31.05.2018 - 12:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Auch der Stall wird digital

Vorbei sind die Zeiten der idyllischen Landwirtschaft, als noch die Hühner zwischen Milchkühen in den Ställen umherliefen. Die digitale Welt ist in die Landwirtschaft angekommen. Das Agrarzentrum Almesbach beweist es.

Kreisobmänner und Kreisbäuerinnen besuchen des Agrarzentrum Almesbach. Mit dabei Präsident Josef Wutz und Schulleiter Helmut Konrad, Direktor Peter Huber und Bezirksbäuerin Rita Blümel.
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) „Digitalisierung gibt es bei uns seit 20 Jahren, aber heutzutage werden die Systeme immer leistungsfähiger“, erklärte Helmut Konrad, Schulleiter des Agrarzentrums Almesbach, den Besuchern vom Bayrischen Bauernverband Oberpfalz (BBV). Bauernverbandspräsident Josef Wutz hatte die Bezirksversammlung Oberpfalz zur gemeinsamen Tagung eingeladen. Schulleiter Konrad präsentierte das Agrarzentrum als Bildungsstandort und als modernes Versuchs- und Fachzentrum für Milchviehhaltung.

Die Führung der Besucher durch das Agrarzentrum war geprägt von der Präsentation digitaler Systeme in der Landwirtschaft, zum Beispiel im Kälberstall. Dort werden 17 kleine Kälber mittels Transpondern am Hals überwacht. Der Transponder meldet unter anderem die aufgenommene Milchmenge. Trinkt ein Kalb zu wenig, deutet dies auf gesundheitliche Probleme hin. Beobachtet wird auch das Wiederkauen anhand einer Zählung von Kaubewegungen. „So weiß ich, ob eine Futterumstellung funktioniert“, erklärte Konrad.

Dass digitale Systeme auch längst im Milchviehstall eingezogen sind, zeigte sich beim weiteren Rundgang der Besucher. Sensoren messen auch dort das Kauverhalten, zudem aber die Trächtigkeit einer Kuh sowie ihre Milchproduktion durch die automatisierten Melksysteme. „Wir wollen mit den Systemen die Herde insgesamt überwachen und einzelne auffällige Tiere besonders beobachten“, erläuterte Konrad. Digital werden auch Lichtverhältnisse, Lüftung und Jalousien im Stall gesteuert. In naher Zukunft soll es aus den Systemen heraus Handlungsempfehlungen für den Landwirt geben. Entscheiden müsse er allerdings weiterhin selbst.

Die Besucher erlebten die wie von Geisterhand gesteuerten automatischen Reinigungsvorgänge im Stall. „Die Gülle aus diesem Stall bringt über unsere Biogasanlage Energie im Umfang von 600 Litern Heizöl pro Tag“, sagte Konrad und erklärte den Kreislauf der Energiegewinnung im Agrarzentrum. Gezeigt wurde auch, dass die vorhandenen Energiespeichersysteme 31 Kilowattstunden Strom vorrätig halten können. Weil die Flächenmaße im Stall der Milchkühe bereits die Anforderungen der biologischen Viehhaltung erfüllten, wurde in der Diskussion auch das Thema Biolandwirtschaft angesprochen. „Agrarpolitik wird an der Ladenkasse gemacht“ bemerkte dazu Konrad. Einer Besuchergruppe habe er kürzlich vorgehalten: „Ihr schimpft über die konventionelle Landwirtschaft, aber wer von euch kauft die biologisch hergestellten Produkte?“.

Bei der Vorstellung des landwirtschaftlichen Bildungsstandorts Almesbach wurden die Bildungswege in der Aus-, Fort-, und Weiterbildung sowie die Staatliche Höhere Landbauschule vorgestellt. „Wir sind überregionale Ausbildungsstätte für ganz Bayern“, fügrte der Leiter aus. Die digitalen Systeme seien komplett in die Inhalte der Aus- und Weiterbildung eingeflossen. Absolventen hätten häufig „einen Vertrag in der Tasche, bevor sie fertig werden“. Viel Lob für das Agrarzentrum formulierte Peter Huber, der Direktor des Bayrischen Bauernverbands Oberpfalz. „Als Bezirk sind wir sehr froh, diese Einrichtung zu haben“, sagte er. Kreisbäuerin Rita Blümel bedauerte, dass viel zu oft negativ über die Landwirtschaft berichtet würde. Viele Landwirte würden sich davon zutiefst betroffen fühlen. Teilnehmer an der Bezirksversammlung des Bauernverbands waren die ersten und stellvertretenden Kreisobmänner und Kreisbäuerinnen aus der gesamten Oberpfalz.

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