29.05.2020 - 15:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schätzlerbad: Saison fällt ins Wasser

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Viele warten darauf, dass die Schwimmbäder endlich wieder öffnen. Für das Schätzlerbad in Weiden aber gibt es unüberwindbare Hürden. Die Becken bleiben gesperrt.

In diesem Sommer wird hier niemand schwimmen können.
von Siegfried BühnerProfil

Ab dem 8. Juni könnte in Bayern die Badesaison beginnen. Die Schwimmbäder dürfen öffnen, wenn Abstandsregelungen und andere Schutz- und Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Der Beschluss des Ministerrats löste beim Schwimmverein Weiden als Eigentümer und Betreiber des Schätzlerbads wenig Begeisterung aus. „Für uns als privater Betreiber ist eine Öffnung der Becken unter diesen Bedingungen einfach nicht durchführbar“, erklärt Vorsitzende Ilona Forster.

In einer Sitzung am Dienstag hat der Vorstand beschlossen, das Schätzlerbad im kommenden Sommer unter diesen Umständen weitgehend geschlossen zu halten. Aus logistischen und finanziellen Gründen sei dies zwingend erforderlich. Schwimmvereins-Schatzmeister Norbert Ziegler erläuterte die Gründe näher. „Unter Zugrundelegung der von der Deutschen Bädergesellschaft erstellten Regeln dürfen an heißen Tagen nicht wie im letzten Jahr bis zu 8000 Besucher kommen, sondern maximal 2500 bis 3000“, sagt er. Im großen Schwimmbecken dürften sich maximal 160 Schwimmer auf in verschiedene Richtungen abgegrenzte Bahnen bewegen. Begegnungen müssten vermieden werden. Für das Nichtschwimmerbecken errechnen sich maximal 50 Badegäste. „Besucher werden sich doch nicht freiwillig anstellen, um ins Wasser steigen“, prognostiziert Ziegler.

Keine Möglichkeit, den gesamten Badebetrieb zu öffnen, sehen die Verantwortlichen beim Schätzlerbad in Weiden: (von rechts) Schwimmvereins-Vorsitzende Ilona Forster und Stellvertreter Klaus Kunz, Reinhard Meier vom Förderverein und Norbert Ziegler, Schatzmeister des Schwimmvereins.

Außerdem verfüge das Schätzlerbad über kein elektronisches Kassensystem, das die Besucher zählen kann. Einen erheblichen Rückgang der Einnahmen könne der Verein, der „ohnehin jedes Jahr einen finanziellen Kraftakt leistet“, nicht aushalten. Auch Saisonkarten seien in diesem Jahr nicht mehr möglich. Eine Kontrolle der erforderlichen Hygieneschutz-Auflagen sei personell und logistisch nicht zu leisten. Der Schatzmeister: „Und wenn ein Corona-Infektionsfall auftritt, müssen dann Tausende in Quarantäne?“

Die Ausgabe von Online-Tickets, „Warteschlangen bis zur Autobahn“, Umkleiden ausschließlich in Einzelkabinen, Maskentragen beim Toilettenbesuch oder die Entscheidung, wie viele Vereinsmitglieder und wie viele Nichtmitglieder Zutritt haben – all dies seien kaum lösbare Probleme für die ehrenamtlichen Organisatoren. Mindestens 20 zusätzliche Mitarbeiter und ein finanzieller Aufwand von rund 150.000 Euro wären erforderlich, rechnet Reinhard Meier, Vorsitzender des Schätzlerbad-Fördervereins, vor.

Stellvertretender SV-Vorsitzender Klaus Kunz führt zudem „technische Aspekte“ ins Feld. So seien die nach der Winterzeit erforderlichen Renovierungsarbeiten zurückgestellt worden. Die hierfür erforderlich Kosten von 120.000 Euro könnten in einer nur kurzen Öffnungszeit nicht erwirtschaftet werden. Eine Öffnung des Bads ab 8. Juni sei schon deshalb nicht möglich. Bleibe das Bad über den Sommer hinweg geschlossen, könne möglicherweise die Generalsanierung vorgezogen werden. Schließlich werde im kommenden Jahr das 100. Jubiläum des Schätzlerbads gefeiert. Vorsitzende Forster hofft: „Wir setzen darauf, dass auch unsere Mitglieder und die Besucher unsere Entscheidung mittragen.“ Niemandem sei geholfen, wenn der Schwimmverein Insolvenz anmelden müsse.

