14.01.2020 - 11:59 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Kulturhaus in Feuerwache: Alles eine Frage des Geldes

Das E-Werk in Erlangen oder das "KunstKulturQuartier" in Nürnberg: Vorbilder für ein Kulturhaus, wie es in Weiden entstehen könnte. Die Verwaltung hat sich schon mal Gedanken über Standorte gemacht – und Kosten.

Soll die Feuerwache zum Kulturhaus werden? Der Standort - in der Nähe von Regionalbibliothek, Keramikmuseum, VHS, Seniorenzentrum und Musikschule - hätte seinen Reiz.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

In einem Antrag nennt die SPD-Stadtratsfraktion die bestehende Feuerwache im Stadtteil Scheibe. Bekanntlich wird sie frei, wenn die Wehr in eine neue Feuerwache umziehen würde. Kein neuer Vorschlag, wie die Stadtverwaltung in einem Vorlagebericht bemerkt: Ein Arbeitskreis habe sich bereits vor Jahren mit einem Kulturhaus beschäftigt. Konkret habe er die damalige profanierte Augustiner-Kirche untersucht ("Es lag sogar schon ein Architekten-Entwurf vor"), auf eine "mögliche kulturelle Nachnutzung der städtischen Feuerwehrliegenschaft" jedoch ebenfalls hingewiesen.

Und dabei muss es ja nicht bleiben: "Einen Teil eines Kulturhauses könnte auch der Flurerturm mit dem angrenzenden Michladl darstellen, evtl. in Verbindung mit der Feuerwache", heißt es im Bericht. "Wie das Beispiel Nürnberg zeigt, kann ein Kulturhaus durchaus verschiedene Standorte mit unterschiedlichen Schwerpunkten haben. Das Café Mitte könnte durch die Einbeziehung in eine "Kulturhaus-Struktur" attraktiv genutzt werden, ebenso wie die Seltmann-Villa."

Neben den Einrichtungen in Nürnberg und Erlangen zählt die Verwaltung weitere "Musterbeispiele" auf: die Kulturhäuser Milbertshofen, Degging und "abraxas" in Augsburg sowie das Ausstellungszentrum Lokschuppen in Rosenheim. Für Weiden würde sie ein solches Zentrum begrüßen – "allerdings steht ein solches Projekt unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit". Billig wird's wohl nicht, wie das Augsburger Beispiel zeigt: Einnahmen von rund 150.000 Euro ("vor allem aus Mieten und Pachten") stünden Ausgaben von 342.000 Euro (plus 314.000 für die Förderung des Kinder- und Jugendtheaterzentrums im "abraxas") gegenüber. Auch alle anderen aufgeführten Kulturhäuser verlangten Miete.

Die Personalausstattung setzt die Verwaltung wie folgt an: "mindestens" eine Person für die Leitung, zwei Verwaltungskräfte, die sich gegenseitig vertreten und Veranstaltungen koordinieren, Bühnen- und Tontechnikerm eventuell Ausstellungsleiter, Hausmeister und Reiningungspersonal. Es bräuchte einen Umbau entsprechend der Versammlungsstättenverordnung und Einrichtung wie Stellwände, Vitrinen, Bühnen, Beleuchtung und Tontechnik. Der Schallschutz sei ebenfalls ein Faktor.

Ob sich die Stadträte das Kulturhaus wirklich leisten wollen? In der öffentlichen Sitzung am Montag, 20. Januar, ab 15 Uhr im Neuen Rathaus werden sie darüber diskutieren. "Vorsorglich" erinnert die Verwaltung am Ende ihres Berichts daran, dass das Einkaufszentrum NOC Räume zur kulturellen Nutzung angeboten hat. Damals habe sich "die Politik" gegen die notwendige Finanzierung der Sach- und Personalkosten durch die Stadt ausgesprochen. Und: "Die möglichen Nutzer, sprich die Kulturschaffenden, haben eine Finanzierung der laufenden Kosten dieser Räumlichkeit abgelehnt."

