02.06.2019 - 16:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stadt kontert SpVgg SV: Keine Bremser an Bord

Alle beteiligten Behörden und die SpVgg SV Weiden sind an Bord. Es gebe keine "Bremser", betont die Stadt Weiden. In ihrer Stellungnahme widerspricht sie den Aussagen von SpVgg-SV-Chef Kurz, der die "Anstrengungen der Behörden" verkenne.

Auch diese Fläche hinter der Mehrzweckhalle soll zu einem Kunstrasenplatz für die SpVgg SV Weiden umgebaut werden.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

"Die Zusammenarbeit in dem Projekt läuft kommunikativ und ergebnisorientiert. Zudem sind aktuell andere Themen zu klären." Das Wasserwirtschaftsamt sei erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder intensiver am Verfahren zu beteiligen.

Alle ziehen mit

Auch bei der Kampfmitteluntersuchung zögen alle an einem Strang. Aufgrund der Bombardements im Zweiten Weltkrieg seien diese unabweisbar. Die Überprüfung werde in Kürze abgeschlossen. "Alle unsere Partner sind im Boot, um schnellstmöglich zum Ziel zu kommen", ergänzt Stefan Rögner als zuständiger Leiter der Liegenschaftsabteilung. Die Flächen rund um das Stadion seien von den Ereignissen der Kriegsjahre gezeichnet. Aufgrund dieser historischen Vorbelastung liefen auf dem Stadiongelände derzeit ebenfalls zahlreiche Untersuchungen zur Realisation des Projekts. Durch das Bombardement der alliierten Streitkräfte im Frühjahr 1945 könnten Bombenreste aus dem Zweiten Weltkrieg nicht ausgeschlossen werden.

Zudem laufe parallel eine hochwassertechnische Untersuchung wegen der Nähe zur Schweinenaab. Das Areal sei teilweise Rückstaufläche im Hochwasserfall von der Waldnaab her. Die Schaffung neuer Fußballfelder mit der notwendigen Ausstattung und neue Wegeverbindungen auf dem Areal stellten einen Eingriff in die bestehende Situation dar, so dass die Notwendigkeit etwaiger Ausgleichsmaßnahmen bereits im Vorfeld überprüft werden müsse. "Das Wasserwirtschaftsamt ist von Anfang an mit eingebunden und arbeitet zielorientiert mit", unterstreicht die Stadt in ihrer Stellungsnahme.

Hoffen auf Baugrund

Artikel zum Verkauf des Sportparks

Weiden in der Oberpfalz

Inzwischen sei auch die SpVgg Weiden aktiv und mit einem Architekturbüro in die Vorplanung eingetreten. Dies geschehe, um die baurechtliche Machbarkeit des Neubaus der Fußballfelder abzusichern.

Als nächste Schritte würden die Ergebnisse der Untersuchungen aus dem Stadiongelände mit der Vorplanung zusammengeführt, damit sich die entsprechenden Stadtratgremien mit dem Fortgang der Großprojekte auseinandersetzen könnten. Erklärtes Ziel sei, dass die Stadt Weiden demnächst wieder eigenen Baugrund für ihre bauwilligen Bürger anbieten könne.

37548 Quadratmeter für neues Bauland freiräumen:

Die Stadt Weiden intensiviere „erkennbar“ die Gewinnung von Bauland für die Bürger. Sie wolle deshalb neben dem Turnerbund-Areal die Sportflächen des ehemaligen SV Detag in der Stockerhut „entwickeln“, erklärt sie in einen Stellungsnahme. Um jedoch die Sportflächen für Bauplätze frei zu bekommen, erweitere sie mit der SpVgg SV Weiden das Stadiongelände am Wasserwerk um zwei Fußballfelder - zu den bisherigen drei Fußballfeldern. Sie stelle die dafür nötigen Flächen in Stadionnähe bereit. Die SpVgg SV plane und baue die neuen Spielfelder.

