen Verhältnissen" des Angeklagten Viktor C. Er hat zum Zeitpunkt seiner Festnahme im Oktober 2016 eine schwangere Ehefrau mit zwei Söhnen in der Ukraine sitzen. In Prag, wo er sich "beruflich" aufhielt, hat er eine Geliebte. Und diese hat ausgesagt, dass es ihres Wissens eventuell noch eine Partnerin mit Kind in Ungarn gibt.

Interessant auch die Vita des angeklagten Beihelfers Dmytro P., 24. Er hat das Tatfahrzeug angemietet. Ursprünglich war der Ukrainer zum Studium (Internationales Management) in Prag. Ab 2014 spezialisierte er sich auf die Vermittlung von Mietfahrzeugen an die russischsprachige "Community". Möglicherweise war dies lukrativer. In mindestens zwei Fällen - in Oleska (Tschechien) und in Grafenwöhr - wurde mit diesen Autos zu nächtlichen Raubüberfällen auf Privathäuser gefahren. Dmytro P. saß zehn Monate in Untersuchungshaft, ehe er im August 2017 auf freien Fuß gesetzt wurde und jetzt wieder bei seinen Eltern in der Ukraine lebt. Zu den Verhandlungen in Weiden fliegt der junge Mann freiwillig und auf eigene Kosten an - schon 23 Mal.

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