Der Großvater übrigens war ein ortsbekannter Trunkenbold in einem Grenzmarkt im westlichen Landkreis, die Großmutter "übergeschnappt" und der Onkel "gebaut wie ein Bär und von geregelter Arbeit nichts haltend", sei schon früh in die Fußstapfen seines Vaters getreten und ebenfalls Alkoholiker geworden. Die sieben Stiefgeschwister lernte er erst nach 40 Jahren kennen.
Thomas Zielbauer, der am Freitagabend im "Lesecafé" der Regionalbibliothek den zweiten Band seiner Biographie unter dem Titel "Der lange Weg zur Zufriedenheit - (Gefühlsstrudel)" vorstellte, ließ an seiner leiblichen Familie kein einziges gutes Haar. Das Buch ist eine schonungslose Abrechnung mit sich und seinen Weggefährten. Vor sieben Jahren hat er die ersten 25 Jahre seines Lebens veröffentlicht. Geboren in Waidhaus, aufgewachsen bei Zieheltern Am Galgenberg und später am Rehbühl, lernte er den Beruf des Kfz-Mechanikers, ehe er ein erfolgreicher Versicherungsvertreter wurde.
Überwältigendes Feedback
Zielbauer skizzierte schon damals die Vorzüge und Macken von Freunden und Bekannten, von denen heute einige im öffentlichen Leben stehen. "Ich wünsche viel Spaß mit dem, was ich da geschrieben habe." Der erste Band endete 1986. Der zweite beleuchtet auf rund 400 Seiten die Jahre 1986 bis 1991. "Es war unumgänglich eine Fortsetzung meines Lebens auf Papier drucken zu lassen." Grund sei das Feedback seiner riesigen Lesergemeinde gewesen. "Die Mehrzahl derer war von den gelesenen Zeilen richtig betroffen. Viele Bekannte und auch ein Großteil meiner Kunden sahen mich urplötzlich in einem anderen Licht." Zielbauer: "Einige kannten mich schon 40 Jahre und wussten so wenig von mir."
Nicht nur die Käufer hätten das Werk gelesen. "Nein, das Buch wurde hundertfach weiterverliehen." Neue Freundschaften seien entstanden, einige andere jämmerlich zu Bruch gegangen. Man habe ihn gelobt und für die Psychiatrie empfohlen. "Ob mir das Offenlegen meines Lebens schaden würde, war noch abzuwarten." Sein Lektor habe ihm abgeraten. Egal, ein zweites Buch musste her: "Wie von der Tarantel gestochen, war ich vom Schreiben nicht mehr wegzukriegen."
In Schreibwut verfallen
Zielbauer war "dem Rausch der Buchstaben verfallen." Denn, "wenn es auch nur einen Leser geben würde, wollte ich dem die zweite Hälfte meines Lebens nicht vorenthalten." Und voller Stolz: "Der ehemalige Drittklassenwiederholer von einst schrieb an seinem zweiten Werk." Der Hintergrund seiner Schreibwut: Seinen Söhnen Einblicke in sein Leben hinterlassen. "Denn wer weiß schon genau über das Leben seines Erzeugers Bescheid."
Zielbauer beginnt sein neues Buch mit einem Spaziergang über den Weidener Stadtfriedhof. Er wird melancholisch, philosophiert. Er stellt die großen Fragen. Findet Antworten in seinem fest verwurzelten katholischen Glauben - er verehrt die Gottesmutter - und resümiert, dass ihm nichts so viel Freude mache, wie seine Arbeit als erfolgreicher Versicherungsmakler. Die Leiterin der Regionalbibliothek, Sabine Guhl, versicherte, dass das brandneu erschienene Buch auch ausgeliehen werden könne. Sie selbst habe es schon für sich reserviert. "Ich bin ganz gespannt darauf."




















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