01.01.2021 - 14:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

„Es stand im Neuen Tag“: Peter Tamme zieht sich zurück

Er hat eine der beliebtesten Rubriken geschaffen: Unter „Es stand im Neuen Tag“ fasste Peter Tamme die Schlagzeilen des Weidener Stadtgeschehens – geordnet nach „vor 25 Jahren“ und „vor 50 Jahren“ – zusammen. Nun zieht er sich zurück.

Peter Tamme gibt zur Jahreswende die „Schreibarbeit“ für "Es stand im Neuen Tag" auf.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Wie gerne hätte er bis zu seinem eigenen Jubiläum durchgehalten: Am 17. Februar 1997 erschien zum ersten Mal seine Rubrik „Es stand im Neuen Tag“. Der 82-Jährige hatte sich fest vorgenommen, auch das 25-Jährige seiner „Tamme-Spalte“ zu feiern. Doch es kommt anders. Heute erscheint sein letzter Rückblick auf das, was „vor 25 Jahren“ und „vor 50 Jahren“ die Schlagzeilen im Weidener Stadtgeschehen prägte: Eine fortschreitende Erblindung zwingt ihn, das geliebte Durchforsten der Archive zu beendet.

Tamme bezeichnet sich gern als „Quereinsteiger“: Erst im Ruhestand findet er die Zeit, seine schriftstellerische Neigung zu leben. Eigentlich ist er Soldat. 39 Jahre lang dient er als Generalstabsoffizier dem Land, wirkt auch in den USA, in Frankreich und in Portugal. Er spricht fließend Englisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch sowie „passabel“ Italienisch. Im Laufe seiner Karriere kommt er als Oberst nach Weiden. Als stellvertretender Brigadekommandeur führt er von 1983 bis 1987 die Brigadeeinheiten. Danach geht es zurück nach Portugal und Bonn.

Doch Weiden bleibt bei Tamme unvergessen. Hier ist er Mitglied im Lions-Club und im OWV. „Warum wo anders neu anfangen? Hier hatten wir viele Freunde gefunden. Und es gab damals ein reiches, qualitätsvolles kulturelles Angebot.“ Mit Ausstellungen (Keramiken und Fotos) und Vorträgen (gerne auch in Französisch) bereichern Margot und Peter Tamme das Angebot im Maria-Seltmann-Haus. Seine Erzählungen und Glossen erscheinen im Neuen Tag sowie in Wochenzeitschriften in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

1997 schließlich ist sein „liebstes Kind“ geboren: Die Rubrik „Es stand im Neuen Tag“ erscheint erstmals am 17. Februar und ist seitdem wöchentlich zu lesen. Im Rückblick sagt Peter Tamme dazu: „Ich wollte die Nachkriegsgeschichte der Stadt Weiden kennenlernen, in der ich meine Pensionistenzeit verlebe. Das habe ich nicht bereut. “

Seit 40 Jahren hat Peter Tamme mit einem heimtückischen Augenleiden zu kämpfen. Die Beeinträchtigungen sind – trotz zahlreicher Operationen – inzwischen so stark, dass er die „Archivarbeit“ nicht mehr zu leisten vermag. Dennoch verliert er weder Mut noch Humor: „Ich würde schon gern wissen, was meine Nachfolger 2045 in ,Es stand im Neuen Tag` über das Coronajahr 2020 in Weiden schreiben.“

Wie geht es ohne Schreiben (Tamme fasste zum Beispiel auch seine „Oberpfälzer G’schicht’n“ in den drei Bänden „Saggradi“, „Pfiffkas“ und „Wer zuletzt lacht“ zusammen) weitergeht? „Der Alltag ist zwar unheimlich erschwert. Aber ich habe keine Angst vor der Zukunft, werde alle technischen Möglichkeiten in der Blindenbibliothek nutzen und hoffe, dass mir meine Restsehkraft noch lange erhalten bleibt. Ich versuche, Stürze zu vermeiden, und freue mich auf viele Kontakte mit Menschen, die sich vom Blinden-Abzeichen an meinem Revers nicht abschrecken lassen. Wenn meine Frau mich vorsichtig durch die Stadt führt, werde ich ihre Hand halten, so wie bereits seit 52 Ehejahren.“

 

 

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