16.05.2021 - 11:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Schweigend steht der Wald"-Filmcrew dreht in Weiden

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Ein Hauch von Hollywood zwischen Mühlweg und Krumme Äcker: Der 20. Drehtag führt das Team der Kinofilmproduktion zu "Schweigend steht der Wald" am Freitagabend nach Weiden. Dabei sind die Weidener nicht nur Zaungäste.

Die Kamera filmt ein Streitgespräch zwischen Vater und Sohn im Auto.
von Helmut KunzProfil

„Dürfen wir unsere Akkus an ihrem Stromnetz aufladen?" Für Fränk Schroeder ist das gar keine Frage: "Es ist mir eine Ehre", lacht er. Wann habe man in Weiden auch schon mal Gelegenheit, aktiv, wenn auch nur als kleiner Stromlieferant, sein Scherflein zum späteren Erfolg einer Kinofilmproduktion beizutragen. Schroeder fühlt sich am Freitagabend bereits als vermeintlicher "Co-Produzent", wohl wissend, dass sein Name später nicht im Vorspann auftauchen wird. Zum Filmdreh direkt vor der eigenen Haustür: „Ganz was Fantastisches, gerade in dieser Zeit der Abstinenz ist das ein kleines Abenteuer.“

Die Produktionsfirma „Poison“ hat ihr „Schweigend steht der Wald“-Filmset, basierend auf einem Roman von Wolfram Fleischhauer, am 20. Drehtag in der Berliner Straße aufgebaut. Die Corona-Tests für die Mitwirkenden werden in der Garage vollzogen. Zwischen Mühlweg und Krumme Äcker weht ein Hauch von Hollywood, was natürlich Neugierige anzieht.

Schon seit dem Vortag weisen Parkverbotsschilder auf die bevorstehende Dreharbeiten hin. Gesperrt von 17 bis 0 Uhr, heißt es hier. Wobei 0 Uhr für diese Produktionsgesellschaft ein eher dehnbarer Zeitbegriff ist, wie sich bald abzeichnen wird. Die Filmleute drehen nämlich bis in die frühen Morgenstunden.

Nachtaufnahmen im Wohngebiet

Erste Zaungäste flanieren Freitagnachmittag gegen 17 Uhr vorbei. Viel zu früh. Die Filmleute sind noch gar nicht da. Regisseurin Saralisa Volm hat ihr Team für Nachtaufnahmen einbestellt. Dafür wird die ganze Nacht durchgearbeitet. 21.30 Uhr: Schnell spricht sich im Wohngebiet herum, dass es endlich losgeht.

"Ich treffe heute viele Nachbarn, die ich seit Beginn der Pandemie nicht mehr getroffen habe, die aber alle ganz zufällig vorbeikommen", schmunzelt Norbert Freundorfer. Auch er steht am Gartenzaun und gibt zu, dass er ja selber aus reiner Neugierde hier sei. "Einfach mal sehen, was passiert." Wie lange er bei den kühlen Temperaturen wohl ausharrt, könne er nicht sagen. "Kommt darauf an, wie viele nette Nachbarn noch zum Ratschen vorbeikommen."

Dialektcoach Markus Pleyer

Markus Pleyer ist ebenfalls zum Plaudern hier. Als Profi. "Poison" hat den Radio-Ramasuri-Moderator als Dialektcoach engagiert. Er soll den Darstellern den Oberpfälzer Dialekt eintrichtern. Jetzt coacht er gerade den US-amerikanisch-österreichischen Schauspieler August Zirner und den Österreicher Robert Stadlober. "Ich bin sehr zufrieden", sagt Pleyer. "August Zirner spricht ja normales Hochdeutsch im Film. Robert Stadlobers Dialekt geht schon mehr ins Oberpfälzische. Bei ihm muss man aber darauf achten, dass die Laute richtig rüberkommen."

Was nämlich ein waschechter Oberpfälzer sei, der höre jede feine Nuance heraus. "Aber ich glaube, dass es sich besser anhört als vorher." Stadlober findet Pleyer als Coach sehr gut. "Ich bin ja Steierer. Wir haben ja die gleichen Laute, aber wir bringen sie an anderen Stellen. Und Markus bringt mir bei, wo sie hinmüssen. Vor allem geht es darum, dass ich die 'ous' und 'hous" an der richtigen Stelle ausspreche."

Pleyer wirkt übrigens ebenfalls als Schauspieler mit. In der Windischeschenbacher Stützlvilla spielte er einen Arzt in der forensischen Psychiatrie. An anderer Stelle einen Polizisten. "Da sieht man mich aber bloß von hinten."

"Für mich ist es das erste Mal, dass ich bei so etwas mitmache." Pleyer findet seine Aufgabe interessant. "Was man beim Film lernt: Man muss viel warten. Es wird viel umgebaut, viel umorganisiert. Es sind lange Drehtage." Und die seien nicht ohne. Aber spannend. "So was kriegst du ja bei uns normalerweise nicht mit." Von den insgesamt 25 Drehtagen sei er allein bei 8 im Einsatz. "Immer, wenn längere Dialogszenen anstehen, bin ich dabei." Über Kopfhörer hört er dann alles mit, was am Set gerade gesprochen wird. So auch am Freitag, wenn sich Stadlober und Zirner im Auto etwa über das Oberpfälzische lustig machen.

Szenen werden wiederholt

Die ganz große Abenteuerkiste ist es allerdings nicht, was die Zaungäste aus der Nachbarschaft am Freitag miterleben. Zirner fährt mehrere Male mit dem Auto vor und stoppt dann nach 20 Metern in einer Hofeinfahrt, wo er seinen Filmsohn Stadlober per Handy aus dem Haus klingelt. Der schlürft schließlich etliche Male in Badelatschen zum Auto, wo es dann im Wageninneren zu einem heftigen Wortwechsel kommt. Mal quert einer im Hintergrund die Straße, mal strahlen Scheinwerfer eines Autos, das in den Mühlweg einbiegt, in die Kamera. Jedes Mal muss die Szene wiederholt werden.

Was später im fertigen Film fünf Minuten dauern wird, zieht sich bei den Dreharbeiten über Stunden hin. Vielen wird's zu langweilig. Die ersten Neugierigen ziehen ab. Die letzten dann gegen 23 Uhr. Selbst um drei Uhr früh ist die Straße hell erleuchtet und die Kamera läuft. Ausgetauscht werden nur die Darsteller. Die letzten Stunden muss Noah Saavedra ran.

Nina Schaumberger bleibt hingegen bis in die Puppen. Klar doch. Die "Heimgarten"-Wirtin hat einen echten Lottotreffer gelandet. Mussten ihre Wirte-Kollegen Lockdown-geschuldet ihre Gaststätten geschlossen halten, durfte sie mit ihrem schwarzen "Nina&Veljas"-Foodtruck seit Wochen das Drehteam becatern. "Wir freuen uns natürlich, gerade in dieser Situation, dass wir den Auftrag bekommen haben." Einer Empfehlung zufolge. Der Grund war: "Die Produktion wollten nachhaltiges, veganes Catering. Und das konnten wir bieten. Wir machen alles selbst und wir beziehen unsere Produkte regional." Catering mache sie oft. Aber beim Film sei sie das erste Mal dabei.

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