28.04.2021 - 14:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Schweigend steht der Wald": Gänsehaut beim Dreh in Eslarn

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Die "Schweigend steht der Wald"-Filmcrew dreht derzeit in Eslarn. Gruseln in sumpfiger Moorlandschaft ist da nicht ausgeschlossen – auch am helllichten Tag. Wir waren bei den Dreharbeiten dabei.

Regisseurin Saralisa Volm vermisst ihre Heimatstadt Berlin zurzeit überhaupt nicht. Die "Schweigend steht der Wald"-Filmcrew dreht derzeit in Eslarn. Gruseln in sumpfiger Moorlandschaft ist da nicht ausgeschlossen – auch am helllichten Tag.
von Helmut KunzProfil

Gruseln ist doch eine ziemlich leise Angelegenheit. Man kann dabei sogar das Vogelgezwitscher genießen. Selbst bei 40 Leuten, die für die Verfilmung von „Schweigend steht der Wald“ auf engstem Raum dauerhaft zur Verfügung stehen. Jeder kennt seine Aufgabe. Das bunte Treiben und der blaue Himmel über Eslarn verbieten es eigentlich, Gänsehaut zu bekommen. Obwohl am Ende alles auf eine mystische Geschichte hinauslaufen wird. Die blutdurchtränkte Matratze, die Requisiteure ins „Torfhäusl“ tragen, macht da eine der wenigen Ausnahmen. Hinzu kommt die Kulisse, ein uriges Gebäude inmitten einer sumpfigen Moorlandschaft zwischen Eslarn und Pfrentsch, wo in den 1920-er Jahren Torf gestochen wurde. Beruhigend zu wissen, dass Hauptdarstellerin Henriette Confurius das idyllische Hexenhäuschen nach mehrstündiger Drehzeit mit heiler Haut gegen 17 Uhr in die "Mittagspause" verlässt.

Rote Farbe auf Matratze

Ihre Arbeit kommt der Berlinerin überhaupt nicht schaurig vor. Im Gegenteil. Gruselmomente kämen gar nicht erst auf. Dazu seien viel zu viele ihrer Kollegen vor Ort. Und wer genau aufpasste, der konnte beobachten, dass die blutverschmierte Matratze vorher nur mit roter Farbe beschmiert wurde. Henriette Confurius verkörpert die Hauptfigur Anja Grimm, eine Forstpraktikantin, die an den Ort zurückkehrt, an dem vor 20 Jahren ihr Vater verschwunden ist. Sie möchte einerseits in der Ausbildung Bodenproben nehmen, andererseits ihren Vater suchen. Am Ende deckt sie mehr auf, als ihr lieb ist.

„Ich werde Ihnen nicht verraten, was da passiert ist“, spielt Regisseurin Saralisa Volm auf das viele Kunstblut auf dem Unterbett an. „Dazu müssen Sie auf den Film warten. Das tut mir sehr leid. Es gibt hier eine Situation mit der Matratze und es begegnen sich hier auch einige Leute. Aber das halte ich doch lieber noch geheim.“ Es ist der siebte Drehtag. Die Aufnahmen am Dienstag finden nur wenige hundert Meter vor der tschechischen Grenze statt. „18 haben wir noch vor uns", sagt die Mutter von vier Kindern. Der Nachwuchs werde derzeit von den Großeltern in Weiden betreut. "Ans Filmset zur Mama wollen sie gar nicht. Die langen Drehtage finden die eher langweilig. Die hüpfen lieber in Weiden im Garten auf dem Trampolin, was in Berlin später sicherlich die ganze Familie vermissen wird."

Zusammenarbeit mit Staatsforsten

Wie eine Karawane zieht das Filmteam durch die Region. „Wir waren schon in Diepoltsreuth, in Weiden und am Doost. Wir sind jeden Tag woanders. Diese Woche sind wir noch in Windischeschenbach." Den Doost findet sie sehr eindrucksvoll, sagt Saralisa Volm. „Ich liebe aber auch die Stützelvilla in Windischeschenbach.“ Zwischen diesen beiden Polen würde sich die Handlung bewegen. Tatsächlich lasse sich ein Filmprojekt wie dieses, das im Wald spiele, am besten mit Hilfe von Einheimischen und der Forstverwaltung realisieren. „Wir wussten, wir drehen im Wald. Und weil der Wald eine große Rolle spielt, haben wir uns an Förster gewandt, was wirklich sehr gut war. Viele Motive haben wir nur über Förster gefunden." Dazu zähle auch das "Torfhäusl", das sich im Eigentum der Staatsforsten befinde. „Entsprechend haben uns die Staatsforsten hierher geführt.“

Auch ein Kamerateam des Bayerischen Fernsehens ist vor Ort. Deshalb lässt sich auch kaum unterscheiden, welche Kamera für den Film und welche fürs Fernsehen zuständig ist. Mitten auf dem engen Waldweg, der normalerweise nur für den landwirtschaftlichen Verkehr geöffnet ist, parkt ein riesiger Kranwagen, der für die Beleuchtung der Kulissen sorgt. Gegenüber im Dickicht steht der Imbisswagen eines Weidener Gaststätten- und Streetfood-Betreiberpaares. Die beiden zeichnen für das Catering verantwortlich. Was es heute zu essen gibt? Die Crew lässt sich überraschen.

