13.07.2018 - 16:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Semesterticket gescheitert

Das endgültige Aus besiegeln ausgerechnet die, die es einst forderten: die Studenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden.

Das Semesterticket hätte allen OTH-Studenten ermöglicht, für 84 Euro pro Semester unter anderem sämtliche Buslinien des Öffentlichen Personennahverkehrs in der Nordoberpfalz ohne Zusatzkosten zu nutzen.

Amberg/Weiden. (zm) Was sie vor Jahren selbst angeschoben haben, ist nun endgültig vom Tisch. Der Geschäftsführer des Zweckverbandes Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS), Hans-Jürgen Haas, teilte am Freitag der Verbandsversammlung mit, dass es ein Semesterticket für die Studenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Amberg-Weiden nicht geben wird.

Nach mühsamen und zähen Verhandlungen sei es an einem vom Studentenwerk Oberfranken "allen Studierenden nochmals zur Abstimmung" gestellten, elektronisch erhobenen Votum über ein unterschriftsreifes Ergebnis gescheitert. Der Geschäftsführer des Studentenwerks, Josef Tost, betonte, dass sich "an dieser Umfrage nur eine Minderheit beteiligt, diese aber ihre Ablehnung des Verhandlungsergebnisses deutlich zum Ausdruck gebracht" habe.

Tost machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. In einem Brief an die RBO (Regionalbus Oberpfalz) schrieb er: "Dieses Vorgehen der Studierenden passt genau in die gesellschaftliche Entwicklung unserer Zeit, in der Egoismus und Ichbezogenheit im Vordergrund stehen und der Gedanke an Solidarität immer mehr verloren geht."

Diesen Satz zitierte in der Versammlung der Amberger Stadt- und Verbandsrat der Grünen, Helmut Wilhelm, und fügte noch resigniert hinzu: "Und das soll einmal unsere nächste geistige Elite sein." Das ausgehandelte, unterschriftsreife Ergebnis sah laut Haas vor, dass das solidarfinanzierte Semesterticket 84 Euro pro Studierendem und Semester gekostet hätte.

Dieser Betrag, der von jedem an der OTH eingeschriebenen Studenten erhoben worden wäre, liege "an der Grenze des nach der Rechtsprechung Zumutbaren". Im Gegenzug hätten alle Studenten in den beiden Hochschulstädten Amberg und Weiden, zwischen diesen Städten und im Einzugsbereich des von Busunternehmen bedienten Tarifgebiets Oberpfalz Nord (TON) den gesamten Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bis auf die Ausnahme eines Eisenbahn-Anbieters kostenlos nutzen können.

Und das soll einmal unsere nächste geistige Elite sein.

Helmut Wilhelm,
Grünen-Stadtrat in Amberg über die Ablehnung des Semestertickets seitens der OTH-Studenten
Bild: Stephan Huber

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Kommentare

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Benedikt Bräutigam

Das kann man ja nur hoffen, dass das die nächste geistige Elite wird.

Wohingegen im Beitrag öffentlich polemisiert und pauschalisiert wird, bleibt es in den Kommentaren ja durchaus sachlich und ruhig.

Dass werdende Ingenieure wirtschaftlich und logisch denken, muss ja nicht unbedingt ein Nachteil sein. Auch, dass keine zusätzliche Belastung auf die eh schon mit dem eigenem Fahrzeug fahrenden Studenten aus dem urbanen Raum hinzukommt, kann man nur als durchaus solidarisch betrachten.

Die OTH Amberg-Weiden befindet sich im Verbund mit der OTH Regensburg und hat starke Verknüpfungen zu den Hochschulen und Universitäten Nürnberg und Erlangen. Es ist traurig, dass sich hier keine ordentliche öffentliche Verkehrslösung erwirken lässt.

Ich würde eine Markt- und Bedarfsanalyse vorschlagen. Die jungen Kollegen von der OTH Weiden können Ihnen hierbei bestimmt behilflich sein.

