09.05.2019 - 11:37 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Eine Stadt in großen Nöten

Eine Ausstellung im Stadtmuseum Weiden widmet sich der Zeit des Pfarrers und Dichters Tobias Clausnitzer.

Dieses kleine Tierchen brachte vielen Menschen Leid und Tod. Der Rattenfloh übertrug die Pest. Dieser hier stammt aus einem medizinhistorischen Institut und tut niemandem mehr etwas zuleide. Er kann sicher hinter Glas besichtigt werden.
von Externer BeitragProfil

(exb) Vor 400 Jahren wurde Tobias Clausnitzer in Thum, ganz in der Nähe der Weidener Partnerstadt Annaberg-Buchholz geboren. Der evangelische Pfarrer, "Inspektor" und Liederdichter kam gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges mit dem schwedischen Heer in die Oberpfalz und blieb dort bis zu seinem Tod im Jahr 1684. Er prägte das kirchliche Leben in einer für die Stadt sehr schwierigen Zeit. Im Alten Schulhaus ist derzeit eine Ausstellung über den berühmten Weidener Bürger zu sehen.

Die Vernissage gestalteten Schülerinnen der Clausnitzer-Grundschule mit ihrer Lehrerin Linda Sertl. Sie stimmten mit einem Tanz aus dem 17. Jahrhundert auf das Thema der Ausstellung ein: "Wir glauben all an einen Gott - Tobias Clausnitzer und seine Zeit". "Wir wollen ein Sittenbild der Zeit Clausnitzers zeigen. Was bewegte damals die Menschen? Wen hat Clausnitzer auf der Straße getroffen? Wie sah die Stadt damals aus?", sagt Kulturamtschefin Petra Vorsatz zum Konzept der Schau.

Herausgekommen ist ein spannender Blick in die Stadtgeschichte, die zu dieser Zeit von großen Nöten geprägt war. Der Krieg hatte in Weiden tiefe Spuren hinterlassen, die Pest vielen den Tod gebracht. Ein kaum zwei Millimeter kleiner Rattenfloh, der den Erreger damals verbreitete, ist im Stadtmuseum sicher hinter Glas zu besichtigen. Besonders spannend: eine 3-D-Animation der Stadt Weiden im 17. Jahrhundert, erstellt von Heimatforscher Bernhard Weigl aus Mantel. Alte Kirchenbücher aus Neunkirchen und Mantel mit Originaleinträgen aus der Hand Clausnitzers zeugen von dessen Tätigkeit als Inspektor, was heute dem Amt eines Dekans entspricht.

Er erlebte die Einführung des Simultaneums in Weiden mit, "einer außergewöhnlichen Erscheinung, die Weiden einen besonderen Platz in der Religionsgeschichte einnehmen lässt", so Petra Vorsatz. Dass ab 1663 die Michaelskirche evangelischen und katholischen Christen gemeinsam gehörte, brachte so manchen Konflikt mit sich. Clausnitzer war dabei ein entschiedener Streiter für die evangelische Seite, aber auch immer wieder auf Ausgleich bedacht. Petra Vorsatz: "Es ist überliefert, dass er sich auch engagiert um katholische Kranke im Hospital kümmerte."

Clausnitzer war nicht nur Theologe, sondern auch Schriftsteller und Poet. Eines seiner bekanntesten Lieder ist "Liebster Jesu wir sind hier". Es ist bis heute im Evangelischen Gesangbuch zu finden. Die "Passionsblume" ist eine Sammlung von religiösen Betrachtungen Clausnitzers. Dieser hatte darin "in barocker Weise" Blumen sprechen lassen. Die Ausstellung ist bis zum 30. August im Stadtmuseum (Schulgasse 3 a) montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 16.30 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Termine:

Programm im Clausnitzer-Jahr

Sonntag, 19. Mai, 19 Uhr: Konzert zum 400. Geburtstag von Tobias Clausnitzer in St. Michael in Weiden. Es erklingen Orgelwerke aus der Zeit von Tobias Clausnitzer sowie zu Chorälen des Liederdichters von Georg Muffat, Johann Pachelbel, Johannes Speth, Dietrich Buxtehude und Johann Sebastian Bach. Mit Hanns-Friedrich Kaiser, Orgel.

Donnerstag, 10. Oktober, 19 Uhr: Vortrag von Dr. Volker Wappmann beim Heimatkundlichen Arbeitskreis (in Kooperation mit dem EBW) in der Almhütte (Vereinsheim Trachtenverein) in Weiden.

Donnerstag, 21. November, 18 Uhr: Vortrag „Tobias Clausnitzer und die Literatur seiner Zeit“ von Manfred Knedlik M.A. im Saal im Kulturzentrum Hans Bauer in Weiden. (exb)

Tobias Clausnitzer muss in seiner Funktion als „Inspektor“ viel unterwegs gewesen sein. In alten Kirchenbüchern wie dem aus Mantel finden sich Einträge von ihm.
Die beiden geschichtsträchtigen Wappensteine im Vordergrund schmückten einmal das Obere Tor in Weiden. Doch irgendwann bekamen sie Beine – und landeten in Sulzbach. Als Leihgabe werden sie nun in Weiden gezeigt.

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.