So soll der dreieckige Platz gegenüber des AWO-Altenheims Hans Bauer an der Leimberger Straße auf Antrag der SPD-Fraktion künftig Kurt-Eisner-Anlage heißen. Das beschloss der Stadtrat am Montag zwar einstimmig, aber nicht ohne vorherige muntere Diskussion.
Warum es so lange gedauert hat mit dem Antrag, fragt etwa Grünen-Stadträtin Gisela Helgath kess. "Weil auch Straßennamen einem gesellschaftlichen Wandel unterliegen", erklärt Richter. So sei der Name Eisner "lange Zeit gehasst, geschmäht und verschwiegen worden". Dafür habe ausgerechnet Eisners Mörder gesorgt. Er tötete den Ministerpräsidenten am 21. Februar 1919.
Einen Ministerpräsidenten, der nur 104 Tage im Amt war, aber viel bewegt habe. "So hat Eisner früh erkannt, dass die Leute die Schnauze voll hatten von Mangel, Krieg und Monarchie." Also habe er den Freistaat gegründet, später die Kreisfreiheit Weidens ausgerufen. "Heute würden die Menschen sagen, er war ein echter Republikaner, ein Pazifist, er hat den Acht-Stunden-Tag und das Frauenwahlrecht eingeführt und die Grundlage für föderale Strukturen geschaffen."
Entsprechend stünde es Weiden gut zu Gesicht, einen sozial kontrollierten, öffentlichen und belebten Platz wie den vor dem AWO-Altenheim Hans Bauer nach Eisner zu benennen. "Das sind gute Voraussetzungen für die Wirkung des Namens in der Stadtgesellschaft", findet Baudezernent Oliver Seidel. Richter freut sich über den "belebten Platz mit Jung und Alt" und plädiert für den Namen "Kurt-Eisner-Anlage". Darunter soll eine Expertisen-Tafel informieren, fordert Philipp Beyer (Bürgerliste). Die sei selbstverständlich, entgegnet OB Kurt Seggewiß. Kosten entstünden übrigens einzig für das Aufstellen des Platzschildes. Denn eine Umnummerierung bestehender Gebäude sei nicht nötig, private Flächen nicht tangiert.
Richard Rank (Bürgerliste) empfindet den Ort als "Verlegenheitslösung" und fordert mehr Mut, künftig auch wichtige Achsen wie den Wittgarten-Durchstich nach großen Persönlichkeiten zu benennen. Bürgermeister Lothar Höher (CSU) findet, es sei nicht wichtig, wo die Eisner-Anlage liege, sondern dass es sie gebe. "Denn Geschichtsbewusstsein, der Freistaat und vor allem die Kreisfreiheit sind uns wichtig", ergänzt CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch. Er würde auch noch gern mehr interessante Namen verewigen wollen. Nur bräuchte es dafür neue Straßen. „Wir müssen einfach mit dem Gewerbegebiet vorankommen.“ Am Ende heben alle die Hand für die künftige Kurt-Eisner-Anlage an der Leimberger Straße.
"Großartig, aber..."
Bei all der Begeisterung für einen neuen Platz oder gar eine neue Anlage für Kurt Eisner gibt es auch kritische Töne im Stadtrat. Denn Grünen-Rat Veit Wagner merkt an, dass das Stichwort „Kultur“ keine Rolle in der Neujahrsansprache des Oberbürgermeisters gespielt habe. Dabei sei die Ehrung für Eisner „natürlich eine großartige Sache“, wobei seine Partei eine Kurt-Eisner-Straße bereits am 13. Februar 2011 vorgeschlagen habe.
Heute wünsche sich Wagner, dass es auch für den Wahl-Weidener, Ex-Lehrer-Kollegen am „Kepler“ und Schriftsteller Franz Joachim Behnisch einen Weg gebe. Wagner denkt etwa an die Verbindungsstraße zwischen Flurerturm und Asylstraße hinter der Regionalbibliothek, die künftig Franz-Joachim-Behnisch-Weg heißen und von dessen Gedichten gesäumt werden könnte. Da stimmt jeder Ex-Keplerianer zu, meint Lothar Höher (CSU): „Behnisch hätte es verdient.“ Und es gebe da durchaus noch mehr Persönlichkeiten.















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