08.01.2021 - 12:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Serie "Natur Pur": Alles, bloß kein Tannenzapfen

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Zapfen sind begehrtes Futter für Waldbewohner im Winter. Wie die Tiere ihre Mahlzeit zu sich nehmen erklärt LBV-Mann Wolfgang Winter in der Serie "Natur Pur".

Die Reste von Fichtenzapfen (von links): Mäuse nagen die Zapfen-Schuppen sauber ab. Eichhörnchen lassen nach der Mahlzeit eine struppig-fransige Zapfen-Spindel zurück. Der Fichtenkreuzschnabel lässt alle Schuppen an der Spindel, schlitzt sie aber mit seinem speziell geformten Schnabel auf um an die Samen zu gelangen. Spechte dagegen haben einen sehr viel gröberen Schnabel als Werkzeug: sie zertrümmern die Zapfen.

Von Wolfgang Winter

Der schmelzende Schnee gibt den Blick auf allerhand Zapfen auf dem Waldboden frei. Zapfen, also die Früchte unserer Nadelbäume: von Kiefern, Fichten, Lärchen und Tannen. Halt – nicht die von Tannen.

Tannenzapfen liegen praktisch nie auf dem Boden. Tannenzapfen reifen auf dem Zweig der Tanne stehend, um dann zu zerfallen. Sie zerbröseln oben am Baum, nur die Schuppen fallen herunter und natürlich die geflügelten Samenkörnchen. All die großen, langen braunen Zapfen, die auf dem Waldboden liegen, sind Fichtenzapfen.

Alle heimischen „Koniferen“ (= Zapfenträger) also Nadelbäume entwickeln Samen, die einzeln hinter Zapfenschuppen stecken. Die Frucht kann größer (wie bei Fichten und Tannen) oder kleiner sein, wie bei Lärchen und Kiefern, deren Zapfen nicht länger als 6 Zentimeter werden und eher rundlich sind.

Begehrtes Futter

Die einzelnen Samen sind in aller Regel „geflügelt“, so dass der Wind sie weit forttragen kann, sobald der Zapfen reif und von Sonne und Hitze trocken ist und sich öffnet, um die Samen freizugeben.

Die Samenkörnchen sind zwar nicht groß, aber sehr energie-, weil fetthaltig. Das wiederum macht sie zu begehrtem Futter für viele Waldbewohner.

Solange sich der Fichtenzapfen im Jahr nach der Blüte nicht geöffnet hat, was erst passiert, wenn Sonne und Wind ihn ausgetrocknet haben, gibt er seine wertvolle Fracht nicht her. Sturm und Hagel können auch den noch ungeöffneten Zapfen zu Boden werfen – mit den Samen darin. Und weil die Samen hinter den Schuppen so nahrhaft sind, sind sie ein „gefundenes Fressen“. Egal, ob sie schon am Boden liegen, oder noch in luftiger Höhe in der Krone hängen.

So fressen Tiere die Zapfen

Spechte zertrümmern die Zapfen geradezu, um an die fette Beute zu gelangen. Filigraner geht der Fichtenkreuzschnabel vor, der mit seinen gekreuzten Schnabel-Spitzen die Schuppen aufbricht, um an die Körnchen zu gelangen.

Nagetiere dagegen knabbern eine um die andere Schuppe von der Zapfenspindel und verspeisen so die dazwischen verborgenen Samen. Dabei arbeiten Mäuse im Ergebnis wesentlich gründlicher, als Eichhörnchen. Die Überbleibsel der Mahlzeiten lassen eindeutig auf den „Verzehrer“ schließen.

Diese und andere Hinterlassenschaften und Spuren verschiedener Tierarten sollten bei „Tierspuren-Wanderungen“ der Kreisgruppe Neustadt/Weiden des LBV (Landebund für Vogelschutz) gefunden und erklärt werden.

Die Veranstaltungen in Pressath und in Weiden können nicht durchgeführt werden. Stattdessen veranstaltet der LBV eine „virtuelle Tierspurenwanderung“, die am Sonntag, 10. Januar, um 17 Uhr beginnt.

Wer sich mit auf Spurensuche machen will, kann sich kostenlos und unverbindlich per Mail (verena.bauer[at]lbv[dot]de) zu der Veranstaltung anmelden und erhält dann rechtzeitig einen Link zugesandt, über den die Teilnahme an dem Vortrag möglich ist.

Zudem ist es möglich, bereits vorab Fotos von unbekannten Spuren an die Mail-Adresse zu senden, die dann beim Vortrag aufgeklärt werden können.

LBV-Aktion: Stunde der Wintervögel

Neustadt an der Waldnaab
Die Reste von Fichtenzapfen (von links): Mäuse nagen die Zapfen-Schuppen sauber ab. Eichhörnchen lassen nach der Mahlzeit eine struppig-fransige Zapfen-Spindel zurück. Der Fichtenkreuzschnabel lässt alle Schuppen an der Spindel, schlitzt sie aber mit seinem speziell geformten Schnabel auf um an die Samen zu gelangen. Spechte dagegen haben einen sehr viel gröberen Schnabel als Werkzeug: sie zertrümmern die Zapfen.
Die Kolumne:

"Natur Pur" von Wolfgang Winter

Wolfgang Winter ist beruflich wie privat viel in der Natur in und um Weiden unterwegs und engagiert sich beim Landesbund für Vogelschutz (LBV). Für unsere Leser berichtet er über Fundstücke beim Spaziergang am Wegesrand.

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