Farshad Poursaber stammt aus dem Iran. Der 34-Jährige ist kein Flüchtling. "Ich bin kein politischer Mensch. Also hatte ich auch keine Probleme", sagt er. Farshad Poursaber ist ganz legal nach Deutschland gekommen. Und ganz bewusst. Wobei: Als Jugendlicher war ihm noch nicht klar, dass er einmal Deutschland zu seiner Wahlheimat machen würde. "Ich habe Verwandte in Schottland, England und Kanada. Und ich wollte meinen Master unbedingt im Ausland machen."
Der belesene junge Mann entdeckte Friedrich Nietzsche und Heinrich Böll für sich. Damals noch auf persisch. "So habe ich die deutsche Literatur und Kultur kennengelernt", erzählt er in ausgezeichnetem Deutsch. "Das war wohl der Moment, in dem Deutschland für mich interessant wurde."
Für den Master ins Ausland
Nach dem Studium der Boden- und Wasserwirtschaft an der Universität Chamran in Ahwaz, das er mit dem Bachelor abschloss, absolvierte er noch seine 18-monatige Wehrdienstpflicht an der Grenze zu Afghanistan. Doch Farshad Poursaber war nicht beim Militär. "Ich kam zur Polizei, war praktisch der Vertreter der Polizei in der Justiz." Der Wunsch nach einem Masterabschluss im Ausland blieb. "Ich wollte eine neue Sprache und Kultur kennenlernen." Farshad Poursaber recherchierte im Internet über Deutschland, fand immer mehr Interesse an dem Land.
Um sein Ziel zu erreichen, büffelte er drei Monate lang Deutsch. Nur mit Büchern, bis zu 16 Stunden am Tag. Die Prüfung am Goethe-Institut für das Deutsch-Zertifikat B1 und B2 bestand er auf Anhieb. Danach bewarb er sich an der Technischen Universität in Dresden. Und auch hier wurde sein Fleiß belohnt. Von 1000 Bewerbern, die aus Brasilien, China und allen möglichen anderen Ländern stammten, wurden 40 ausgewählt. Farshad Poursaber war dabei.
Seit 2016 in Weiden
Im März 2011 kam er nach Dresden. Nach einer weiteren Sprachprüfung - Deutsch für die Oberstufe - studierte er Abfall- und Kreislaufwirtschaft. "Der sächsische Dialekt war für mich anfangs nicht einfach zu verstehen", räumt er ein. Ende 2014 begann er dann sein Fachpraktikum im Ingenieurbüro Ifas in Hamburg. "Dort haben mir Dr. Kai-Uwe Heyer und Dr. Karsten Hupe unheimlich viel geholfen. Fachlich, menschlich und für die Integration." Sechs Monate hat er dann für seine Masterarbeit benötigt, die er an der TU Dresden abgeschlossen hat. Auf einen kurzen Einsatz in einem Münchener Ingenieurbüro folgte im September 2016 der Wechsel zur Coplan AG und damit nach Weiden. Für Farshad Poursaber war das "die richtige Entscheidung."
Zwar ist er in den Millionenstädten Teheran und Shiraz aufgewachsen. Doch in einer kleinen Stadt wie Weiden fühlt er sich "sehr wohl". Er liebt die Regionalbibliothek, die Fußgängerzone und geht gerne ins Fitnessstudio. Als begeisterter Fußballer ist er allerdings noch auf der Suche nach einem Verein. "Ein Onkel von mir war Profi in einem bekannten Verein in Shiraz. Alle meine Brüder und Cousins spielen gern Fußball." In Hamburg engagierte sich der junge Mann außerdem als Foodsharer. "Wir haben Lebensmittel in Supermärkten abgeholt, die am nächsten Tag weggeworfen werden sollten und an Leute verteilt, die das Essen dringend gebraucht haben."
Soziales Engagement und Einsatz für die Umwelt, beides ist dem 34-Jährigen wichtig. Bei der Coplan AG ist er vor allem für den Bau von Deponien zuständig und für den Bereich Deponiegas. Als Foodsharer hat er "in einem Jahr knapp 700 Kilo Lebensmittel vor dem Wegschmeißen gerettet". Auch darauf ist er stolz.
Ebenso wie auf seine neue zweite Nationalität. Seine iranische muss er übrigens nicht ablegen. Am 24. Mai hat er aus den Händen von Oberbürgermeister Kurt Seggewiß stolz seine Einbürgerungsurkunde erhalten. Dass er die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen will, war für Farshad Poursaber keine Frage, sondern "ein Muss", wie er betont. "Die Einbürgerung ist der Schlusspunkt der Integration. Erst so kommt man in die Mitte der Gesellschaft. Das ist meines Erachtens enorm wichtig."