Strenge Hygieneregeln

Jeder Besucher muss sich einem Corona-Test unterziehen. Darum kümmert sich eigens eine Mitarbeiterin, die auf die Hygienemaßnahmen vor Ort achtet. "Bitte die Hände desinfizieren." Auf Abstand wird geachtet. Pro Biertischbank darf sich nur eine Person niederlassen. Hinter der Kamera wird nur mit Maske gedreht. Die Filmcrew arbeitet in unterschiedlichen Farbgruppen. "Die müssen auch in diesen Farbgruppen zu Mittag essen", macht Saralisa Volm deutlich. "Das Maskentragen erschwert natürlich auch ein klein wenig die Kommunikation." Ständig müsse gelüftet werden. "Es ist noch gar nicht so warm, dass man im Innenraum immer 17 Grad haben möchte." Probleme beim Dreh gab's zuhauf: Hagel, Schnee, Regen, Schlamm. "Alles nicht erwartet, aber wir haben's überlebt. Wenn's zu nass wurde, konnte man nicht mehr arbeiten. Allein schon wegen der Kameras."

Heimweh nach Berlin habe sie keine, betont die Regisseurin, die seit März für drei Monate in Weiden wohnt. Warum? Weil man während des Drehens ohnehin nicht viel erlebe und weil es insofern egal sei, ob man in Berlin oder in der Oberpfalz drehe. "Das einzige, das ich an Berlin vermisse: Ich würde wahnsinnig gerne wieder ins Museum gehen, ohne mich vorher anmelden zu müssen. Aber das ist ja eher ein Corona-Problem, als ein Stadt-Land-Problem."

Stars wohnen in Weiden

Darsteller, die für größere Rollen besetzt sind, blieben vor Ort, auch wenn sie mal zwei, drei Tage Drehpause hätten. "Andere Schauspieler, zwischen deren wenigen Drehtagen längere Pausen liegen, kommen natürlich nur für die jeweilige kurze Zeit." Ihre Stars habe sie vor allem in Weiden untergebracht. "Die wohnen in Ferienwohnungen oder im Hotel." Die Berlinerin Henriette Confurius findet die Oberpfalz schön. Auch wenn sie bisher nur die Orte kennengelernt habe, an denen sie drehte. Normalerweise finde sie es ja eher unangenehm, wenn beim Dreh viel umgezogen werden müsse. "Hier haben wir das Glück, dass wir an einem Ort bleiben und in der Umgebung drehen können." Auch sie wohne in Weiden. Wo? Das wolle sie nicht sagen. Nur soviel: "Ich habe ein Zimmer mit Ausblick."

Auch wenn der Ablauf eher weniger den Anschein zeigt: "Die Kosten für das Filmprojekt sind nicht spektakulär." Das unterschreibt jedenfalls Produzent Ingo Fliess, der gemeinsam mit Saralisa Volm die gesamte Stoffentwicklung vorangetrieben hat. Immerhin arbeitete die Regisseurin sechs Jahren an dem Projekt. Das Drehbuch verfasste Wolfram Fleischhauer, der auch das Buch geschrieben hat. Auch er war schon am Set. Es handle sich um eine Low-Budget-Produktion im Stile eines niedrig bezahlten Fernsehfilms. "Arbeiten kann man mit dem Geld. Aber alles ist auf Kante geschnitten." Ein Risiko natürlich. "Ob man was verdient, kann man erst hinterher sagen."

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Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Das sind die Fakten zum Dreh

  • Regie Saralisa Volm, Produzent Ingo Fliess
  • Gefördert von Filmförderung Bayern mit 350.000 Euro und Bundeskulturministerium. Weitere Partner Bayerischer Rundfunk, Hessischer Rundfunk, Saarländischer Rundfunk und Arte
  • Drehorte: unter anderem Weiden, Floß, Eslarn, Neustadt/WN, Windischeschenbach, Pleystein
  • geplante Drehzeit: 19. April bis 22. Mai

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