20.01.2020 - 19:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stadtrat: Runder Tisch soll Weidener Kulturhaus planen

Die Feuerwache als Kulturhaus: Eine Idee, für die der Weidener Stadtrat Feuer und Flamme ist. Bis zur Verwirklichung könne es allerdings noch zehn Jahre dauern, hieß es. Gesucht wird jetzt eine Übergangslösung.

Schnell geht's nicht. Und billig wird's auch nicht. Dennoch ist der Weidener Stadtrat einstimmig dafür, die Idee "Kulturhaus in der Feuerwache" weiterzuverfolgen.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

"Was für eine zuckersüße Idee", schwärmte Florian Graf (SPD). "Eine großartige Idee", befand Veit Wagner (Grüne). "Das Gelände wäre optimal", meinte Lothar Höher (CSU), nachdem Bürgermeister-Kollege Jens Meyer mit leuchtenden Augen seine Vision von einer "Kultur-Scheibe" skizziert hatte – Kulturhaus, Regi, Keramikmuseum, VHS und Musikschule im selben Viertel. Keine Frage: Ein städtisches Kulturhaus in der bestehenden Feuerwache – das wär's nach Meinung der Weidener Stadträte. Die große Frage in der Sitzung am Montag lautete nur: Wann wär's?

Höher trat auf die Euphoriebremse: "Das wird Jahre dauern, bis wir das Feuerwehrgebäude leer bekommen. Sechs Jahre sind nicht unrealistisch." Gar von zehn Jahren orakelte Heiner Vierling (CSU). Weshalb sich die Räte auch schon Gedanken über Interimslösungen machten. Wagner schlug zunächst ein umgebautes Capitol- oder Ring-Kino vor, um dann festzustellen, dass es eigentlich bereits ein Kulturhaus gebe: die Kombi aus Kneipe "Neues Linda" und Kunstverein-Räumen in der Ledererstraße. Diese Einrichtung müsse mehr wertgeschätzt werden. Der Grüne kündigte daher einen Antrag an, den Kunstverein jährlich mit einer städtischen Förderung von 20.000 Euro zu unterstützen. Kunstverein-Macher Wolfgang Herzer, wie Irene Fritz (Oberpfälzer Kunstverein) und Sündikat-Vertreter unter den Zuhörern, vernahm es sicher gerne.

Heimatring-Chef Vierling forderte vorsorglich, das mögliche Kunsthaus solle nicht nur OKV und Kunstverein vorbehalten sein. Auch Karlheinz Beer (CSU) hielt die Feuerwache für eine Ideallösung, warnte jedoch: "Da muss man richtig Geld in die Hand nehmen. Da reden wir über eine Millionen-Investition. Doch die Stadt und die Kulturschaffenden hätten es verdient." Vorher schon hatte Dezernent Reiner Leibl bemerkt: "Die Verwaltung begrüßt die Installation eines Kulturhauses, aber man muss es natürlich finanzieren können." Oberbürgermeister Kurt Seggewiß mahnte die Vereine, falls sie ein Kulturhaus wollten, müssten sie auch bereit sein, Miete zu bezahlen. Dabei wäre die Einrichtung sogar bitter notwendig, fand Beer: "Die Stadt steht im Wettbewerb mit anderen Städten. So, wie wir uns seit einigen Jahren präsentieren, fallen wir hinten runter."

Graf forderte, in der Zwischenzeit bestehende Kulturvereine besser auszustatten und es ihnen zu erleichtern, leerstehende Räume zu nutzen. Beim Beschluss, den Bürgermeister Meyer formulierte, waren alle einig: Die Verwaltung soll den Plan eines Kulturhauses in der Feuerwache weiterverfolgen und Möglichkeiten von Zwischenlösungen untersuchen. Bei einem Runden Tisch mit den Kulturschaffenden soll sie deren Vorstellungen und Bedürfnisse erforschen. Dass die Vision des Kulturhauses ausgerechnet im Wahlkampf durch die Stadt geistert, hält Veit Wagner übrigens nicht für verwerflich: "Gerade in Wahlkampfzeiten sollten solche Ideen aufkommen. Es ist doch sehr gut, wenn man mal intensiver darüber nachdenkt."

Wolfgang Herzer vom Kunstverein Weiden nimmt Stellung:

Das Kulturhaus gibt es doch längst

In einem Leserbrief zum Thema Kulturhaus forderte Wolfgang Herzer vom Kunstverein Weiden in der vergangenen Woche die Stadt auf, sich an einem runden Tisch mit den Kunstschaffenden zusammenzusetzen. So könnte sie die Bedürfnisse der Ehrenamtlichen erfahren. In einer zweiten Zuschrift vom Montag fragt Herzer nun frei nach Goethe: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Kunsthaus ist schon da?“ Der ehemalige Grünen-Stadtrat spielt damit auf die Räume des Kunstvereins in der Ledererstraße an.

