Es muss Anfang dieses Jahrhunderts gewesen sein, als auf dem großen Areal vor der Gambrinus-Brauerei Rohre, Baumaschinen und andere Utensilien für eine große Baustelle in der Nähe lagerten. Gegenüber stand an der Straße An den Städeln seit diesen Bauarbeiten für lange, lange Zeit ein Auto. Es wurde nicht bewegt, war einfach abgestellt. Irgendwann bekam es einen roten Aufkleber, dass der Besitzer den Wagen wegfahren sollte. Doch es geschah wenig, das Auto stand weiter.
Unter ihm, etwa im Bereich des Beifahrersitzes, hatte eine Weide zu keimen begonnen. Geschützt von dem Wagen über ihr, war sie zu einem Baumkind mit einer kleinen Biegung am Fuß des Stammes herangewachsen. Das Baumkind war so stark, dass es ihm auch nichts ausmachte, dass sein blecherner Beschützer irgendwann abgeholt, weggefahren oder verschrottet wurde. Es wuchs einfach vor sich hin, entwickelte Stamm und trieb Äste aus. Die anderen Parker auf diesem Areal respektierten den hölzernen Gesellen, hielten Abstand und ermöglichten so, dass der kleine Wildwuchs etwas Gras als Nachbarn über den Wurzeln bekam. Die nächsten Baumverwandten stehen am anderen Ende des Platzes vor den Häusern in der Sintzelstraße.
Doch nun war es aus mit der Idylle. Ein paar schnelle Schnitte mit der Kettensäge und schon war Schluss mit den Ästen für Vögel, mit den Blüten für Bienen, mit den Blättern für gute Luft und einer optischen Aufwertung für den Parkplatz. Es blieb der wilden Weide nicht vergönnt, ein großer stolzer Baum zu werden. Als Halbstarke wurde sie gefällt.














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