08.09.2021 - 17:13 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sprunghafte Oberpfälzer Inzidenzen: Warum sie in Städten schneller wachsen

Im Landkreis Tirschenreuth gibt es aktuell kaum Corona-Fälle, in den Städten Amberg und Weiden liegen die Inzidenzen dagegen deutlich höher. Welche Gründe gibt es dafür? Oberpfalz-Medien hat bei den Behörden nachgefragt.

Im Landkreis Tirschenreuth gibt es aktuell kaum positive Corona-Tests, in Amberg und Weiden liegen die Zahlen dagegen deutlich höher.
von Sebastian Böhm Kontakt Profil

Der Landkreis Tirschenreuth weist aktuell mit einem Wert von 8,40 die niedrigste Inzidenz der Region auf. In anderen Teilen der Oberpfalz liegen die Zahlen dagegen deutlich höher. Die Stadt Amberg steht derzeit zum Beispiel bei einer 7-Tages-Inzidenz von 83,20.

Wie kommen solch großen Unterschiede innerhalb der Oberpfalz zustande? Gibt es dafür Gründe? Zumal der Landkreis Amberg-Sulzbach und die Stadt Amberg bei der Impfquote im Vergleich sehr gut abschneiden. Hier sind schon 62,88 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, im Landkreis Tirschenreuth dagegen nur 57,57 Prozent.

Ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums antwortet auf eine Anfrage von Oberpfalz-Medien: „Schon seit Beginn der Pandemie sind immer wieder Schwankungen der Inzidenzzahlen zu beobachten. Dies betrifft nicht nur benachbarte Regionen in der Oberpfalz, sondern Schwankungen waren und sind in ganz Bayern und deutschlandweit immer wieder zu beobachten. Hierfür gibt es verschiedene Gründe.“ Einerseits könnten regionale Ausbruchsgeschehen in Einrichtungen oder unter Reiserückkehrern – insbesondere aus Hochinzidenzgebieten – zu einem lokalen Anstieg der Inzidenzen führen, die sich dann aber aufgrund von Infektionsschutzmaßnahmen nicht überregional und diffus ausbreiten würden.

Bevölkerungszahl ein Faktor

Andererseits würden sich in Regionen mit vergleichsweise niedrigen Bevölkerungszahlen auch kleinere Ausbruchgeschehen stärker bei den Inzidenzanstiegen bemerkbar machen.

„Konkret auf die Stadt Amberg bezogen, führt die Regierung der Oberpfalz die erhöhte 7-Tages-Inzidenz unter anderem auf das Infektionsgeschehen in Pflegeeinrichtungen/Altenheimen zurück. Hier wurden bei Reihentestungen Covid-positive Bewohner festgestellt, die nach vollständiger Impfung jedoch glücklicherweise grundsätzlich nur schwach bis völlig asymptomatisch sind. Im Landkreis Tirschenreuth handelt es sich derzeit nur um Einzelfälle“, erklärt der Sprecher des Gesundheitsministeriums weiter.

Die deutlich niedrigere Einwohnerzahl der Stadt Amberg (circa 42.000 Einwohner) führe außerdem bei einem Infektionsgeschehen im Gegensatz zum bevölkerungsdichteren Landkreis Tirschenreuth (circa 71.700 Einwohner) zu einem steileren Anstieg der 7-Tages-Inzidenz.

Das Gesundheitsamt Weiden/Neustadt erklärte bezüglich seiner Zuständigkeitsbereiche mögliche Unterschiede zwischen dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab und der Stadt Weiden: „In Städten ist traditionell der Anteil von Personen größer, die ausländische Wurzeln haben und die Sommerzeit für Familienbesuche im Ausland nutzen.“ Da diese Reisen häufiger in Regionen führten, „in denen vergleichsweise hohe Inzidenzen bestehen, werden in Städten relativ betrachtet mehr Infektionen festgestellt als im Landkreis.“

Gründe verstärken sich gegenseitig

Zudem führe in der Stadt Weiden (aktuelle 7-Tages-Inzidenz 63,50) jeder einzelne Infektionsfall zu einer Inzidenzerhöhung von circa 2,4 – im Landkreis (aktuelle 7-Tages-Inzidenz 26,40) lediglich von circa 1. Ein Infektionsfall in der Familie würde außerdem in den meisten Fällen zu Folgeinfektionen innerhalb des Haushalts führen. Diese drei Gründe „verstärken sich gegenseitig, so dass es nicht ungewöhnlich ist, wenn die Inzidenzen in den Städten teilweise deutlich höher sind als in den direkt angrenzenden Landkreisen.“

Dem Landkreis Tirschenreuth liege aktuell keine Erklärung über die unterschiedlichen Inzidenzwerte in den angrenzenden Regionen vor, erklärte das zuständige Landratsamt auf Anfrage von Oberpfalz-Medien.

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