Das Russische Ballettfestival Moskau pendelt problemlos zwischen „Nussknacker“ und „Schwanensee“. Am Donnerstag präsentierte das Ensemble Peter Tschaikowskys Märchenzauber um eine verwunschene Prinzessin in einer prachtvoll ausgestatteten Inszenierung.
„Schwanensee“ gilt als Vorbild für die klassische Ballettchoreographie schlechthin. Das Publikum erlebte im Gustl-Lang-Saal dank des bravourösen Einsatzes und der Ausdruckspräsenz von Primaballerina Walerija Isaewa, eigentlich nur zweite Wahl für die Figur, in der Doppelrolle der Odette und Odile eine tanztechnisch brillante Bewegungssinfonie aus Anmut und Leid.
Höhepunkte des effektreichen russischen Gastspiels waren die prachtvoll ausgestatteten Festivitäten am Prinzenhof und die romantisch-sinnlichen Mondschein-Momente am Schwanensee. Kenner des Ensembles schätzen vor allem die klare, klassisch-russische Ballettkunst. Bereits der erste Blick auf die Bühne zeigte das hohe Ausstattungsniveau: Prachtvolle Kostüme und Kulissen.
Tschaikowsky hatte 1875 den Auftrag der Direktion des Moskauer Bolschoi-Theaters übernommen, die Musik zu dem Ballett „Schwanensee“ zu schreiben, was er wegen seiner Geldsorgen auch gerne annahm. Nebenbei wollte er sich seinen großen Wunsch erfüllen: Nämlich eine Ballettmusik zu komponieren. Dabei griff er die humanistische Grundidee der Libretti auf und verband die Musik eng mit der Entwicklung der Handlung, was Dirigent und Choreograph bei der Uraufführung überforderte. Ergebnis: Kein nachhaltiger Erfolg.
Das Werk wurde bis 1894 – Tschaikowsky starb im Jahr davor – auf Eis gelegt. Erst Lew Iwanow und Marius Petipa entwickelten auf der Basis der Märchenmotive und der Originalpartitur eine künstlerisch anspruchsvolle Choreographie, auf die sich auch das Ballettfestival Moskau stützte, das sich eng ans Libretto hielt. Zu sehen bei den berühmten Pas de Deux, Pas des Trois, Pas de Quatre von Schwänen und Solisten.
Die Bühne schillerte bunt bei Hofe und war in anderen starken Momenten dramatisch düster. Man schaute einfach gerne hin, wenn die Balletteusen mit ihrer schwebenden Leichtigkeit die athletische Strenge, die in dieser exakten Arbeit und den einstudierten Schrittfolgen steckte, vergessen machten. Die Zuschauer wurden in eine Welt der vermeintlichen Schwerelosigkeit versetzt. Eine künstlerisch hochwertige „Schwanensee“-Interpretation.
Mitten hinein in die frohsinnige Fassade des Geburtstagsfestes bei Hofe platzt der böse Rotbart, musikalisch überzogen vom berühmten, klagenden Schwanen-Motiv in h-moll, einer der einprägsamsten Ouvertüren der Orchesterliteratur. Die Geschichte handelt von einer verwunschenen Prinzessin, die als Schwan ihr Dasein fristet und nur im Mondschein für jeweils eine Stunde ihre wahre Gestalt annimmt. Einzig die wahre Liebe zu einem Mann kann sie von ihrem Fluch befreien. Das Publikum dankte dem erfolgreichen Prinzen mit großem Beifall.

























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