30.07.2019 - 13:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sohn erpresst von 81-jähriger Mutter Geld für Drogen

Nachdem ihr Sohn sie immer wieder mit Schlägen gezwungen hatte, ihm Geld für seine Drogen zu geben, zeigte die 81-Jährige ihn an. Jahrelang sei dies so gegangen, schilderte die Frau nun vor dem Schöffengericht ihren Leidensweg.

Symbolbild.
von Autor hczProfil

Der aktuelle Anlass, sich zwei Tage später an die Polizeiinspektion Neustadt/WN zu wenden, sei ein Vorfall vom 18. September gewesen. Damals sei der 41- Jährige wieder einmal auf das Anwesen der Rentnerin im Landkreis Neustadt/WN gekommen und hatte lautstark nach Geld verlangt. Um nicht vor den Nachbarn aufzufallen, begab sie sich, verfolgt von ihrem Sohn, ins Hausinnere. Schon auf der Treppe setzte es Schubser, Schläge und Tritte von hinten. In der Wohnung drückte der Wüterich die alte Frau an die Wand und schlug ihr mehrmals mit der Faust ins Gesicht und gegen den Oberkörper. Die kleinen Enkel beobachteten die üble Szene und liefen davon, um ihre Mutter zu benachrichtigen, dass „der Onkel die Oma schlägt“.

Als die junge Frau ins Haus ihrer Schwiegermutter kam, bekam auch sie die Fäuste und Füße des Angreifers zu spüren. Es gelang der Altenpflegerin jedoch, ihn überwältigen und zur Flucht zu bewegen. Gemeinsam mit der Mutter des Drogensüchtigen erstattete sie Anzeige. Hämatome am ganzen Körper bezeugten die Brutalität. Oberstaatsanwalt Bernhard Voit klagte den in Neustadt/WN geborenen und jetzt in einer polizeibekannten Unterkunft für Drogensüchtige in Weiden lebenden Mann wegen räuberischer Erpressung und Körperverletzung in mehreren Fällen an. Hinzu kam noch Beleidigung. Er hatte den örtlichen Pfarrer kurz nach seiner Tat mit üblen Ausdrücken bedacht.

Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder bescheinigte dem Angeklagten einen „bedenklichen Drogen-Abusus“. Ohne eine länger andauernde Therapie sei eine Tatwiederholung äußerst wahrscheinlich. Er empfahl die Unterbringung in einer geschlossenen Klinik für etwa zwei Jahre. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Rechtsanwalt Marc Steinsdörfer schlossen sich dieser Ansicht an. Lediglich in der Länge der Freiheitsstrafe, die der Mann abzusitzen hätte, wenn er die Therapie nicht durch hält, waren sie sich uneinig. Steinsdörfer hätte eineinviertel Jahre für ausreichend gehalten. Voit plädierte auf zwei Jahre. Richter Hubert Windisch und die Schöffen entsprachen Voits Vorstellung. Einig war man sich, dass dies die letzte, „aber wirklich allerletzte“, Chance für den 20 mal – meist wegen kleinerer, rauschgifttypischer Delikte – Vorbestraften ist.

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