01.01.2020 - 16:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ruhiger Rutsch – mit Ausnahmen

Die Böllerdiskussion scheint ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Die Weidener und die Landkreisbewohner schicken ihre Raketen gefühlt dosierter als in den letzten Jahren in den Silvesterhimmel. Auch für die Einsatzkräfte ist es ein ruhiger Jahreswechsel. Mit kleinen Ausnahmen.

von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

„Eine Silvesternacht wie jede andere“, nannte es Jürgen Meyer am Neujahrsmittwoch. Der ILS-Leiter und seine Kollegen von der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz verzeichneten 32 Einsätze von 22 Uhr am Dienstagabend bis 6 Uhr am Neujahrstag. Darunter waren auch 10 Verletzte, die sich kleinere und mittlere Blessuren beim Umgang mit Feuerwerkskörpern zuzogen.

Kurz nach Mitternacht wurde etwa in Neunkirchen ein 68-jähriger Mann durch eine Silvesterrakete leicht verletzt. Der Mann erlitt laut Polizeibericht eine Schürfwunde am Kopf. Offen ist hier aber, ob dahinter eine vorsätzliche Handlung steht. Die Polizei ermittelt. „Es gab außerdem Verbrennungen, Verbrühungen und Stürze. Auch drei Kinder waren betroffen. Massive Verletzungen, wie sie leider immer wieder mal vorkommen, waren aber glücklicherweise nicht dabei“, sagte Meyer erleichtert.

Wie die Rettungskräfte waren auch die Feuerwehren der Region zum Jahreswechsel gut beschäftigt. Einige wahrscheinlich „silvesterbedingte“ Brände in Altenstadt, Weiden, Vohenstrauß, Neustadt/WN oder Grafenwöhr – meist Feuerwerkskörper, die in Container, Papierhaufen oder eine Holzkiste einschlugen – konnten laut ILS schnell gelöscht werden und blieben ohne größere Folgen. In Pressath sprengte ein Unbekannter – vermutlich mit einem illegalen Silvesterböller – einen an einem Gartenzaun befestigten Briefkasten in die Luft.

Zu etwas Schlimmerem hätte sich jedoch ein Vorfall in einem Wohnzimmer im Flosser Ortsteil Schlattein ausweiten können. Dort war die Glasscheibe eines Holzofens gebrochen. Dabei traten Glut und Funken aus. Dazu kam eine starke Rauchentwicklung. „Da die Glut auf einen Holzboden fiel und wir schnell da waren, ist es aber glimpflich ausgegangen“, berichtete der Flosser Kommandant Felix Müller. Drei Feuerwehren waren vor Ort, die das Brandgut entfernten, es vor dem Haus löschten und die Räume rauchfrei machten. Über die Schadenshöhe gab es keine Angaben.

Angeblicher Arzt auf Abwegen

Auch für die Polizei war es eine vergleichsweise „normale“ Silvesternacht. 16 Mal mussten die Beamten am vom Silvesterabend und bis zum Neujahrsmorgen ausrücken. Mehrere Streifen kamen nach gemeldeten Streitigkeiten bei einer privaten Feier im Weidener Westen zum Einsatz. Es kam zu Handgreiflichkeiten, bei denen zwei Beamte leicht verletzt wurden. Der Hauptaggressor wurde in Gewahrsam genommen. Weitere Details wurden am Mittwoch aus ermittlungstaktischen Gründen nicht genannt.

Der skurrilste Fang des Abends ging den Beamten am frühen Neujahrsmorgen freiwillig ins Netz. Ein stark angetrunkener 36-Jähriger stieg bei einem Einsatz vor einem Weidener Club ins Polizeiauto ein und weigerte sich, es wieder zu verlassen. „Er musste aus dem Streifenwagen gezogen werden“, teilte Polizeihauptkommissar Ingmar Wenisch am Mittwoch mit.

Doch der streitlustige Mann ließ nicht locker: Als er auch einem letztlich ausgesprochenen Platzverweis nicht nachkam und ein Alkoholtest mehr als zwei Promille ergab, durfte er bis Mittag in der Zelle der PI Weiden seinen Rausch ausschlafen. Hier gab der 36-Jährige laut Wenisch später an, Chirurg zu sein und vor einer dringenden Operation zu stehen. „Ein Anruf beim Klinikum entlarvte jedoch den ‚Möchtegern-Arzt‘.“ Eine bei ihm gefundene Ekstasy-Tablette brachte ihm außerdem eine Anzeige nach dem Betäubungsmittelgesetz ein.

Führerscheine weg

Wegen mehrerer Delikte muss sich ein Paar verantworten. Am Morgen ergab ein Alkotest bei einer Kontrolle eines Weideners (27) und seiner Beifahrerin (20) in der Christian-Seltmann-Straße 1,8 und 1,3 Promille. Den Mann erwartet eine Anzeige wegen Trunkenheit im Straßenverkehr und Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Gegen die 20-Jährige, die um ihn zu schützen auch angab, gefahren zu sein, wird wegen versuchter Strafvereitelung ermittelt.

Noch im alten Jahr ist ein 69-jähriger Weidener seinen „ Lappen“ losgeworden. Da der Rentner bei einer Kontrolle am Abend im Stadtgebiet stark nach Alkohol roch, folgte ein Atemalkoholtest, der 1,2 Promille ergab. Nach einer Blutentnahme war sicher: Der Mann startet ohne Auto ins neue Jahr.

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