06.10.2020 - 15:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stadtrat Weiden: Ja zu neuem Namen für Ostmark-Kaserne

Diskutiert wird schon lange. Nun stimmte auch die Stadt zu: Die Ostmark-Kaserne in Weiden soll umbenannt werden. Der neue Name steht längst.

Die Tage für dieses Namensschild sind wohl gezählt: Die Ostmark-Kaserne soll bald anders heißen.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Die Ostmark-Kaserne könnte bald Major-Radloff-Kaserne heißen. Dem jedenfalls stimmte die Stadt nun zu, wie Oberbürgermeister Jens Meyer am Montag in der Stadtratssitzung informierte. Noch im Februar sprach der Kommandeur des Artilleriebataillon 131, Oberstleutnant Sven Zickmantel, davon, dass die Umbenennung bereits 2020 erfolgen könne – vorausgesetzt, der alleinige Entscheider darüber, das Verteidigungsministerium, billigt den neuen Namen.

Die ersten Gerüchte über die Umbenennung

Weiden in der Oberpfalz

Ausgesucht hat den Namen übrigens die Mehrheit der in Weiden stationierten Soldaten. So will es das Protokoll der Bundeswehr. Doch wer war Major Jörn Radloff? Kurzgesagt der erste Angehörige der Weidener Unteroffiziersschule des Heeres, der in Afghanistan sein Leben lassen musste. Der 38-Jährige Fallschirmjäger fiel am Karfreitag, 15. April 2010, bei Baghlan bei einem Sprengfallen-Anschlag. Konkret heißt es, unter Radloffs tonnenschwerem Panzerfahrzeug sei bei einem Zwischenstopp vor einer umkämpften Brücke ein ferngezündeter Sprengkopf explodiert. Er habe das Fahrzeug in Stücke gerissen, Radloff und zwei weitere Soldaten waren sofort tot. Der Name Radloff zeigt deshalb wohl in den Augen der Kameraden, wie gefährlich Einsätze sein können, wie jäh ein Soldatenleben enden kann.

Den neuen Namen braucht es übrigens wegen des aktuellen Traditionserlasses des Verteidigungsministeriums. Der Name "Ostmark-Kaserne" gehe damit nicht konform, heißt es aus Bundeswehrkreisen. Die historischen Hintergründe, warum die Bezeichnung „Ostmark“ inzwischen als Namensgeber verpönt ist, erläuterte bereits vor einem Jahr Dr. Sebastian Schott gegenüber Oberpfalz-Medien. Der wissenschaftliche Mitarbeiter im Stadtarchiv sagte, der Name Ostmark sei „für unsere Region erst nach dem Ersten Weltkrieg entstanden. Und zwar als bewusste Frontstellung zu Tschechien“. Das Dritte Reich bezeichnete damit die Oberpfalz, Niederbayern und Oberfranken. Ziel der Nazis war, sich damit zu den als minderwertig betrachteten Ländern im Osten abzugrenzen. Der Begriff sei deshalb laut Schott „definitiv problematisch“. Zwar gehe die Ostmark-Bezeichnung bis aufs Mittelalter zurück, sie gibt es also schon lange vor der NS-Zeit. Aber „weil wir seit 1989 wieder in einem vereinten Europa leben, ist der Begriff unglücklich. Man macht es sich zu einfach, wenn man nur auf das Mittelalter verweist“, erklärte der Historiker die negative Konnotation. Zugleich merkte er an: Bereits die Entscheidung von 1964, die Kaserne nach der „Ostmark“ zu benennen, sei „nicht gerade geschickt gewesen“.

Unklar ist noch, wie genau der weitere Zeitplan zur Umbenennung lautet. Eine entsprechende Anfrage von Oberpfalz-Medien beim Artilleriebataillon 131 am Standort Weiden blieb am Dienstag unbeantwortet.

Info:

Im Inneren der Ostmark-Kaserne

  • Seit sechs Jahren ist das Artilleriebataillon 131 in der Ostmark-Kaserne Weiden stationiert.
  • Es umfasst 750 Soldaten.
  • Mit Zivilangestellten sind in der Kaserne insgesamt 1200 Beschäftigte tätig.

Darum finden viele den Namen "Ostmark-Kaserne" unpassend

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