19.12.2019 - 15:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Scheren-Angriff: Angeklagte aus Haft entlassen

Überraschung im Prozess wegen versuchten Totschlags: Ein Rechtsmediziner zweifelt an der Tatschilderung des mutmaßlichen Opfers.

Am ersten Prozesstag war die Angeklagte noch aus der JVA Regensburg zur Verhandlung bei der Weidener Justiz vorgeführt worden. Seit Dienstag ist die 30-Jährige auf freiem Fuß.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Das Schwurgericht hat eine Weidenerin (30) auf freien Fuß gesetzt, die derzeit wegen versuchten Totschlags vor Gericht steht (wir berichteten). Der zweifachen Mutter wird vorgeworfen, einen gleichaltrigen Bekannten mit Messer und Schere angegriffen zu haben. Jetzt sagt der Rechtsmediziner: So wie der Mann es schildert, kann sich die Tat nicht ereignet haben.Verteidiger Michael Haizmann stellte nach der Aussage von Professor Peter Betz am Freitagmittag sofort Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls. Seine Mandantin sitzt seit acht Monaten in Untersuchungshaft. Oberstaatsanwalt Bernhard Voit sprach sich gegen die Haftentlassung aus, woraufhin Haizmann ein indianisches Sprichwort zitierte: "Wenn du merkst, dass du auf einem toten Pferd sitzt, musst du absteigen." Das Landgericht folgte der Forderung des Regensburger Anwalts: Am Dienstag wurde die Weidenerin noch rechtzeitig vor Weihnachten entlassen.

Die Angeklagte hat sich in der Verhandlung bislang auf Anraten ihres Verteidigers nicht geäußert. Dafür aber das mutmaßliche Opfer: ein 30-jähriger Bekannter der Frau. Der folgenschwere Streit hatte sich im März 2019 in ihrer Wohnung in der Innenstadt zugetragen. Schon während der Vernehmung des 30-Jährigen stellte Professor Betz, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin Erlangen, kritische Fragen.

Sein Fazit danach: Die Stichbewegungen, die der 30-Jährige vor Gericht beschrieb, lassen sich nicht mit seinem Verletzungsmuster vereinbaren. Der Mann behauptete zudem, er habe zur Abwehr in die Klinge gegriffen, hatte aber keine Schnitte in der Handfläche. Dafür hatte die Angeklagte Verletzungen am Kopf, die von vier bis fünf stumpfen "Gewalteinwirkungen" herrühren würden. Auch das passt nicht zu den Aussagen des Geschädigten.

Aus Sicht von Verteidiger Haizmann könnte sich das Verfahren damit komplett drehen. Er will beim Fortsetzungstermin am Freitag, 27. Dezember, 9 Uhr, Whatsapp-Nachrichten vorlegen, die einen anderen Blick darauf gäben, "wer hier wen traktiert hat". Nach derzeitigem Stand ist das Verfahren bis 22. Januar terminiert.

https://www.onetz.de/oberpfalz/weiden-oberpfalz/frau-greift-mann-messer-schere-id2922029.html

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