24.01.2020 - 11:09 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stadtwerke Weiden ersetzen "Vorkriegsmodell"

Steter Tropfen? Die Stadtwerke Weiden starten in eine neue Epoche: Sie investieren eine hohe Summe, um das kostbarste Lebensmittel Trinkwasser auch künftig den Weidenern bieten zu können, zuverlässig auch im heißesten Sommer.

Blick auf die neuen Anlagen der Stadtwerke (mit farbiger Front) zwischen Alter Neustädter Straße und Georg-Stöckel-Straße.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Der Verwaltungsrat der Stadtwerke öffnet den Hahn, gibt über 20 Millionen Euro für die Vorhaben des Kommunalunternehmens frei. Im Mittelpunkt steht dabei das Wasserwerk, das in seinen Ursprüngen aus dem Jahr 1933 stammt. Stadtwerke-Vorstand Johann Riedl spricht deshalb von einem Vorkriegsmodell. Natürlich wurde es immer wieder saniert und modernisiert. Aber es erreiche nach 80 Jahren seine Altersgrenze. Gleich nebenan, etwas westlich versetzt, entsteht deshalb das neue Wasserwerk, mit völlig neuer Technik, die das Weidener Wasser auch weicher, also deutlich kalkärmer macht.

Grundstück aufgewertet

Allein für diesen Ersatzneubau werden in diesem Jahren 5,5 Millionen Euro investiert. Richtig ins Geld geht die technische Ausstattung: Riedls Stellvertreterin Christine Melischko, rechnet mit Gesamtkosten von rund 15 Millionen Euro. Abgeschlossen wird das Großprojekt, bei dem auch zusätzliche Lagerkapazitäten von vier Millionen Litern Trinkwasser geschaffen werden, vorausichtlich in etwa zwei Jahren. "Wir hoffen auf günstige Angebote der Bau-Unternehmen."

Mit dem Wittgarten-Durchstich, der im Oktober 2019 geöffnet wurde, rückt das Stadtwerke-Areal ganz nahe an die westliche Innenstadt, was neue Nutzungen ermöglicht. Zugleich steigt der Wert des Stadtwerke-Grundstücks. Da ebenfalls sanierungsbedürftig wird der gesamte Betriebshof von der Gaswerkstraße ans bisherige Wasserwerk an die Georg-Stöckel-Straße verlagert. Damit der neue Betriebshof den Anforderungen entsprechend ausgestattet werden kann, müssen die Stadtwerke insgesamt 13 Millionen Euro einsetzen. In diesem Jahr stehen für den Betriebshof schon mal 2,7 Millionen Euro im Wirtschaftsplan bereit.

Appell: Trinkwasser sparen

Natürlich wollen die Stadtwerke auch künftig Trinkwasser verkaufen, betont Riedl. "Darum die Investitionen ins Wasserwerk, aber auch in die neue Technik, die etwa die Tiefbrunnen weniger stresst." Ebenso sei natürlich, dass die Investitionen ins Wasserwerk (über 50 Jahre) refinanziert werden müssen, was bei der nächsten Gebührenberechnung zu einem höheren Wasserpreis führe werde.

Der Stadtwerkevorstand macht aber auch deutlich, das gutes Trinkwasser ein "hohes Gut" und "wirklich kostbar" sei. Der trockene Sommer 2019 habe Spuren hinterlassen. "Noch zwei solche schlimme Jahre..." Wenn der Klimawandel fortschreite werde sich eine "gewisse Knappheit" einstellen. Auch die Verbraucher müssten darauf reagieren. Es werde nicht mehr verantwortbar sein, den Garten mit bestem Trinkwasser zu gießen oder gar Felder zu bewässern. "Das darf nicht mehr sein." Jeder müsse versuchen, Regenwasser zu nutzen, es in Tonnen, besser noch in größeren Zisternen zu bunkern. Dies würde auch die Kanalnetze entlasten. "Fürs Brauchwasser kann man selbst einen Brunnen bauen", meint Riedl.

Der neue Betriebshof in der Ansicht von der Georg-Stöckel-Straße aus.
Info:

Stadtwerke Weiden. investieren 2020 rund 20 Millionen Euro

Im Gesamtpaket von neuem Wasserwerk (5,5 Millionen Euro) und Neubau Betriebshof (2,7 Millionen Euro) investieren die Stadtwerke in diesem Jahr rund 20 Millionen Euro. 2019 lag des Investitionsvolumen bei 12,5 Millionen Euro, im Jahr 2018 bei 14,9 Millionen Euro. Neben der Realisierung der beiden Großprojekte versuchen die Stadtwerke, die Gas-, Wasser- und Kanalnetze weiterhin abschnittsweise zu erneuern. Das sie „immer gut investiert“ haben, gibt es auch Fördergelder.

Gasleitungen werden in der Josef-Haas-Straße, im Weidensteig (Ullersricht) sowie in der Jahnstraße (Hammerweg) verlegt. Dabei fließen in diesen Bereich 1,4 Millionen Euro.

Ebenfalls in der Jahnstraße, aber auch in der Fliederstraße und im Zirbelweg werden Wasserleitungen ausgetauscht.

Addieren sich die Ausgaben für die Wasserversorgungen (allein für die Sanierung einer der Tiefbrunnen sind 500 00o Euro nötig) auf 3,1 Millionen Euro, so ist im Abwasserbereich sogar die doppelte Investitionssumme eingeplant.

Ein größerer Posten ist dabei mit 1,6 Millionen Euro die Auswechslung des Mischwasserkanals Latsch/Neunkirchen. Damit verbunden ist der Umbau des Regenüberlaufbeckens. Der Regenwasserkanal in der Oskar-von-Miller-Straße wird für fast eine Million Euro ausgewechselt, der Überlauf soll künftig in die Schweinenaab führen. Umfangreiche Vorbereitungen erfordern die zahlreichen kleineren Maßnahmen, die im Abwasserbereich abzuarbeiten sind.

In die Weidener Thermenwelt und das Eisstadion sollen 2020 wieder rund eine Million Euro investiert werden. Das Dach der Freieisfläche der Hans-Schröpf-Arena, das bereits 2018 erneuert wurde, erhält beispielsweise eine Photovoltaik-Anlage mit rund 100 kWp.

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