28.05.2020 - 17:15 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schockstarre nach Kostenexplosion

Die Planung für die Generalsanierung und Erweiterung der Pestalozzi-Mittelschule in Weiden ist absolut auf Wirtschaftlichkeit getrimmt. Doch die Bausumme entsetzt, schockiert die Stadträte im Bauausschuss: 42 Millionen Euro sind zu viel.

Die Pestalozzischule ist 81 Jahre alt und ihre Generalsanierung längst überfällig. Allerdings erschreckt die geschätzte Investitionssumme von bis zu 42 Millionen den Bau- und Planungsausschuss..
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die Pestalozzischule in Weiden ist 81 Jahre alt und, da fast im Originalzustand, für Lehrer und Schüler eine Zumutung, für die sich die Stadt schämen müsse, erkennen die Stadträte im Bauausschuss. Die Stadt muss und will sanieren. Doch die Kosten schockieren. Die Mehrheit im Fachgremium verliert am Mittwoch den Mut, denn die Kosten explodieren auf bis zu 42 Millionen Euro rechnen die Planer vor.

Diese Investition, die eine gewaltige Neuverschuldung der Stadt Weiden bedeutet, wollen die Ausschussmitglieder nicht alleine mehr entscheiden und schieben deshalb das Projekt weiter, nämlich zurück in den Stadtrat: Der Gesamtgremium soll die nötigen Schulden verantworten. Vor drei Jahren lagen die Schätzung für Generalsanierung und Erweiterung noch bei 19 Millionen Euro, 2018 dann bereits bei 27,8 Millionen Euro.

Kostensprünge

Bei den Haushaltsberatungen 2019 waren noch 20 Millionen Euro im Gespräch. In der Tischvorlage zur Sitzung des Bau- und Planungausschusses am Mittwoch springt die Summe auf 36,6 Millionen Euro. Ermittelt haben die Summe Bauphysikerin und Architektin Angelika Greßmann und ihre Mitarbeiterin Silvia Jäger vom Regensburger Büro dp-Architekten Greßmann Söllner Partnerschaft mbH, das mit der Vorplanung und Kostenschätzung beauftragt ist. Die Expertinnen haben einen schweren Stand: Sie müssen den geschockten und entsetzten Stadträten den erneuten Kostensprung erklären.

Die Regensburger haben einen anderen Vorplaner abgelöst, sind nochmals über die Entwürfe gegangen und entdeckten dabei einige Schwachstellen. Neben "Kleinigkeiten" fehlten bisher wichtige Posten: So blieben nötige Technikräume (etwa für Server) unberücksichtigt (900 000 Euro), ebenso Mehraufwendungen für die behindertengerechten Zugänge, die die Geländesprünge überwinden (700 000 Euro), sowie den Brandschutz an den uralten Rippendecken (nochmals 800 000 Euro). Zudem sind die Nutzflächen durch die neuen Schulbaurichtlinien erweitert.

Dezernent mahnt Stadträte

Greßmann und Jäger nennen 36,6 Millionen Euro Investitionssumme "mit Stand 2020". Sie schenken den Weidenern reinen Wein ein: Da sieben Jahre bis zum Abschluss angepeilt sind, sei entsprechend der Baukostensteigerung mit bis zu 42 Millionen Euro Kosten zu rechnen.

Die Architektinnen, aber auch Baudezernent Oliver Seidel machen den zunächst recht sprachlosen, dann aber immer massiver eine Kostenreduzierung fordernden Stadträten, deutlich, dass in der Planung keinerlei Luxus vorgesehen und auch keine Luft für Kostensenkungen vorhanden sei. Geforderte Einsparungen ließen sich nur erreichen, wenn das Raumprogramm gekürzt, die Kubatur verringert werde. "Aber: Wenn Sie Gutes für die Schule wollen, dann haben Sie dafür die Lösung präsentiert bekommen", mahnt Seidel die Stadträte.

Schon die Tischvorlage überrascht die Stadträte

Weiden in der Oberpfalz

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.