Die Sanierung des Schweigerblocks, den die Baugenossenschaft Familienheim 1925 im Stadtteil Stockerhut errichten ließ, ist so gut wie abgeschlossen. Die Wohnungen in Haus 1 sollen Ende August, spätestens Ende September bezugsfertig sein, informierte Vorständin Sabine Bergler am Montag. In sechs Gebäuden (Hausnummer 1, 3, 5, 7, 9 und 11) befinden sich insgesamt 33 Wohnungen, die Hälfte davon ist bereits vermietet. Haus 11 ist bereits komplett belegt, die Häuser 5 und 7 zum Teil. Die Nachfrage ist immens, ergänzte Berglers Vorstandskollegin Susanne Huber. Pro Wohnung gibt es 43 Anfragen.
Junge Familien mit Kindern, aber auch Ein- bis Zwei-Personenhaushalte sollen bezahlbaren Wohnraum bekommen. Die Wohnungen haben zwei bis fünf Zimmer und sind zwischen 60 sowie 120 Quadratmeter groß. Nur Genossenschaftsmitglieder können Mieter werden. Die Mitgliedschaft kostet einmalig 1120 Euro plus 20 Euro Bearbeitungsgebühr. Pro Quadratmeter werden im Schweigerblock 7,50 Euro Kaltmiete im Monat fällig, an Kaution drei Kalt-Monatsmieten, erklärte Bergler.
Für Wärme sorgt eine Hybridheizung, bestehend aus Wärmepumpe und Gaskessel, erläuterte Architekt Karlheinz Beer. Das System ist auch umrüstbar auf Wasserstoff oder einen Anschluss an ein Fernwärmenetz. Darüber hinaus werden der Innenhof und die Freiflächen zur Schweigerstraße begrünt, Mieter des Schweigerblocks, aber auch weitere Bewohner des Quartiers, können künftig diese Areale nutzen.
Förderung in Anspruch nehmen
Die Wohnungen werden mithilfe der so genannten Einkommensorientierten Förderung (EOF) vermietet, ein laufender Zuschuss zur Miete, der antrags- und einkommensabhängig ist. Trotz der hohen Nachfrage ist es schwieriger als erwartet, die Zimmer an den Mann oder die Frau zu bringen, erklärte Huber. Im Schweigerblock gibt es Wohnungen der EOF-Stufen 1 und 3. In Kategorie 1 sind genügend Interessenten da, in Kategorie 3 hingegen kein einziger. Das liegt vor allem daran, dass viele Menschen nicht über die Fördermöglichkeiten informiert sind oder nicht wissen, dass sie geförderten Wohnraum in Anspruch nehmen können.
Bei dem Projekt kamen überwiegend Handwerkerfirmen aus der Region zum Zug, deren handwerkliche Fähigkeiten wesentlich zum Gelingen dieser anspruchsvollen Baumaßnahme beigetragen haben, betonte Architekt Beer. Gerade beim Altbau braucht es Spezialisten, die mitdenken und selbst konstruktiv tätig werden. Leider geht dieses Know-how aber immer mehr verloren, bedauerte Beer. Beim Rundgang durch die Häuser geriet er dann regelrecht ins Schwärmen. Die Grundrisse der Wohnungen aus dem Jahr 1925 sind viel besser als heutzutage, die Zuschnitte praktikabler. Seine Devise lautet daher: "Lieber erhalten als durch einen schlechten Neubau ersetzen." Der Stadtplaner wünschte sich auch, dass bei Baumaßnahmen generell wieder mehr auf Qualität geachtet werden sollte. Darüber hinaus ist die Sanierung auch nachhaltiger, denn die sogenannte graue Energie, die für den Bau des Schweigerblocks vor fast 100 Jahren nötig war, bleibt erhalten. Für den Abriss und einen anschließenden Neubau wäre jeweils wieder Energie nötig geworden, die nun eingespart wurde.
Herausragendes Beispiel
Denn, man glaubt es kaum, wenn man vor dem sanierten Ensemble steht: Vor zehn Jahren stand tatsächlich ein Abriss zur Debatte. Dabei gilt die Anlage als herausragendes Beispiel für Genossenschaftsbau und als besonderes Zeugnis des expressionistischen Heimatstils der Zeit. 2014 wurde das Gebäude daher auch unter Denkmalschutz gestellt. In seiner Begründung schrieb das Landesamt für Denkmalpflege unter anderem, dass die 1925 erbaute Anlage im noch weitgehend authentisch überlieferten Zustand ein wichtiges Zeugnis des Wohnungsbaus in der Zeit der Weimarer Republik (1918 bis 1933) ist. In dieser Epoche hatte es in vielen bayerischen Städten große soziale Wohnbauprojekte gegeben. Der Schweigerblock enthält neoklassizistische und neobarocke Stilelemente, daher ist der Erhalt aus architektonischen, städtebaulichen und stadtgeschichtlichen Gründen im Interesse der Allgemeinheit.
2018 hat die Planung begonnen, berichtete Bergler. Seit 2020 läuft die Sanierung. Die Baukosten waren mit etwa neun Millionen Euro veranschlagt, genaue Zahlen, auch zur Höhe der Zuschüsse, kann die Baugenossenschafts-Chefin aber erst nach Abschluss der gesamten Maßnahme nennen. Mit Unterstützung der Regierung der Oberpfalz, der Stadt Weiden und des Landesamts für Denkmalpflege sei es gelungen, ein bedeutsames Zeitzeugnis regionaler Kultur zu erhalten sowie günstigen und sozialen Wohnraum in zentraler Lage neu zu beleben, sagte Architekt Beer. Dem pflichtete auch Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger als Vertreter des Landesdenkmalrats bei: Ein wesentlicher Teil des Stadtbilds, dessen Charakter und ein Stück Identität sind erhalten geblieben. "Der Schweigerblock ist ein positives Beispiel dafür, was Architekten und Denkmalschutz können."
Beispiele für Einkommensorientierte Förderung (EOF) im Schweigerblock
- EOF 1: Zuschuss drei Euro pro Quadratmeter, zum Beispiel für Alleinstehende mit circa 25.700 Euro oder Ehepaare mit circa 39.900 Euro Jahreseinkommen (brutto, ohne Abzüge und Freibeträge)
- EOF 3: Zuschuss ein Euro pro Quadratmeter, zum Beispiel für Alleinstehende mit circa 41.600 Euro oder Ehepaare mit circa 62.900 Euro Jahreseinkommen (brutto, ohne Abzüge und Freibeträge)
- Weitere Informationen: https://bgfamweiden.de
Quelle: Baugenossenschaft Familienheim Weiden




































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