13.08.2019 - 10:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sozialbürgerhaus ist auf Kurs

Schneller, bürgerfreundlicher, effektiver arbeiten: Das sind die Zielsetzungen für das Sozialbürgerhaus Weiden. Ein Projekt, das anderen als Vorbild dient.

"Es geht gut voran", bilanziert Dezernent Wolfgang Hohlmeier, mit dessen Amtsantritt vor etwas über einem Jahr die Umsetzung des Projekts Sozialbürgerhaus begonnen hat. Großes Lob zollt er seinen eifrigen Kolleginnen und Kollegen.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Angestoßen hat die Idee der frühere Sozialdezernent Hermann Hubmann vor gut drei Jahren. Umgesetzt wird sie jetzt von seinem Nachfolger Wolfgang Hohlmeier, seit 1. Juli 2018 Leiter des Dezernats 5 – Familie und Soziales – bei der Stadt.

ONETZ: Vor etwas über einem Jahr ist das Projekt Sozialbürgerhaus an den Start gegangen. Was hat sich seitdem verändert?

Wolfgang Hohlmeier: Das Sozialbürgerhaus ist kein Gebäude in dem Sinne. Es ist vielmehr ein Konstrukt. Dahinter verbirgt sich die grundlegende Umstrukturierung der Sozialverwaltung der Stadt Weiden. Es entstanden zwei neue Ämter: Das Amt für soziale Dienste und das Amt für wirtschaftliche Hilfen. Das Amt für soziale Dienste ist für Beratung zuständig, das Amt für wirtschaftliche Hilfen für Geldleistungen. Geldleistung und Beratung wurden also getrennt so wie es bei den Jobcentern der Fall ist. Diese Struktur existiert jetzt ein Jahr und wird entsprechend gelebt.

ONETZ: Haben sich die Arbeitsabläufe dadurch vereinfacht? Wenn ja: Wie wirkt sich das aus?

Wolfgang Hohlmeier: Die Aufbauorganisation ist bereits komplett geändert. Jetzt wird die Ablauforganisation angepasst. Ziel ist eine moderne, leistungsfähige Sozialverwaltung. Dazu gehören unter anderem neue IT-Programme. Der Arbeitsablauf soll gestrafft werden, zum Beispiel durch einen Einheitsaktenplan oder spezielle Computerprogramme. Das vereinfacht die Arbeit und erleichtert auch die Einarbeitung, wenn jemand neu dazu kommt.

ONETZ: Wie viele Mitarbeiter sind im Sozialbürgerhaus tätig und welche Bereiche betreuen sie?

Wolfgang Hohlmeier: Bisher sitzen zehn Fachkräfte im Gebäude der Arbeitsagentur. Sie sind für die Allgemeinen sozialen Dienste zuständig. Insgesamt werden es dort einmal 55 Beschäftigte sein. Die Mitarbeiter von Maria-Seltmann-Haus, Kinderhaus Tohuwabohu und Jugendsozialarbeit an Schulen und sonstige Außenstellen des Sozialdezernates nicht mit eingerechnet. Denn sie ziehen ja nicht mit um.

ONETZ: Ziel der Neustrukturierung war es zugleich, die Wege für die Bürger im sozialen Bereich zu verkürzen, indem man die Anlaufstellen in einem Gebäude bündelt.

Wolfgang Hohlmeier: Wenn alle unsere Mitarbeiter umgezogen sind, dann haben die Bürger tatsächlich eine Anlaufstelle, um Leistungen zu beantragen, für die Kindergartenberatung, das Asylbewerberleistungsgesetz, den allgemeinen Sozialdienst, die Sozialhilfe oder auch die Obdachlosenberatung. Dazu kommen Berufsberatung, Arbeitsvermittlung und die Geldleistungen von Jobcenter und Arbeitagentur, in deren Gebäude wir einziehen. Da ist dann alles unter einem Dach. Meines Wissens gibt es das so noch nirgends. München hat zwar ein Sozialbürgerhaus. Dort gibt es aber keine Leistungen der Arbeitsagentur. Bei uns wird das alles in einem Haus sein.

