Die für solche Fälle vorgesehene Feinwaage der Grenzpolizeiinspektion Waidhaus reichte für das aufgefundene Rauschgift nicht mehr. Über fünf Kilo Amphetamin und Ecstasy hatten die Schleierfahnder bei einem Mann sichergestellt, der mit seinem klapprigen Opel Corsa auf der A 6 Richtung Tschechien unterwegs war. In der Verhandlung vor der ersten großen Strafkammer des Landgerichts gestand der 48-Jährige, dass er die Drogen an der holländisch-belgischen Grenze von einem Mann bekommen hatte und sie nach Budapest hätte bringen sollen.
1000 Euro Lohn seien ihm dafür versprochen worden. Weil er in finanziellen Schwierigkeiten gewesen sei, habe er den Auftrag annehmen müssen. Den Hintermann könne er nicht verraten, da sonst seine Frau und seine drei Kinder in Ungarn in Gefahr seien. Ansonsten war der ledige Arbeiter auskunftsfreudig, erzählte seine Lebensgeschichte, auch von der Entstehung seiner Schulden und von einer gleichartigen Tat in Norwegen. Im Jahr 2013 war er zusammen mit zwei Komplizen mit 170.000 verbotenen Tabletten im Auto erwischt worden. Dafür hatte das Gericht in Oslo ihm sechs Jahre aufgebrummt. Nach vier Jahren war er auf Bewährung entlassen worden.
Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Matthias Biehler beantragte wegen der außergewöhnlich großen Menge Rauschgifts sieben Jahre Freiheitsstrafe. Die Rechtsanwälte Franz Schlama und Valèria Szabo hoben das Geständnis ihres Mandanten und seine verzweifelte Lage hervor. Auch, dass er als Ausländer es in der achtmonatigen Untersuchungshaft besonders schwer gehabt habe und dass er Reue und Einsicht zeige, führten die Verteidiger zur Begründung ihres Antrags auf fünf Jahre an. Landgerichtspräsident Gerhard Heindl, Richter Matthias Bauer und die beiden Schöffen blieben mit ihrem Urteil genau in der Mitte: sechs Jahre Gefängnis.













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