22.07.2019 - 12:13 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schulterschluss mit Metropolregion

Einen Tag lang rückt die nördliche Oberpfalz in den Mittelpunkt der Europäischen Metropolregion Nürnberg. Die 700 Besucher hören auch Kritik.

Die Übergabe des Staffelstabs
von Siegfried BühnerProfil

Zum Wissenschaftstag unter dem Motto "Gateway ländliche Räume" kamen mehr als 700 Besucher aus dem gesamten nordbayrischen Raum in die Weidener Max-Reger-Halle. Die Veranstaltung wurde zu einem Dialog zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Mit dabei waren alle Bürgermeister und Landräte aus allen kommunalen Gebietskörperschaften der Metropolregion. Eng eingebunden war das Nachbarland Tschechien, unter anderem durch die Teilnahme des stellvertretenden tschechischen Premierministers Karel Havlícek. In Diskussionen und Vorträgen ging es einen Tag lang über Zukunftsthemen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft: Digitalisierung, Gesundheitsversorgung auf dem Land, E-Commerce, Logistik, Energieversorgung und die Entwicklung des Grenzraums mit Tschechien.

Den Blick auf den Wirtschaftsraum öffnete der tschechische Vize-Premier, als dieser feststellte, dass "egal, ob man in München, Pilsen oder Prag wohnt, die Konkurrenz befindet sich nicht hier, sondern in China, Indien oder Pakistan". Havlícek, der Minister für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung ist, kündigte eine Investitionsoffensive seines Landes in Technologie und Wissenschaft an.

An der von Sigmund Gottlieb, ehemaliger Chefredakteur des Bayrischen Rundfunks, moderierten Gesprächsrunde nahm der bayrische Staatskanzleichef und Europaminister Florian Herrmann teil. Die Entwicklung im ehemaligen Grenzraum nannte dieser eine "Erfolgsgeschichte, die wir weiter betreiben müssen".

Als Vorteil der Region sieht Herrmann die Begeisterung und Wertschätzung für das, was geschaffen wurde: "In München ist vieles selbstverständlich." Trotzdem sagte er: "Wir müssen besser werden", und fragte, warum in der Region kein Unternehmen wie Google entstehe. Die Voraussetzungen, Struktur und Geld seien da. Aber gute Ideen würden oft "weggekauft". Grund dafür seien Finanzierung und Durchlässigkeit. "Warum kann ein Hochschulprofessor nicht auch ein Unternehmen leiten?", fragte er.

"Wir müssen in der Region in Verbünden denken und handeln", sagte die Präsidentin der OTH Amberg-Weiden, Andrea Klug. "Uns an der Hochschule ist mit befristeten Stellen nicht geholfen", kritisierte sie. Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß nutzte die Tagung dazu, den Besuchern von außerhalb die Attraktivität der Region vorzustellen. "Wir sind nicht die Hinterwäldler", sagte er und zählte viele erfolgreiche Unternehmen auf. Kritik äußerte er zur Verkehrsinfrastruktur.

Prominentester Wirtschaftsvertreter war Siemens-Vorstand Klaus Helmrich. Als Zukunftsstrategie empfahl er die Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette. Ausführlich ging Helmrich auf den Siemens-Standort Amberg ein. Dessen Erfolg basiere auf "durchgehende Digitalisierung der Prozesse, hochinnovativen Menschen und dem Umfeld von Hochschule und Politik". Gebaut werden soll im Werk Amberg ein Besucherzentrum für 30 Millionen Euro.

Wissenschaftstag unter dem Motto "Gateway ländliche Räume" in der Max-Reger-Halle in Weiden.
Moderator Sigmund Gottlieb (links) interviewt den tschechischen Vizepremier Karel Havlícek.

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