ONETZ: Gibt es Rückmeldungen von Bürgern, ob sie die neue Organisationsstruktur besser oder schlechter finden?

Wolfgang Hohlmeier: Nein, bislang nicht. Das liegt daran, dass es das Sozialbürgerhaus zwar als Organisationsstruktur gibt, aber nach wie vor der Großteil der Beschäftigten im Rathaus sitzt. Die Verbesserung wird erst eintreten, wenn alle Teile im Gebäude der Arbeitsagentur zusammengefasst sind.

ONETZ: Gibt es Rückmeldungen von den Mitarbeitern, wie sie die neue Organisationsstruktur beurteilen?

Wolfgang Hohlmeier: Die Kolleginnen und Kollegen sind bei der Umstrukturierung mit Feuereifer dabei, neben der normalen Arbeit, und bringen eine hohe Fachlichkeit ein. Daran merkt man, dass die Veränderungen erwünscht sind. Strukturierte Arbeitsweisen und optimale Prozesse ermöglichen eine bürgerfreundliche, schnelle Sachbearbeitung.

ONETZ: Sie selbst haben zuletzt das Jobcenter geleitet. Haben sich hier schon Synergieeffekte eingestellt durch die neue Struktur?

Wolfgang Hohlmeier: Es gibt ein großes Erfolgsbeispiel: Bei einer Familie mit fünf Kindern und einem alleinerziehenden schwerkranken Elternteil konnten wir durch gemeinsame Anstrengungen verhindern, dass die Kinder auseinandergerissen und auf verschiedene Heime verteilt werden. Sie können in ihrer Wohnung bleiben und werden dort betreut. Mehr kann ich aus Datenschutzgründen über diesen Fall leider nicht sagen. Jugendhilfe und Jobcenter haben hier unbürokratisch zusammengearbeitet. Ohne die Hilfe des Jobcenters hätten wir das nicht geschafft. Denn in so einem Fall geht es auch um die Finanzierung. Mir persönlich ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass die Kinder zusammen bleiben können.

ONETZ: Wie fällt Ihre Bilanz nach einem Jahr Neustrukturierung aus?

Wolfgang Hohlmeier: Wir sind auf Kurs. Es hat sich viel getan. Die neue Ablauforganisation wird uns zwar noch eine ganze Zeit beschäftigen, aber es geht voran. Die Kollegen sind voll bei der Sache und das Dezernat 1 unterstützt uns, indem es frei werdende Stellen schnell besetzt.

ONETZ: Laut Ihrem Vorgänger Hermann Hubmann sind sogar die Bundesagentur für Arbeit und andere Städte an dem Weidener Modell des Sozialbürgerhauses interessiert.

Wolfgang Hohlmeier: Das stimmt. Bei mir hat der Sozialdezernent von Memmingen nach einem Organigramm gefragt. Herr Hubmann hat in seiner Dienstzeit meines Wissens eine Anfrage aus Fürth oder Erlangen erhalten. Die Bundesagentur für Arbeit schaut auf unser Modell, wobei der Weidener Agenturchef Thomas Würdinger mit ein Motor des Projekts ist. Auch aus Marktredwitz kam eine Anfrage. Unser Sozialbürgerhaus könnte wirklich ein Leuchtturmprojekt werden.

ONETZ: Aktuell sitzen die Mitarbeiter noch in verschiedenen Gebäuden. Wann wird der Umzug beendet sein?

Wolfgang Hohlmeier: Wir rechnen mit Frühjahr/Sommer 2021. Vorgesehen ist, dass wir 19 Einzel- und 16 Zwei-Personen-Büros beziehen. Die Räumlichkeiten hat uns die Arbeitsagentur auch zugesagt.

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