Die schlechte Nachricht zuerst: Wer im Januar ein Ticket beim Weidener Stadtbus kauft, wird mehr bezahlen müssen. Die Stadt Weiden hat mit dem Linienbetreiber, der Firma Wies, neue Tarife zum neuen Jahr vereinbart. Ein Einzelfahrschein in der Zone Stadt etwa wird um ein "Zehnerl" teurer, kostet also künftig 2,30 Euro. Anderes Beispiel: Für die Fünferkarte in der Stadtzone sind 9 Euro fällig, das sind 50 Cent mehr. Das wiedereingeführte Semesterticket beim Stadtbus steigt von 108 auf 113 Euro. An der OTH war ein verpflichtendes, internes Semesterticket nach einer Testphase und einer teils scharf geführten Debatte wieder gestrichen worden.
Andererseits, das ist die mittelgute Nachricht, fällt der Preisanstieg bei den meisten Tickets geringer aus als im Vorjahr. In Prozentwerten erhöhen sich die Preise in der Regel um rund vier oder fünf Prozent. Anfang 2024 waren es teils mehr als 10 Prozent. Auffällig hoch ist heuer nur der Sprung bei der Familientageskarte, sie wird um mehr als sieben Prozent teurer und kostet ab Januar 7 Euro. Das sei "kein gutes Signal für unsere Familien in der Stadt", sagte Eva Nitsche (CSU) gleich in der Sitzung des Weidener Hauptverwaltungsausschusses am Mittwoch. Dessen Mitglieder stimmten den neuen Preisen dennoch zu.
Gültig bis Ende 2025
Wie begründet die Stadt den wiederholten Ticketpreis-Anstieg? Schließlich, mag mancher nun erbost sagen, dünnt die Stadt zugleich ja das Liniennetz aus und streicht im nächsten Sommer rund 20 Haltestellen. Hier spielen die üblichen Faktoren eine Rolle. Die Stadt nennt in der Sitzung etwa die Preisanstiege in allen Bereichen des ÖPNV, höhere Personalkosten für Beschäftigte und das Deutschlandticket. Letzteres führe bei den Nahverkehrsbetrieben zu enormen Einnahmeverlusten. In Klein- und Mittelstädten (dazu zählt Weiden) seien die Erlöse durch Fahrkartenverkäufe durch das Deutschlandticket um bis zu 50 Prozent zurückgegangen. Eine Prognose ist schwierig, schließlich steht die Zukunft des Tickets, mindestens dessen Kosten, mit den anstehenden Neuwahlen des Bundestages im Februar infrage.
Das Defizit beim Weidener Stadtbus gleich die Stadt jährlich, wie in anderen Städten auch üblich, mit einem Millionenbetrag aus. Auf Nachfrage beziffert die Pressestelle im Rathaus für 2023 den geleisteten Zuschuss mit 2,3 Millionen Euro, davon decken sich rund 780.000 Euro aus staatlichen Mitteln. Für das laufende Jahr sei ein vergleichbarer Betrag im Stadthaushalt veranschlagt.
Übrigens: Die Neuausschreibung des Stadtbusses samt Vergabe und neuem Vertrag ab August 2025 hat zunächst keinen Einfluss auf die Tarife. Diese gelten, bestätigt die Stadt auf Nachfrage, nach derzeitigem Stand bis zum Jahresende 2025. Sie seien "durch das jeweils beauftragte Unternehmen anzuwenden". Wer ab kommendem Sommer für den Weidener Stadtbus zuständig ist, dazu gibt die Stadt noch keine Auskunft. Die Vergabe ist noch nicht endgültig abgeschlossen und deren Ergebnis öffentlich nicht bekannt.
Nürnberg, Regensburg oder nichts?
Eine neue Entwicklung zeichnet sich in der Debatte um die Verkehrsverbünde ab. Seit Jahren schwebt über Weiden die Frage: Wäre ein Beitritt des Stadtbusverkehrs zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) oder zum Regensburger Verkehrsverbund (RVV) oder gar beiden sinnig? Derzeit ist die Stadt Teil einer Studie zum VGN, die darstellen soll, welche Kosten auf die Stadt bei einem Beitritt zukämen, und mit welchen Tarifen Kunden rechnen müssten. In Weiden will man zwei Dinge vermeiden: Erstens, einen zu starken Preisanstieg für die Bürger. Zweitens, ein zu großes Defizit durch niedrige Preise, das wiederum die Stadtkasse belastet.
Klar ist allerdings, dass die Stadt einen erheblichen Betrag für den Beitritt an sich zahlen müsste. Es soll sich um eine sechsstellige Summe handeln. Vor Jahren lehnte die Stadt schon einen Beitritt ab – er hätte wohl 175.000 Euro pro Jahr gekostet. Der Freistaat fördert Beitritte zu Verkehrsverbünden, zuletzt etwa den der Landkreise Tirschenreuth und Wunsiedel oder der Stadt Hof. Der Landkreis Neustadt/WN ist ebenfalls interessiert. In Tirschenreuth bezahlt man übrigens heuer 125.000 Euro, danach 40.000 Euro.
Weiden könnte "weißer Fleck" werden
Größter Vorteil eines Beitritts wäre ein einheitliches, verständlicheres Tarifsystem, mit dem Bürger weite Teile Nordbayerns erreichen könnten. Zwar stimmte der Hauptverwaltungsausschuss am Mittwoch schon einmal für ein späteres Tarifsystem – ob der Beitritt aber kommt, ist völlig ungewiss. Rechtsdezernentin Nicole Hammerl warnt davor, dass Weiden, "zum weißen Fleck werden" könnte, wenn man nicht beiträte, die umliegenden Landkreise aber schon. Die Stadt Amberg ist längst Mitglied. Im Ausschuss regte sich deutlicher Widerstand. Die beiden großen Fraktionen der CSU und der SPD formulierten klar, gegen einen Beitritt zu sein. Man sehe keinen Nutzen für Bürger bei hohen Kosten für die Stadt. Zudem würde Weiden seine Hoheit abgegeben, eigenständig über die Tarife bestimmen zu können, wie es derzeit beim Stadtbus noch der Fall ist. In einem Verkehrsverbund entscheiden die Mitglieder gemeinsam.
Wann mit einem Ergebnis der Studie und dann mit einer Abstimmung der Stadträte über einen Beitritt zu rechnen ist, steht nicht fest. "Irgendwann" werde es Ergebnisse geben, sagt Dezernentin Hammerl, auch für die Studie zum RVV. Die Tür, dem Regensburger Verbund beizutreten, hält sich die Stadt nämlich noch offen. Am Ende dürfte primär der aufgerufene Preis darüber entscheiden, was sich Weiden leisten möchte und kann. Dass die Stadt derzeit an jeder denkbaren Preisschraube dreht, zeigen bereits die Tariferhöhungen im Stadtbus – auch ohne Verbund.


















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.