"Reife und unreife Früchte"
"Jede Kultur ist für mich wie ein Baum", sagt er. "Sie hat reife und unreife Früchte" - sprich gute und schlechte Seiten. Das gilt für die deutsche Kultur genauso wie für die persische. Disziplin, Organisation, Pünktlichkeit, Strebsamkeit und die "hervorragende deutsche Kultur" zählt er als "reife Früchte" seiner neuen Heimat auf. Große Gastfreundschaft, der Respekt vor älteren Menschen und die Tatsache, dass kein Mensch im Iran alleine ist, selbst wenn er allein lebt ("es ist immer jemand für dich da"), sind die positiven Seiten seiner alten Heimat. "Ich will für mich alles, was schön ist, sammeln und daraus eine eigene Kultur machen."
Übrigens: Es gibt durchaus schon deutsche Eigenheiten, die Farshad Poursaber in Fleisch und Blut übergegangen sind. Als er vor zwei Jahren das letzte Mal im Iran war, stellte er fest: "Ich kann nicht mehr Autofahren, jedenfalls nicht so chaotisch wie dort. Und es ist gefährlich, wenn du vernünftig fährst, aber alle anderen fahren anders." Seinen alten Führerschein wird er deshalb wohl so schnell nicht mehr benutzen.
Eine Stunde für 33 Fragen
- „Es ist ähnlich wie bei der Führerscheinprüfung“, meint Thomas Wührl. „Der Kandidat hat eine Stunde Zeit für 33 Fragen. Wenn er 17 Fragen richtig beantwortet, hat er den Einbürgerungstest bestanden.“
- Von den 33 Fragen befassen sich drei mit dem Bundesland, in dem der Betroffene lebt. Die restlichen 30 stammen aus den Themenbereichen „Leben in der Demokratie“, „Mensch und Gesellschaft“ sowie „Geschichte und Verantwortung“. Kleines Beispiel gefällig? „In Deutschland dürfen die Menschen offen etwas gegen die Regierung sagen, weil: a) hier Religionsfreiheit gilt. b) die Menschen Steuern zahlen. c) die Menschen das Wahlrecht haben. Oder d) hier Meinungsfreiheit gilt. (Nur eine Antwort ist richtig und anzkreuzen.)
- Wer die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten will, muss grundsätzlich aus seiner bisherigen Staatsbürgerschaft entlassen werden, wie das im Amtsdeutsch heißt. Bis auf einige Ausnahmen: „Bei EU-Staaten ist Mehrstaatlichkeit erlaubt und auch bei den meisten südamerikanischen Staaten“, erklärt Wührl. Warum? „Weil viele südamerikanische Länder keine Entlassung aus der Staatsbürgerschaft kennen. Da gilt praktisch: Einmal Mexikaner, immer Mexikaner.“
- Auf den Einbürgerungstest verzichtet wird außerdem bei Bewerbern, die einen deutschen Schulabschluss nachweisen können oder eine dreijährige Berufsausbildung in Deutschland oder ein Hochschulstudium zum Beispiel in Sozialwissenschaften oder Rechtswissenschaften.
- Auch eine Sprachprüfung müssen die Menschen meistern, die deutsche Staatsbürger werden möchten. Auch hier gelten aber die oben genannten Ausnahmen: Ein deutscher Schulabschluss bzw. eine dreijährige Berufsausbildung entbinden von dieser Pflicht. Ebenso wie der vierjährige Besuch einer deutschsprachigen Schule oder aber eine zweijährige Umschulungsmaßnahme mit Besuch der Berufsschule.
- Ansonsten gilt: Wer kein Sprachzertifikat der Stufe B1 vorlegen kann, muss sich einer Sprachprüfung unterziehen, die ebenso wie der Einbürgerungstest an der Volkshochschule in Weiden als zertifizierter Prüfstelle vorgenommen wird. Durchschnittlich alle eineinhalb bis zwei Monate werden Prüftermine angesetzt.
- Für die Verleihung der deutschen Staatsangehörigkeit müssen neben ausreichenden deutschen Sprachkenntnissen und Kenntnissen der Rechts- und Gesellschaftsordnung in der Regel folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Ein rechtmäßiger Daueraufenthalt (zum Beispiel durch eine Aufenthaltserlaubnis oder eine Niederlassungserlaubnis), ein mindestens achtjähriger Aufenthalt in Deutschland, Unterhaltsfähigkeit, eine weiße Weste in punkto Vorstrafen. Der Bewerber muss sich außerdem zur freiheitlich demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes bekennen und es dürfen keine Anhaltspunkte für eine extremistische oder terroristische Betätigung vorhanden sein.
- Für Asylberechtigte, andere Flüchtlinge und Staatenlose kann die geforderte Aufenthaltsdauer auf sechs Jahre verkürzt werden, für Bewerber, die mit einem deutschen Staatsbürger verheiratet sind, sogar auf drei Jahre.



















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