Stellungnahme der Stadt:

Sonnenbaden und Schwimmen im Weiher erlaubt

„Natürlich sehnen wir uns im Sommer bei schönem Wetter nach einem Besuch des Schätzlerbads", erklärte Oberbürgermeister Jens Meyer am Freitag. "Auch mir wird es sehr fehlen.“ Dennoch äußert er Verständnis für die Verantwortlichen des Schwimmvereins. "Ich stehe hinter der Entscheidung." Vereinsführung und OB vereinbarten, dass der Schwimmverein den Beckenbetrieb erst für eine Öffnung zur Badesaison 2021 vorbereitet, da die angekündigten hygienischen Auflagen derzeit nicht gestemmt werden könnten. Zudem stehen im Schätzlerbad umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an. In der Pressemitteilung der Stadt heißt es weiter: „Dennoch stellt der Schwimmverein die Grünanlage mit abgegrenztem Liegebereich und dem großen Weiher täglich von 10 bis 20 Uhr den BürgerInnen zur Verfügung. Schätzlerbad-Fans und alle Sonnenhungrigen brauchen auf das Freizeitvergnügen nicht verzichten“.

Auch das Nichtschwimmerbecken bleibt abgesperrt.
Stadtbad ab 8. Juni geöffnet:

Eingeschränkter Betrieb

Zum Thema Stadtbad teilt die Stadt Weiden mit: "Verbindliche Regularien des Freistaates Bayern liegen noch nicht vor. Die Stadtverwaltung der Stadt Weiden bereitet daher das Stadtbad, also die Grünanlage, für eine Nutzung ab 8. Juni 2020 vor. Eine Nutzung des Kinderplanschbeckens ist nicht möglich. Umkleiden und Duschen bleiben geschlossen, die WC-Anlage ist nutzbar. BürgerInnen werden um Verständnis gebeten, sich bei einem Besuch des Stadtbads entsprechend vorzubereiten“.

Kein Rutschenspaß im Schätzlerbad
Freibäder im Landkreis:

So halten es die anderen

Einige Freibäder im Landkreis Neustadt wollen demnächst in die Saison starten, andere warten ab. So sieht’s im einzelnen aus:

- Freibad Windischeschenbach: will demnächst öffnen, ein genauer Termin steht noch nicht fest

- Waldbad Grafenwöhr: öffnet am 8. Juni

- Freibad Rußweiher, Eschenbach: will demnächst öffnen

- Freibad Vohenstrauß: Vorerst keine Öffnung geplant

- Freibad Pleystein: Gespräche zur Öffnung laufen, Tendenz geht jedoch zur Nichtöffnung

- Freibad Anlage Bäckeröd, Waidhaus: Noch einige Wochen Baustelle, Öffnung allein deshalb frühestens zu den großen Ferien. (rg)

Am Eingang des Schätzlerbades würden sich an heißen Tagen lange Schlangen bilden.
Kommentar:

Nicht so frei im Bad

Freibad – das Wort birgt in diesen Zeiten einen Widerspruch. Denn die Freiheit ist ja gerade dort stark eingeschränkt, wo viele Menschen zusammenkommen. Einige Anlagen wie die in Grafenwöhr und Windischeschenbach sind dennoch so frei und planen den leicht verspäteten Saisonstart, freilich mit Schutzmaßnahmen. Andere warten noch. Oder sie winken jetzt schon ab.
So traurig mancher Stammgast darüber auch sein dürfte, er sollte Verständnis haben für eine solche Entscheidung, die nirgendwo leicht fällt. Ganz abgesehen vom wirtschaftlichen Risiko: Strenge Hygienevorschriften, Besucherbegrenzungen und Schutzmaßnahmen lassen sich vor allem in weitläufigen Anlagen wie dem Schätzlerbad allenfalls mit großem Aufwand kontrollieren. Und Ärger mit uneinsichtigen Besuchern gab es dort auch schon vor Corona mehr als genug. Gerade Ehrenamtlichen ist diese Last der Verantwortung nicht zuzumuten. Sie sorgen sich, dass ihr gesamte Langzeitprojekt „Schätzler“ auf Dauer baden gehen könnte. Dann lieber eine Saison pausieren, durchschnaufen – und 2021 schön Jubiläum feiern.
Wie groß der Badespaß derweil anderswo ist? Das muss jeder für sich selbst entscheiden und erfahren: Wie viel Entspannung bringt mir der Freibadbesuch noch in dieser generell angespannten Atmosphäre? Dass allein die Möglichkeit zu einem Besuch nicht unbedingt Besucher generiert, das erfahren derzeit Wirte und Restaurantbetreiber schmerzhaft.

Ralph Gammanick

Das Schätzlerbad in der Coronakrise

Weiden in der Oberpfalz

Über die geplante Sanierung der Becken

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