03.02.2019 - 13:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

„In jedem Slammer steckt eine kleine Rampensau“

Rund 200 Auftritte hat Poetry-Slammerin Maron Fuchs in den vergangenen vier Jahren absolviert. Neben dem Slammen hat sie aber noch eine weitere große Leidenschaft.

Maron Fuchs aus Weiden ist Poetry-Slammerin aus Leidenschaft.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Poetry-Slam ist kein improvisierter Freestyle, betont Maron Fuchs. „Die Poeten tragen vor, was sie vorab geschrieben haben. Das ist eher wie ein moderner Dichterwettstreit.“ Um das Publikum mitreißen zu können, muss ein Text gut geschrieben und eingeübt sein. Erst dann wirkt der Auftritt natürlich, frei und überzeugend.

Zum Poetry-Slam ist die gebürtige Weidenerin, die mittlerweile in Bamberg Lehramt studiert, durch Zufall gekommen. Ihr Kommilitone Flo Langbein, selbst Slammer, las von ihr verfasste Texte und überzeugte sie davon, diese auf der Bühne zu präsentieren. „Das war an Nikolaus 2014 beim Open-Air in Bamberg“, erinnert sie sich. Den damaligen Contest gewann sie zwar nicht, aber „es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht“.

Ungefähr 200 Bühnenauftritte

„Ich glaube, in jedem Slammer steckt eine kleine Rampensau“, sagt die 23-jährige Fuchs und lacht. „Ich freue mich, wenn ich die Leute erreiche.“ Mittlerweile hat sie ungefähr 200 Bühnenauftritte hinter sich. Bei den Bayern-Slams 2017 und 2018 ist sie als einzige Frau bis ins Finale gekommen, „und das trotz Startplatz 1“. Der erste Startplatz gilt als Nachteil, weil das Publikum zu Beginn noch „zurückhaltend“ ist und „erst einmal noch weniger Punkte verteilt als am Ende“. „Verständlicherweise“, gibt Fuchs zu. Schließlich wisse der Zuschauer anfangs noch nicht, „was da noch nachkommt.“

Maron Fuchs beim Poetry-Slam Bayreuth: Mein Abschied von dir

Poetry-Slam ist ein Lebensgefühl, schwärmt die Slammerin: „Unterwegs sein. Leute begeistern und immer wieder treffen.“ Trotz ihrer Erfahrung ist sie vor jedem Auftritt „immer ein bisschen nervös“ – aber das sei eben der Preis: Man muss „immer wieder raus aus der Komfortzone und rauf auf die Bühne. Wichtig ist, sich selbst zuzutrauen, interessant und spannend zu sein. Man muss nicht jeden erreichen.“

Neben ihren eigenen Auftritten organisiert Fuchs einmal pro Monat eine Poetry-Slam-Veranstaltung. „Moderieren. Poeten anschreiben. Den Facebook-Auftritt gestalten. Werbung. Plakate.“ Das alles ist bei ihr „pure Leidenschaft“. Es gibt zwar „Profis“, die davon auch leben können, sagt sie, aber das ist die „absolute Ausnahme“. Üblicherweise bekomme ein Slammer die Fahrkosten, die Kosten für die Unterkunft und das Essen erstattet. Manchmal gebe es auch eine Gage oder ein Taschengeld. Das hänge vor allem von der Größe der Veranstaltung ab.

Achter Roman "Abbild der Vergangenheit"

Fuchs ist außerdem Buchautorin. Im Dezember erschien bereits ihr achter Roman „Abbild der Vergangenheit“ im „Papierfresserchens Mtm-Verlag“. Die Handlung: Als die Zehntklässlerin Meike erfährt, dass jemand sie umbringen will, stellt das ihre Welt auf den Kopf. Da ihre Eltern mehr zu wissen scheinen als sie verraten, beginnt sie selbst zu ermitteln. Einen autobiografischen Hintergrund haben ihre Romane nicht, sagt die Autorin und lacht. Ihr persönlicher Charakter fließe trotzdem automatisch mit ein. Als Inspiration genüge manchmal schon ein einziger Satz, den sie beiläufig im Gespräch mit Freunden aufschnappt, wie etwa: Wir können ja keine Gedanken lesen. „Dann überlege ich: Was wäre, wenn doch?“ Die Autorin verbringt viel Zeit am Laptop. „Das Schreiben von Büchern ist ein ruhiger und langwieriger Prozess. Ich erschaffe dabei Figuren und aufwendige Geschichten.“ Dazu müsse sie „runterkommen und nachdenken“.

Uni im Vordergrund

Manchmal ist es natürlich anstrengend, Studium, Literatur und Auftritte unter einen Hut zu bringen. „Man muss logistisch gut planen können.“ Und es ist auch nicht möglich, immer alles mit voller Energie zu betreiben. Sie müsse sich fokussieren, gibt sie zu bedenken. Im Moment steht für sie die Uni im Vordergrund. Im Februar muss sie ihre Zulassungsarbeit abgeben. Sie freue sich aber schon jetzt darauf, wenn sie wieder mehr Zeit zum Slammen hat: „Nach einer Pause juckt‘s mich wieder in den Fingern. Ich will nicht einrosten.“

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