17.10.2019 - 14:53 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Seltene Delikatesse im Fußball-Format

In seinem Garten sprießen rare Leckerbissen: Jörg-Christian Huck erntet jedes Jahr Riesenboviste – leckere Speisepilze im XXXL-Format. Heuer sind es vier. Doch die landen bei ihm nicht in der Pfanne oder im Kochtopf.

In einer Hand einen Fuß-, in der anderen einen Medizinball? Falsch: Jörg-Christian Huck präsentiert zwei seiner vier Riesenboviste. Alljährlich sprießt der seltene Pilz in seinem Garten im Hammerweg.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Selbst in Jahren, in denen Schwammerln zuhauf aus dem Untergrund schießen, gilt er als Rarität: Der Riesenbovist, so weiß Experte Hubert Seidl von der Stadt Weiden, "gedeiht nur auf gut gedüngten Gartenböden - wenn es warm ist, und wenn's regnet". Im Garten von Jörg-Christian Huck im Stadtteil Hammerweg ergänzen sich all diese Faktoren offenbar auf ganz wunderbare Weise. Im dritten Jahr in Folge erntet der Weidener nun Riesenboviste - heuer gleich vier an der Zahl. Der imposanteste ist fast so groß wie ein Medizinball und wiegt knapp zwei Kilo. Die anderen gleichen Fußbällen.

Geschmackssache

Die raren weißen Speisepilze drängen sich hinter dem Haus der Hucks auf ungefähr zwei Metern entlang eines Blumenbeets. Das Ehepaar fand sie am Montag vor, als es von einem zweiwöchigen Urlaub zurückkehrte. Vorher hatte es keine Anzeichen gegeben, dass Pilze ans Tageslicht drängen würden. Die Ausbeute könnte für ein paar schmackhafte Mittags- und Abendessen reichen - "der Riesenbovist ist eine Delikatesse", weiß Seidl. Doch Huck übereignet seine Ernte nicht der Pfanne, sondern dem Kompost.

Frau Doris "hat einmal versucht, einen Bovist zu braten", erzählt der 78-Jährige. "Vom Ergebnis war sie aber nicht begeistert." Seidl würde da widersprechen: "Er schmeckt wirklich gut!" Der Umweltingenieur hat einmal zwei bis drei Zentimeter dicke Scheiben vom Bovist geschnitten, paniert und sie wie ein Schnitzel zubereitet. Man könne die Scheiben aber auch einfach mit Salz und Pfeffer in Öl braten. "Dann mit einem frischen Bauernbrot essen - lecker!"

Geruchstest empfohlen

Andere hungrige Gartenbesucher stehen offenbar auf Rohkost: Hucks Boviste sind teilweise stark angeknabbert. Beim Anschneiden schimmert das Innere gelblich. Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum womöglich schon überschritten? In Internet-Foren mahnen Fachleute, nur "schneeweiße, junge, straffe Riesenboviste" würden sich zum Verzehr eignen. Wenn der Pilz innen gelb-bräunlich werde, habe er die beste Zeit hinter sich. Hubert Seidl würde die Färbung nicht überbewerten. Entscheidend sei letztlich der Geruchstest: "Wenn der Bovist pilzig angenehm riecht, kann man ihn essen. Wenn er den Geruch sich zersetzenden Eiweißes hat, dann nicht."

Bei Jörg-Christian Huck hilft alles nichts: Er ist kein Bovist-Fan und wird wohl auch keiner mehr. "Ich mag Steinpilze", sagt er, während er die vier weißen Oschis aus dem Boden zieht und vor sich ablegt. Fertig zum Abtransport in Richtung Kompost. Welche Vergeudung, würden Kenner jammern.

Seit 13 Jahren leben die Hucks am Hammerweg, vor 3 Jahren fanden sie erstmals zwei Riesenboviste im Garten. Seitdem sprießen sie jedes Jahr. Im Gartenboden, der offenbar gut mit Nährstoffen versorgt sei, habe sich das Myzel (Pilzfäden) eingenistet, folgert Seidl. Gut möglich also, dass bei Hucks auch im EM-Jahr 2020 die Fußbälle wie Pilze aus dem Boden schießen.

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