Weiden in der Oberpfalz
27.11.2018 - 15:03 Uhr

"Es ist ein Schnitter, heißt der Tod"

Zum Ende des Kirchenjahres gedenken die Menschen der Toten. Die Kantorei Weiden hat dazu in der Michaelskirche unter Leitung von Hanns-Friedrich Kaiser den Totentanz eingeläutet.

Die Kantorei Weiden gedenkt dem Tod in der Michaelskirche mit Musik. Bild: exb
Die Kantorei Weiden gedenkt dem Tod in der Michaelskirche mit Musik.

Unterstützt wurden sie durch Dekan Wenrich Slenczka als Sprecher und Sybille Wagner auf der Flöte. Den Orgelsolopart übernahm Hanns-Friedrich Kaiser. Die Motette "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen?" von Brahms stimmte auf das Todesthema ein. Die im Werk versteckten Klagen, ausgedrückt in Tonartwechseln, schwierig zu singenden Intervallen und Dissonanzen sowie rhythmischen Feinheiten, bewältigten Chor und Dirigent bewundernswert.

Der Bach-Choral "Alle Menschen müssen sterben" inspirierte Max Reger im Jahr 1900 in Weiden zu einer großen Choralfantasie. Hanns-Friederich Kaiser zeichnete die zukunftsorientierte Kompositions- und Spieltechnik Regers eindrucksvoll nach.

Regers kreative Seite

Mystische Klänge, spannungsreiche Chromatik, eruptive Ausbrüche und zart gehauchte Passagen, die Regers kompositorisches Programm der Zukunft aufzeigen, entlockte Kaiser seinem scheinbar mühelos folgenden Instrument. Dabei ist diese Fantasie in nur zehn Tagen entstanden. Damit antwortete Reger auf eine Kritik, in der ihm erfinderische Schwäche, Mangel an innerer Kraft und Persönlichkeit vorgehalten wurde. Kaiser vermittelte ergreifend die kreative und phantasievolle Seite Regers.

Zurück in die Vergangenheit mittelalterlicher und auch barocker Totentanzdarstellungen führte danach die Aufführung von Hugo Distlers 14-teiligen Totentanz aus dem Jahr 1934. Die von Dekan Wenrich Slenzka abwechslungsreich und eindringlich gestalteten Dialoge führten vor Augen, wie der Tod als Knochenmann Vertreter aller sozialen gesellschaftlichen Schichten und Altersstufen vom Diesseits ins Jenseits befördern kann.

Handys melden sich

Diese aufrührenden Geschehnisse besänftigten immer wieder die von Sybille Wagner auf der Flöte vorgetragenen Variationen des Liedes "Es ist ein Schnitter, heißt der Tod". Dass sich dabei Handys von Zuhörern mit verhaltenen Signalen anmeldeten, unterstrich die Aktualität der mittelalterlichen Gedanken.

Die Sprüche setzte Distler in eine moderne und sehr anspruchsvolle meist schwebend-zarte Tonsprache. Sie stehen in hartem Kontrast zu den gesprochenen Dialogen. Dies wurde von dem Chor und dem mit sparsamer Zeichengebung gestaltendem Dirigenten sehr berührend wiedergegeben. Erfreulich angenehm in Ausgewogenheit der Stimmen, abwechslungsreicher dynamischer Gestaltung und sicherer Intonation bei deutlicher Textverständlichkeit überzeugte die Kantorei. So wurden die Konzertbesucher tief bewegt in die dunkle Nacht entlassen.

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