19.02.2020 - 13:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schluss mit Misshandlungen und Bewährungsstrafen: Schöffengericht verurteilt Weidener

Körperverletzungen, Beleidigungen, Drohungen: Jahrelang kommt ein aktuell 34-jähriger Weidener glimpflich davon. Jetzt ist für das Schöffengericht in Weiden das Fass übergelaufen.

Das Urteil für einen dreifachen Vater ist gefallen. Er stand unter Bewährung und muss nun ins Gefängnis.
von Autor hczProfil

Ein Weidener muss für zweieinhalb Jahre hinter „schwedische Gardinen“ - zusätzlich zu noch offenen 15 Monaten. Stets wegen gleichartiger Taten war der Berufs- und Schulabschlusslose seit 2004 zu Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt worden. Mal neun, mal zehn Monate, mal Geldstrafe.

Im Jahr 2008 hatte der Arbeitslose einen Mitarbeiter der Arge wegen eines Sanktionsbescheids ins Gesicht geschlagen und ihm gedroht: „Ich schlag dich tot.“ Eine Verurteilung zu drei Monaten setzte die Berufungsinstanz dann zur Bewährung aus. Trotzdem machte der Vater von drei Kindern unerschrocken weiter.

2010 verurteilte ihn das Amtsgericht zu fünf Monaten und das Landgericht dann zu sieben. Er hatte der Mutter zweier seiner Kinder das Handy abgenommen, ihr einen Schlag auf den Schädel verpasst und gedroht, ihr „die Kehle durchzuschneiden“. Regelmäßig beschimpfte er seine wechselnden Partnerinnen als „Huren“, „Schlampen“, „fette Sau“.

In der zweitägigen Verhandlung vor dem Schöffengericht ging es nun um neun Vorfälle von März bis August 2019, bei denen der Gewalttäter seiner Frau Haare ausgerissen, sie misshandelt, ihr aufgelauert und sie, trotz einer Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz, immer wieder aufgesucht hatte. Zudem war ein Körperverletzungsdelikt an einem Bekannten seiner Frau angeklagt. Diesen hatte der Mann heftig zusammengeschlagen. Seiner neuen Freundin war ebenfalls schon Übles widerfahren. Die 28-Jährige berichtete im Gerichtssaal, dass sie aufs Bett geworfen und mit dem Fuß ins Gesicht getreten worden war. Ihr Handy habe der Wüterich ins Klo geworfen. Sie habe Hämatome am Hals, Arm und Rücken davon getragen. Dann habe er sie angebettelt, der Polizei nichts zu sagen.

Staatsanwaltschaftsgruppenleiter Dr. Marco Heß sah es nach der Anhörung zahlreicher Zeugen als erwiesen an, dass der Angeklagte stets nach dem gleichen Schema vorgeht. Mit großer Aggressivität misshandle er seine Opfer und schüchtere sie dann ein. Dass er unter laufender Bewährung stehe, habe ihn nicht beeindruckt. Ebenso nicht die Konsequenzen für sein Opfer. Seine (Noch-) Ehefrau sei in psychologischer Behandlung und könne wegen der Traumata nicht mehr in Weiden leben. Auch zeige der Angeklagte keinerlei Reue oder Einsicht und habe auch kein Geständnis abgelegt. Aus sieben Einzelstrafen, die zusammen fast sieben Jahre ergeben hätten, forderte Heß eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und acht Monaten.

Rechtsanwalt Marc Steinsdörfer, der die Hauptgeschädigte als Nebenklägerin vertreten hatte, betonte, dass seine Mandantin die Vorfälle objektiv und ohne zu übertreiben geschildert hatte.

Verteidiger Matthias Haberl meinte, dass einige Aussagen der Ehefrau nicht als Belastungsaussagen taugen würden. Die Verstöße seines Mandanten gegen das Gewaltschutzgesetz habe die 24- Jährige geduldet und manchmal sogar gefördert. Haberl plädierte auf „maximal zwei Jahre“.

Richter Hubert Windisch, der das Urteil über zweieinhalb Jahre sprach, stellte dagegen fest, dass die gelernte Altenpflegerin nichts dramatisiert hatte und keinerlei Widersprüche in ihren Aussagen zu finden gewesen waren.

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