11.09.2019 - 11:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Scheuer-Vorstoß: Fahrlehrer steigen auf die Bremse

Verkehrsminister Andreas Scheuer will den Führerschein reformieren: Künftig sollen Fahrer mit Automatik-Führerschein leichter auf manuelle Schaltung umsteigen dürfen. Fahrlehrer aus der Region reagieren unterschiedlich.

Alles Handarbeit: der klassische Schaltknauf.
von Redaktion ONETZProfil

Einfach einsteigen und losfahren. "Das ist die Zukunft", meint Günter Weiß, Fahrlehrer der Weidener Fahrschule Weiß. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sieht das ähnlich. Mit einem neuen Vorschlag will er den Automatik-Führerschein attraktiver machen. Doch der TÜV schlägt Alarm. Zu gefährlich soll der Gesetzesentwurf sein. Wir haben deswegen diejenigen gefragt, die täglich mit dem Führerschein zu tun haben: die Fahrschulen Weiß und Deisinger aus Weiden, Oetter aus Grafenwöhr, sowie Thoma aus Plößberg.

Aktuell läuft es so: Wer die Führerscheinprüfung mit einem Automatik-Auto ablegt, darf keines mit manueller Schaltung fahren. Nur eine zusätzliche praktische Prüfung mit einem Wagen mit Schaltgetriebe macht dies möglich. Das könnte sich aber bald ändern. Künftig soll ein einfaches Fahrtraining ausreichen, um den Automatik-Schein zum Schalt-Schein zu machen.

Zu gefährlich?

Was die meisten Fahrschulen von diesem Vorschlag halten, lässt sich in einem Wort zusammenfassen: "Nichts." Das ist die häufigste Antwort. Einen Grund nennt Josef Thoma: Aus der Sicht des Plößberger Fahrschullehrers ist die Idee viel zu gefährlich. Man könne einem Fahranfänger ohne grundlegende Kenntnisse in einem Schaltwagen nicht dessen Schlüssel in die Hand drücken. Nur eine fundierte Ausbildung mit etlichen Fahrstunden würde ein unfallfreies Fahren garantieren. Und das "lernt wirklich niemand in einem einfachen Fahrtraining".

Stefan Oetter, Fahrlehrer der gleichnamigen Fahrschule aus Grafenwöhr, schließt sich an. Er ist stolz auf das derzeitige Fahrsystem in Deutschland. Hier würde niemand auf die Straße gelassen, der nicht richtig fahren kann. Wenn nun das "Ami-System" komme, "wo jeder fahren kann, was er will", dann könne man sich vor Unfällen nicht mehr retten. "Dieser Vorschlag ist eine Katastrophe."

Es gibt aber nicht nur kritische Stimmen. Edwin Funk, Fahrlehrer der Weidener Fahrschule Deisinger, steht "auf der Seite von Scheuer". Für Funk hat ein Automatik-Auto nur Vorteile, wenn man das Fahren lernen will. "Ohne Kupplungspedal können sich die Schüler besser auf die Straße konzentrieren." Gefahren oder Probleme sieht er bei dem Gesetzentwurf nicht.

E-Mobilität fördern

Hintergrund des Gesetzes-Vorschlags: Scheuer will die E-Mobilität in Deutschland fördern. Elektro-Autos gibt es aufgrund der Bauform nur mit Automatik-Schaltung. Durch die Aufwertung des Automatik-Führerscheins könnten künftige Fahranfänger aber auch Fahrschulen vermehrt auf diese setzen - so die Idee.

Mit Blick auf die befragten Fahrschulen zeigt sich, dass dieser Fahrplan durchaus aufgehen kann. Aktuell spielt der Automatik-Wagen im Fahrschul-Fuhrpark noch keine große Rolle. Nur Oetter und Weiß haben solch ein Auto. Das Problem: Die Nachfrage nach einer Ausbildung in einem solchen Fahrzeug sei einfach zu gering. "Für die paar Leute, die eine Ausbildung im Automatik-Wagen wollen, rentiert es sich nicht", stellt Funk fest. Er erklärt aber auch: Sollte sich Scheuers Vorschlag durchsetzen, würde er sofort alle Fahrzeuge umrüsten. Die anderen Fahrschulen würden ähnlich handeln.

Nur, ob es sich dabei dann um E-Autos handelt, bezweifeln die Fahrlehrer. Die aktuelle Infrastruktur sei das Problem, erklärt Oetter. "Ich kann zwei Stunden fahren, dann darf ich fünf Stunden laden." Dies sei bei den hohen Preisen der E-Autos nicht rentabel. "Wenn die Autos billiger werden und die Ladestationen mehr, kann man drüber nachdenken."

Automatik - die Zukunft des Autofahrens laut Fahrlehrern.

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