15.11.2019 - 14:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Salute"-Club: Lange nichts gehört

"Salute"-Chef Thomas Bauer dürfte froh sein, wenn dieses Jahr vorbei ist. Seit März hat sein Saal in Rothenstadt kein Konzert mehr gesehen, seit September verkümmert der Ableger in der Innenstadt, das Café am Alten Rathaus. Was ist da los?

„Salute“-Wirt Thomas Bauer würde gerne so bald wie möglich wieder Bands statt Tische im Saal seines Rothenstädter Rockclubs sehen. Dazu müsste er sich aber mit der Stadt einigen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Zunächst nach Rothenstadt. Die letzte größere Veranstaltung im Saal war das Jubiläumskonzert von AC/DX. im März. Dabei habe in der Zeitung gestanden, dass 300 Besucher zuhörten. Bauer sagt jedoch, dass er nie mehr als 199 Tickets verkauft, sonst greife eine strengere Vorschrift der Versammlungsstättenverordnung.

Das ist der Paragraf 47. Den monierte nach dem AC/DX.-Konzert ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Nach Auskunft von Stadtsprecherin Roswitha Ruidisch sei ihm aufgefallen, dass Bauer im Rockclub "bauliche Veränderungen" vorgenommen habe. Unter anderem seien Fluchtwege versperrt gewesen. "Es gibt jedoch keinen bauaufsichtlichen Grund für eine Schließung", betont Ruidisch.

Bauamt pocht auf Paragraf

Bauer könne jederzeit Konzerte veranstalten, wenn er gemäß Paragraf 47 eine Anzeige beim Bauamt der Stadt macht. Das sei formlos möglich und müsste mindestens vier Wochen vor einer Veranstaltung geschehen. Dann würde geprüft, ob alles den Vorschriften entspreche. Bisher sei vom Pächter aber noch nichts gekommen.

Bei Thomas Bauer klingt das etwas anders, trotzdem unterstreicht er: "Ich bin an einer einvernehmlichen Lösung mit der Stadt interessiert." Notausgänge, Treppen, Licht - all das sei bereits abgenommen. Ein Mitarbeiter der Bauverwaltung habe im Frühjahr allerdings Unterlagen zu Brandschutz, Statik und Einpassung des Saals in die Umgebung verlangt. Fazit laut Stadt: Im jetzigen Zustand entspricht das Salute nicht der Baugenehmigung. "Der Mann hat gesagt, die letzten Unterlagen seien von 1983. Ich habe die aber auch nicht, weil ich erst seit 2013 Salute-Pächter bin", sagt Bauer verwundert.

Den Vorschlag des Wirts, das, was fehlt, von einem Architekten "nachträglich und unbürokratisch" einzeichnen zu lassen, lehne die Stadt ab. Der 40-Jährige will dennoch die geforderten Papiere bald einreichen und sei zu Umbauten bereit. Obwohl Bauer kein böses Wort über die Stadt verliert, verrät er: "Ich habe Angst, dass eine Prüfung zu lange dauert."

Kontakte nicht abreißen lassen

Wie viel Zeit so etwas in der Regel in Anspruch nimmt, kann Roswitha Ruidisch nicht sagen. Bauer hätte es aber eilig: "Wenn das so lange dauert wie ein Hausbau, brauche ich keine Veranstaltungen mehr zu machen." Er müsse jetzt schon jede Menge Auftrittsanfragen negativ beantworten. Unter anderem hätten die aus dem Fernsehen bekannten "Woid Boyz" und eine schwedische Iron-Maiden-Coverband in Rothenstadt Station machen wollen. Falle das "Salute" noch länger als Konzertsaal und Comedy-Bühne aus, seien die Verbindungen zur Veranstalter-Szene weg. Die sind teilweise über Jahre gewachsen.

"Harry G., Sepp Bumsinger oder die Lizzy Aumeier - die waren schon bei uns als sie noch keiner gekannt hat." Dazu kommen Bands wie "Slow Fact" aus den USA, denen Fans bis aus Sachsen nachreisen. "Mit den Konzerten ist nichts verdient, aber damit steht das Salute in der Presse, das ist für das Lokal ganz wichtig."

Kein Glück mit Altstadt-Café:

Im Gegensatz zum Stammhaus in Rothenstadt hängt Thomas Bauers Herz längst nicht mehr am Salute-Café in der Altstadt. "Es ist absolut unrentabel." Etwas über ein Jahr lang betrieb der Rothenstädter die frühere Eisdiele "Cortina" als Bistro und Café-Bar mit Burgern und Bier. Seit Ende September ist sie geschlossen. In der Tür hängt ein Zettel. Darauf steht: "Wir machen uns für euch hübsch." Bauer erklärt dies so: Er habe dort noch anderthalb Jahre Pachtvertrag. Den wolle er erfüllen, indem er unterverpachtet. Dazu verhandle er mit einem "jungen Weidener". Bauer stellt sich das so vor: Er zahlt zwei Drittel der Miete, der Neue ein Drittel "plus 200 bis 300 Euro Ablöse pro Monat". Mit dem Vermieter, einem Windischeschenbacher Handwerker, der das Haus von einem Etzenrichter Arzt gekauft hat, herrsche gutes Einvernehmen. Das Lokal werde umgebaut in eine Café-Bar. Der für Eisdielen typische Marmortresen mitten im Raum komme weg, der frei werdende Platz werde für Sitzplätze genutzt. Auch die Ausgabeklappe zur Straße werde zu einer Art Panoramafenster umfunktioniert. Obwohl von Gästen sehr gelobt, lief es von Anfang an nicht so, wie geplant, klagt Bauer. Er habe außen nicht so üppig bestuhlen dürfen wie gewünscht, zudem habe er einen "mündlich zugesagten" Kamin von der Küche in den Innenhof aus Denkmalschutzgründen wieder stilllegen müssen. "Es gab auch Beschwerden wegen der Abluft aus der Nachbarschaft", ergänzt Ruidisch. Bauer ist nicht an bösem Blut gelegen, deutet aber Ähnliches an. "Das ganze Miteinander am Unteren Markt ist nicht so harmonisch." (phs)

Kommentar:

Bühne frei für Vermittler

So richtig schlau wird man nicht daraus: Der Wirt sagt sinngemäß, im „Salute“ habe doch bisher alles gepasst, warum jetzt nicht mehr? Das Rathaus sagt, er müsse nur ein paar Unterlagen einreichen, dann könne es weiterhin Konzerte geben. Ansonsten gibt es sich wortkarg.
Nur ein Missverständnis? Dann könnte die Sache doch längst ausgeräumt sein. Ist sie aber nicht. Heikelster Punkt ist wohl das Thema Baugenehmigung. In so einer Situation könnten Vermittler hilfreich sein. Denn für Weiden als Kulturstadt ist es nicht gut, wenn es in Rothenstadt immer leiser wird. Das „Salute“ ist eine der ganz wenigen Konzertbühnen der Stadt, die ein spannendes Rock-und-Pop-Programm anbieten, das in der Region sonst höchstens im „Schafferhof“ zu hören ist - wenn auch mit anderem Akzent. Gleiches gilt für die „Sünde“. In einer Studentenstadt ist so etwas unverzichtbar.
Womit wir wieder bei den Vermittlern wären. Das könnte eine dankbare Aufgabe für Stadträte werden. Der „Salute“-Konflikt wäre eine Bühne, das eigene Profil zu schärfen. So etwas könnte bei der Wahl am 15. März Anklang finden.

Von Friedrich Peterhans

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