14.01.2022 - 13:13 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Schweigend steht der Wald" geht bei der Berlinale ins Rennen

Ein in Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN entstandener Thriller feiert beim bekanntesten Filmfestivals Deutschlands Premiere. In der Oberpfalz soll er im Herbst in die Kinos kommen.

Saralisa Volm an einem der letzten Drehtage von "Schweigend steht der Wald" bei Eslarn. Der Film wird demnächst in der Kategorie Deutsches Kino bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin vor Publikum gezeigt.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Als Omikron noch niemand kannte, Corona aber längst ein Begriff war, drehte Saralisa Volm rund um Weiden ihren Debütfilm als Regisseurin. Es waren knapp zehn Wochen im April und Mai 2021. Nun steht die Weltpremiere für "Schweigend steht der Wald" an. Die Romanvorlage und das Drehbuch stammen von Wolfram Fleischhauer.

Dass der gut 90-minütige Thriller erstmals bei der Berlinale auf der Leinwand zu sehen ist, darf durchaus als kleine Sensation gelten. Das Festival in Berlin ist neben dem in Cannes und Venedig eines der bekanntesten der Welt. Freilich geht "Schweigend steht der Wald" nicht im Hauptwettbewerb um den "Goldenen Bären" an den Start, sondern in der Sektion "Perspektive Deutsches Kino".

Kein schlechtes Sprungbrett: "Hier beginnt der Weg in die Zukunft des Kinos, das gilt sowohl für Regisseur*innen und Produzent*innen als auch für alle anderen Gewerke", heißt es dazu auf den Berlinale-Webseiten. Die Reihe steht heuer unter dem Motto "Echo der Vergangenheit". Dabei konkurrieren sieben Spiel- und Dokumentarfilme um einen Preis. Auffallend ist, dass in sechs Fällen Frauen die Regie geführt haben. "Als wir uns beworben haben, war alles noch im Schnitt", sagt Saralisa Volm, "dann kam der Anruf, dass die Berlinale den Film trotzdem haben will".

Das mag daran liegen, dass ihr Film thematisch bestens zu den "Perspektiven" passt. Vier der sieben Wettbewerbsbeiträge befassen sich mit dem Thema Wald, Volms inklusive. Auch das "Echo der Vergangenheit" spielt mit rein. Die Handlung kreist um eine junge Forstwissenschaftsstudentin, die ein Praktikum in den oberpfälzischen Wäldern macht, in denen ihr Vater Jahre zuvor spurlos verschwunden ist. Bei ihrer Arbeit untersucht die junge Frau den Waldboden und findet bald heraus, dass die Region und das Dorf etwas Mörderisches zu verbergen haben, was bis in die dunkle Nazizeit zurückreicht.

Prominent besetzt

Das breite Kinopublikum bekommt das Werk vermutlich im Herbst oder Winter zu sehen. Eine Art Premiere mit Regisseurin, Autor und Schauspielern ist auch in der Oberpfalz vorgesehen, konkrete Pläne dazu gibt es jedoch noch nicht. Drehorte waren im Frühjahr vergangenen Jahres unter anderem der Doost, der Merklsteig und die Berliner Straße in Weiden, der Neustädter Stadtplatz, Pleystein und der Stückberg bei Eslarn. Kulisse für die Wohnung der Protagonistin war ein Apartment in der Nähe der Weidener Thermenwelt.

"Schweigend steht der Wald" ist gespickt mit Hochkarätern des deutschen Films: Hauptdarstellerin ist Henriette Confurius. Daneben sind unter anderem Robert Stadlober, August Zirner und Johanna Bittenbinder zu sehen. In kleineren Rollen tauchen die Lokalmatadorinnen Christina Baumer und Anita Eichhorn auf.

Düstere Grundstimmung

"Es war ein ziemlich kühles und regnerisches Frühjahr, das kam uns zupass", erinnert sich Volm an die Dreharbeiten. Das trübe Wetter war für die düstere Grundstimmung des Films durchaus gewollt. Vor Ort konnte das Team der Produktionsgesellschaft "Poison" aus Berlin auf etliche Unterstützer bei Vorbereitung und Recherche zählen, unter anderem auf Jörg Skriebeleit von der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Dialektcoach Markus Pleyer von Radio Ramasuri, den Kulturverein Sündikat sowie die Kameraassistenten Kevin Altmann und Sebastian Reiter.

Auf das Ergebnis machen die Berlinale-Veranstalter neugierig, wenn sie die "Perspektive Deutsches Kino" bewerben: "Unerwartetes, originelle Ideen und die Freude am Ausprobieren sind die Kriterien, die unsere Filmauswahl bestimmen." Wer sich dabei durchsetzt, hat Chancen auf zwei Preise, die jeweils mit 5000 Euro dotiert sind.

Die Dreharbeiten zu "Schweigend steht der Wald"

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Die Berlinale

  • Gegründet 1951
  • Eines der wichtigsten Filmfestivals der Welt
  • Das größte Publikumsfestival der Welt mit fast einer halben Million Besucher in Vor-Corona-Zeiten
  • 2022: 72. Ausgabe vom 10. bis 16. Februar
  • Zehn Sektionen neben dem Hauptwettbewerb
  • Hauptpreis: Goldener Bär
  • Eröffnungsfilm: Peter von Kant von Francois Ozon

 

 

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