16.07.2018
Teresa Wienand

Das Ticket das die Studenten gefordert hatten, sollte Nürnberg oder Regensburg mit Amberg und Weiden verbinden. Bei der Umfrage davor war das ein wichtiges Kriterium damit das Ticket realisiert wird. Denn die meisten der Studenten kommen aus Richtung Nürnberg, Regensburg oder wohnen direkt in Amberg oder Weiden. Amberg und Weiden sind nicht groß genug, dass man nicht alle Orte zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen könnte. Und ein Bus, der nicht oft am Tag fährt, ist auch nicht sehr lukrativ, wenn man nicht immer einen geregelten Tagesablauf hat.

Ein anderer Punkt ist der Preis. Man hätte für die Fahrt nach Nürnberg zum Beispiel nicht wirklich etwas gespart und hätte das benötigte Ticket von Etzelwang nach Nürnberg nicht einmal am Automaten in Amberg kaufen können, da das nicht möglich ist.

Das gesamte Scheitern des Projektes als Egoismus und als Scheitern der heutigen Gesellschaft darzustellen ist deshalb einfach nicht richtig. Da geht es ums abwägen, was ist lukrativer? Und mehr als 80 Euro auszugeben für ein Ticket das nicht einmal die Hälfte benutzt ist dementsprechend nicht sinnvoll.
Außerdem sollte man die Studenten auch zu Wort kommen lassen da es hauptsächlich auch um diese geht.

14.07.2018
Philipp Held

Gefordert wurde und wird ein Semesterticket, welches Weiden und Amberg mit Regensburg oder Nürnberg verbindet. Dieses Ticket wurde bei den vorausgehenden Befragungen deutlich befürwortet! Geliefert wurde ein katastrophal überteuertes Kurzstreckenticket.
Zudem zählt der Weidener ÖPNV sicherlich nicht zu den Vorzeigeprojekten.
Die Äußerungen von Herrn Tost und Herrn Willhelm passen sehr gut zu der gesellschaftlichen Entwicklung dieser Zeit, in der Gefühle im Vordergrund stehen und der Gedanke an Fakten immer mehr verloren geht.

14.07.2018
Maximillian Stör

Das Semesterticket wurde vor Jahren einmal gefordert. Bedeutet, dass die Studierenden entweder nicht mehr studieren oder sogar schon bei ihrer BA sind. Eine Großzahl von Studenten wohnt entweder direkt vor Ort oder kommen aus anderen Gebieten in Bayern (Sie wohnen jetzt in Weiden), sodass es keinen Sinn machen würde.

Bevor unsere „Politiker“ über uns Studierende urteilen und ihre Meinung in der Presse kundgeben, sollten Sie vielleicht zuerst mit uns reden.

Das hat nichts mit „Ellbogen-Denken“ zu tun, sondern mit logischem Überlegen.

An onetz.de: Sie sollten vielleicht in Zukunft auch mehr Sichtweisen einholen.

14.07.2018
Hans Peter

Die Ablehnung hat nichts mit Egoismus zu tun, das Problem ist, dass das Ticket nicht in Richtung Nürnberg geht. Somit hätten aus dieser Richtung pendelnde Studenten doppelt zahlen müssen. Jeder mit gesundem Menschenverstand muss das Ticket daher ablehnen.

Die Statements von Herrn Wilhelm und Herrn Tost gehen am Thema vorbei.

14.07.2018
Rene Kinderlein

Hier wurde wohl eine wesentliche Möglichkeit vergessen. Ein kostenloses Ticket für Studenten, die es wirklich benutzen. Das wäre sozial und auch dem Umweltaspekt wäre gedient gewesen. Wir sind doch ein „Reiches Land“, wie man in den Medien immer wieder hört. Da muss das möglich sein. Aber da macht man es sich halt einfach und schiebt die Schuld den Studierenden zu.

14.07.2018

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