Im Klartext: Käme es zu einer Lösung wie etwa in Nürnberg, Erlangen oder Augsburg müssten wohl sowohl die Stadträte als auch die Kulturschaffenden bereit sein, Geld auszugeben. Kürzlich äußerte der Kulturverein "Sündikat", Veranstalter der "Sünde"-Konzertserie im Herbst, starkes Interesse an Räumen in einem städtischen Kulturhaus. In den vergangenen beiden Jahren belegte er Flächen in der Alten Hauptpost in der Bahnhofstraße – und zahlte auch Miete dafür.

Was ist ein Kulturhaus?:

Kunstwerke, Konzerte, Kabarett

Die Stadtverwaltung liefert im Vorlagebericht folgende Definition: "Ein Kulturhaus ist ein Ort für Kulturschaffende, Künstler, Musiker, Bildungs- und Kulturveranstaltungen sowie Vereine, Initiativen und Institutionen. Dementsprechend muss es auch multifunktionell konzipiert sein und Raum für Konzerte jeglicher Art, Theater- und Ballettaufführungen, Kleinkunst/Kabarett, Kunstausstellungen, Workshops, Kinder- und Jugendkultur-Veranstaltungen, Symposien, Lesungen, evtl. auch Filmvorführungen bieten. Auch eine kleine Gastronomie sollte nicht fehlen."

Beispiel Amberg:

Alte Feuerwache als Stadtgalerie

Was Weiden will, hat Amberg seit genau zehn Jahren: eine Alte Feuerwache, die für Kultur genutzt wird – konkret als Stadtgalerie mit Anbindung ans Stadtmuseum. Der Raum, rund 170 Quadratmeter groß, beherbergt jedoch ausschließlich Ausstellungen im Bereich der bildenden Kunst, schwerpunktmäßig zeitgenössische Kunst aus Ostbayern. Pro Jahr gibt es etwa acht Wechselausstellungen in der „Stadtgalerie Alte Feuerwache“. Bei der Finanzierung hilft seit der Eröffnung im Jahr 2010 ein potenter Hauptsponsor: Der Gewinnsparverein der Sparda-Bank Ostbayern fördert das Kulturprojekt. Bisher steuerte er insgesamt rund 100 000 Euro bei. Seit 2015 ist die Alte Feuerwache Mitglied des Netzwerk „FensterKulturkooperative Oberpfalz“ (KoOpf).

Kommentar:

Kulturhaus liefert genug Stoff für zwei Wahlkämpfe

Keine Frage, ein städtisches Kulturhaus wäre eine feine Sache. Gerade in der jetzigen Feuerwache, gelegen mitten im „Kulturviertel Scheibe“. So was wie das E-Werk wie in Erlangen oder das „abraxas“ in Augsburg – ja, das stünde zweifellos auch Weiden gut zu Gesicht. Allerdings gibt es ein altbekanntes Problem: das Geld.
Die notorisch klamme Stadt müsste bereit sein, sich neben großen Verlustbringern wie der Max-Reger-Halle noch einen weiteren ans Bein zu binden. Höchst fraglich, ob das mit den strengen Auflagen für Stabilisierungshilfen vereinbar wäre. Und: Je weniger Geld die Stadt reinbuttern will, desto mehr wären die Kulturschaffenden selbst gefordert. Können und wollen die sich das leisten?
Viele offene Fragen. Deren Klärung pressiert nicht: Bis zum Bau einer neuen Feuerwache werden noch so einige Jährchen ins Land ziehen. Vor den Wahlen 2020 dient die Vision „Kulturhaus“ dazu, meuternde Kulturschaffende zu besänftigen. Gut möglich, dass es erst im Wahlkampf 2026 konkreter wird. Ob die Stadt dann die finanziellen Möglichkeiten hat, um Luftschlösser in Kulturhäuser zu verwandeln?

Ralph Gammanick

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