26.02.2020 - 11:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Salute"-Club in Rothenstadt: Zukunft weiter ungewiss

Wird der "Salute"-Club in Rothenstadt jemals wieder öffnen? Pächter Thomas Bauer hofft es. Aber er weiß auch: Wirtschaftlich ist das kaum zu stemmen. Diese Woche könnte eine Vorentscheidung fallen.

Wirt Thomas Bauer braucht ein Lokal. Er hängt sehr am "Salute" in Rothenstadt, das er aber wegen Statikproblemen zurzeit nicht führen kann. Einstweilen will er in der Altstadt Gäste verköstigen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Wie berichtet, hat die Stadt vergangene Woche in Absprache mit Bauer die weitere Nutzung des Rockmusik-Clubs "Salute" untersagt, weil statische Probleme den Lokalbesuch nicht gefahrlos zulassen. Um dies abzustellen, muss jetzt erst einmal ein detailliertes statisches Gutachten erstellt werden. "Das kostet 30 000 bis 50 000 Euro, und dann muss das alles ja noch umgesetzt werden", stöhnt Betreiber Thomas Bauer. Für ihn ist das nicht zu machen. Diese Woche hat er noch mal einen Termin mit dem Vermieter, der eine Erbengemeinschaft vertritt. "Dann müssen Zahlen auf den Tisch."

Etliche Veränderungen

Ob die Eigentümer sich auf einen teuren Umbau einlassen, ist offen. Hinzu kommt: Die letzten genehmigten Baupläne stammen von 1983. In der Zwischenzeit haben etliche Mieter Etliches verändert. Bis eine Entscheidung fällt, hat Bauer auch keinen Umsatz. Im "Salute" ist er aber Arbeitgeber für drei Festangestellte plus einige Aushilfskräfte. Zwar gebe es durchaus andere Lokale in Weiden zu pachten, das Rothenstädter Ambiente sei jedoch einmalig. "So etwas ist kaum mehr zu finden."

Immerhin: Es tut sich etwas beim "Salute"-Ableger am Oberen Markt. Der steht ebenfalls seit Monaten leer. Bauer baut dort gerade um und will Ende März eröffnen. In welche Richtung es geht, verrät er nicht. "Es gibt drei Optionen." Der Vorteil im Schlamassel: So lange in Rothenstadt nichts vorwärts geht, kann sich der Chef selber um die Altstadt-Filiale kümmern. Auch die anderen Aktivitäten will der 40-Jährige nicht aufgeben. So will "Salute" auf jeden Fall am Bürgerfest-Sonntag wieder zünftigen Rock auf dem Roten Platz organisieren.

Zurück nach Rothenstadt, wo nur feststeht, dass viel, aber nicht, was marode ist. Georg Kick, ein Nachbar und Autor des Rothenstädter Heimatbuchs, hat herausgefunden, dass das "Salute"-Gebäude in der Weingasse vor 126 Jahren gebaut wurde - als Bierkeller: "Nach mündlicher Überlieferung sollen für das Haus mit seinen acht Meter tiefen Kellern genau so viele Ziegel verbaut worden sein, wie für die gleichzeitig gebaute Marienkirche."

Bewusst an der Bahn gebaut

Hintergrund: Die Kapazität des Kellers der Rothenstädter Brauerei unter dem heutigen Pausenhof der Hans-Sauer-Schule war Ende des 19. Jahrhunderts erschöpft. So fiel die Entscheidung, ein neues Lager anzulegen. Der Standort war bewusst gewählt, erklärt Kick: Ab 1863 fuhr die Eisenbahn an Rothenstadt vorbei. 1894 erhielt der Ort aber mit dem zweiten Gleis eine Haltestelle mit Postagentur - und zwar nur 100 Meter vom geplanten Bierkeller entfernt. Der Platz verhieß also Umsatz und Ausflugsgäste. Durch die Tiefe konnte das Bier bis zum Spätsommer frisch gehalten werden. Das Eis dazu stammte vor allem vom Dorfweiher, wo heute das Kriegerdenkmal seinen Platz hat.

Das Gebäude stand 20 Jahre völlig frei, erst danach haben sich die ersten Nachbarn angesiedelt. "Obendrauf war nicht viel mehr als Dachpappe, die ab und an ausgebessert wurde," weiß der Heimatforscher und nennt damit eine Ursache des heutigen Problems.

Die Schließung des "Salute"-Clubs

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Mehr als nur Kneipe

Es ist wie so oft: Man merkt erst, dass etwas fehlt, wenn es nicht mehr da ist. 13 Jahre lang war das „Salute“ ganz selbstverständlich für die Weidener Rock-Fans da. 2005 als Stammtisch für Hobbymusiker gegründet, legte der Club zwei Jahre später eine erstaunliche Karriere hin – bis hin zur gemütlichen Kneipe und zur verlässlichen Konzertstätte, in der jede Woche ordentlich was los war. Harte Kult-Bands wie „Ohrenfeindt“, Kabarettisten wie Lizzy Aumeier und Liedermacher wie Markus-Kellner fanden eine Bühne, die wie für sie gemacht war. Dem Rausch folgt der Kater: Baumängel sind so eklatant, dass der Saal seit fast einem Jahr leer steht und nun auch die Kneipe schließen musste. Die jüngsten Aussagen von Betreiber Thomas Bauer dazu machen kaum Hoffnung. Weiden droht ein schwerer Verlust. Nicht nur der einer Kneipe, sondern vielmehr eines wertvollen Stücks seines Kulturlebens.

Ralph Gammanick

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