Bis es zu einer großen Lösung kommt, sollte die Stadt diese „kleine Lösung“ fördern, empfiehlt Herzer: „Da hätte man schon mal den Spatzen in der Hand, und dort wäre auch genug Platz für zwei Spatzen, genug Ausstellungsraum für KV und OKV gemeinsam, um damit auch einen alten, mittlerweile überholten Dissens zwischen den Weidener Kunstvereinen, ganz aufzulösen, im Sinne neuer Zusammenarbeit.“ Für den KV-Mann ist das „Kombinat Kunstverein und Café Linda“ eine Adresse, „wo der Kunsthaus-Gedanke seit 20 Jahren kraft bürgerschaftlichen Engagements eine konkrete Verkörperung gefunden hat“ – ein „multifunktionelles real existierendes Kunsthaus“, das Raum für Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Kino und Vorträge biete – noch kostenlos für die Stadt. Herzer wünscht sich allerdings eine Förderung.

Stellungnahme von Irene Fritz (Oberpfälzer Kunstverein):

"Eine Frage des Wollens"

Zu den Berichten über ein mögliches Weidener Kulturhaus äußert sich Irene Fritz, Vorsitzende des Oberpfälzer Kunstvereins (OKV), am Montagabend in einem Leserbrief:

"Die Aussage, Kunst wolle alles umsonst, trifft auch auf die Arbeit des Oberpfälzer Kunstvereins keinesfalls zu. Seit Jahrzehnten kümmert sich der OKV bei Veranstaltungen rund um die Städtepartnerschaften um die künstlerische Imagepflege der Stadt. Wertvolle Arbeit leisten die Künstlerinnen und Künstler auch im Bereich der grenzüberschreitenden Kulturarbeit zusammen mit der Union Bildender Künstler Pilsen. Das Kunstschaffen in der Region in vielerlei Sparten macht der Verein sichtbar durch jährliche Ausstellungen in Weiden und der Region und bietet damit sowohl dem regionalen Kunstschaffen eine Plattform, als auch den Bürgern eine Möglichkeit, am kulturellen Leben teilzuhaben. All diese Arbeit geschieht im Ehrenamt und trägt zum kulturellen Leben und der regionalen Identität der Stadt Weiden und der Region bei.

Ehrenamtliche Leistungsmöglichkeiten stoßen aber auch an Grenzen, sie können die inhaltliche Arbeit anstoßen, ergänzen und unterstützen, aber nicht das professionelle Kulturangebot einer Stadt stemmen. Was das Konzept für eine mögliche Nutzung von Räumlichkeiten im Bereich der NOC-Gebäude anging, so war von unsere Seite her deutlich gemacht worden, dass für die Leitung einer solchen Einrichtung Personalkosten nötig werden. Auch die Betriebskosten für die sehr große Fläche hätten die Kulturschaffenden alleine nicht leisten können.

Allein das Angebot der Mietfreiheit von Seiten der Fondara-Unternehmensgruppe wäre bereits eine Chance wert gewesen, das Projekt anzugehen. Im Konzept der „Kulturgarage“ hatte es auch Ideen für Einnahmemöglichkeiten gegeben: Vorgesehen waren Ateliers für Kunstschaffende , Open-Space Arbeitsräume für Freiberufler, Veranstaltungen, die aufgrund von Eintrittgeldern Einnahmen ermöglicht hätten, auch Pachteinnahmen über Gastronomie waren vorgesehen. Man hätte die Ideen weiterverfolgen können.

Der Artikel im Neuen Tag wirft nun unterschiedliche Kulturhäuser und Modelle in einen Topf: Rosenheimer Lokschuppen, das Abraxas in Augsburg, das E-Werk Erlangen: Alle haben sie unterschiedlichste Schwerpunkte und Ausrichtungen und sind nicht miteinander vergleichbar. Im Bereich der Kunstausstellungen verlangt z. B. die Alte Feuerwache Amberg keine Miete für Kunstausstellende, auch das Kunsthaus Waldsassen bietet bei Ausstellungen die Räumlichkeiten mietfrei an. Die Bildende Kunst tut sich besonders schwer, Einnahmen zu generieren, denn für regionale Ausstellungen lassen sich schwer Eintrittsgelder verlangen. Jedoch wäre es bei professioneller Zusammenarbeit auch möglich, künstlerische Schwergewichte in ansprechenden Räumlichkeiten zu präsentieren. Für Weiden gilt es, gemeinsam mit den Kulturschaffenden Bedarfe zu ermitteln und dafür passende Formate und praktikable Lösungen zu erarbeiten. Nicht nur eine Frage des Geldes, sondern eine des Wollens. Die Stadtratssitzung hat diesen Willen heute einstimmig bekundet, ein positives und erfreuliches Signal für die Kultur in Weiden. Wir Kulturschaffende sind für konstruktive Gespräche am runden Tisch bestimmt offen."

Weiden in der Oberpfalz

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.