Damit würden zwei Ziele verfolgt, erläutert die Stadt Weiden in ihrer Stellungnahme: Zum einen solle dem Fußball im Stadtgebiet eine „Zentralisierung der sportlichen Aktivitäten ermöglicht“ werden. Als Zweites solle, aus städtischer Sicht, derzeit das Hauptziel der Stadtentwicklung erreicht werden, nämlich Bauland zu gewinnen. Die Stadt habe hierbei ihren Blick auf das 37 548 Quadratmeter große Sportgelände in der Stockerhut gerichtet, das aufgrund seiner Form, Lage und seines Flächenzuschnitts gut für die weitere Baulandentwicklung geeignet sei.

In der Zwischenzeit überprüfe die Stadt, ob und mit welchen vorstellbaren Bauvarianten die Flächen für die Wohnbebauung geeignet seien. Dafür würden für das Stockerhutgelände zwei alternative Planungsvarianten durch die Kewog (Kommunale Entwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft mbH, Tirschenreuth) erstellt. Diese seien bereits im Stadtrats vorgestellt vorden.

Es wäre aber auch denkbar, dass durch den Stadtrat ein eigenständiges Konzept als eine weitere Variante ins Spiel komme oder durch einen Gesamtinvestor vorgelegt werde. Ziel ist, eine dem Umfeld und der momentanen Marktnachfrage entsprechende Bebauung zu realisieren, die nach parteiübergreifendem Wunsch für junge Familien möglich sein solle. Aber: „Bei der Preisgestaltung müssen die Investitionen für den Flächenausgleich refinanziert werden.“

Hintergrund:

Stadt und Vereine seit jeher verwoben

Seit der Fusion der SpVgg Weiden mit der SV Detag Weiden im April 2012 ist die SpVgg Betreiberin der Sportanlagen an der Königsberger Straße. Schon im Jahr1950 wurde als Ausgleich und Wiedergutmachung von Schäden und Enteignungen aus der NS-Zeit gut zwei Drittel der Fläche dem SV Weiden zurückübereignet. Eine weitere Fläche pachtete der SV zunächst von der Stadt hinzu. Das Sportheim befand sich auf einer eigenen Fläche des SV, bis er diese an die Stadt Weiden verkaufte und in ein Erbbaurecht umgewandelt wurde. Der SV Detag betrieb die Sportflächen und das Sportheim bis zur Fusion im Jahr 2012.

Inzwischen haben sich die Stadt Weiden und die SpVgg SV Weiden darauf geeinigt, dass die Spielvereinigung die bestehenden Verträge und Rechte an den Sportflächen auflöst und die Flächen in der Stockerhut an die Stadt zurückgibt, wenn vergleichbare Ersatzsportflächen geschaffen werden können. Für die Teilfläche aus dem Wiedergutmachungsverfahren besteht die Verpflichtung, wiederum Flächen für den Sport herzustellen, wenn die Stadt Weiden diese Fläche für eigene Zwecke verwenden möchte.

Info:

Riesige Fläche rund ums "Wasserwerk"

Das stark erweiterte „Wasserwerk“ werde mit seiner Ausgestaltung mit vier Fußballfeldern und der Stadionspielfläche zu einer Top-Adresse des Fußballs in Weiden, betont die Stadt Weiden in ihrer Stellungnahme. Für die neu zu schaffenden Sportflächen konnte die Stadtkämmerei entsprechende Grundstücke am Stadiongelände erwerben. Dies gelang zum einen durch Zukäufe aus privater Hand und zum anderen durch die unterstützende Haltung des Vereins Kinderspielplatz Naabwiesen e.V., dem ebenfalls eine der benötigten Flächen gehört. Hier konnte die Stadt ein passendes Alternativgrundstück anbieten, das eine völlige Neugestaltung des Kinderspielplatzes und des Vereinsheimes zulässt. Insgesamt war ein Zukauf von 17 000 Quadratmeter möglich, somit ergibt sich zukünftig ein Sportzentrum mit stattlichen 82 000 Quadratmetern rund um das Stadion. Die weiteren im Umgriff des Stadions benötigten Grundstücke sind schon länger in städtischer Hand oder gehören der Simultanen Hospitalstiftung.

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