28.08.2019 - 10:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stefan Zrenner über die Sicherheitswacht in Weiden: "Man sollte nicht den Hilfssheriff spielen"

Fast 25 Jahre patrouilliert die Sicherheitswacht Weiden durch die Stadt. Stefan Zrenner ist seit dem Gründungstag dabei. Anlässlich des anstehenden Jubiläums blickt er zurück – und kündigt an, kürzer zu treten.

Stefan Zrenner (61) in seinem Garten in Etzenricht, wo er seit Dezember 2018 lebt. Er engagiert sich seit fast 25 Jahren ehrenamtlich in der Sicherheitswacht Weiden.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Stefan Zrenner kennt sich mit den Themen Sicherheit und Verteidigung bestens aus: Der 61-Jährige ist ausgebildeter Militärpolizist und stellvertretender Leiter des Kreisverbindungskommandos Stadt Weiden der Bundeswehr im Dienstgrad Oberstleutnant d. R.

ONETZ: Die Sicherheitswacht in Bayern gibt es heuer seit 25 Jahren. In Weiden feiert sie im Mai nächsten Jahres 25-jähriges Jubiläum. Erinnern Sie sich an den Anfang?

Stefan Zrenner: Ich war einer der ersten Ehrenamtlichen und bin schon am Gründungstag auf Streife gegangen. Die Weidener Sicherheitswacht ist eine der dienstältesten Sicherheitswachten überhaupt. Davor gab es nur die Erprobungs-Sicherheitswachten in Nürnberg, Ingolstadt und Deggendorf.

ONETZ: Hat sich die Arbeit in den fast 25 Jahren verändert?

Stefan Zrenner: Viel hat sich nicht verändert. Positiv verändert hat sich unsere Erkennbarkeit. Wir sind mit Klappen, die man ans Hemd nadeln musste, angefangen. Im Winter kriegte man die kaum an eine dicke Jacke geheftet. Dann hatten wir Armbinden mit Klettverschluss, die immer gerutscht sind. Seit rund einem Jahr haben wir dunkelblaue Hemden mit Hoheitsabzeichen und Schriftzug "Sicherheitswacht" für den Sommer und Jacken für den Winter.

ONETZ: Wie bekannt ist die Sicherheitswacht denn bei den Bürgern?

Stefan Zrenner: Da ist etwas, das sich kaum verändert hat: Dass es einen hohen Prozentsatz an Bürgern gibt, die nicht wissen, dass es die Sicherheitswacht gibt, und was wir genau machen. Das liegt wohl daran, dass wir ein begrenzter Personenkreis sind und obendrein überwiegend berufstätig.

ONETZ: Wo und wie oft sind die Ehrenamtlichen in der Stadt unterwegs?

Stefan Zrenner: Wir hatten von Anfang an den Ansporn, möglichst jeden Tag zwei bis drei Stunden lang auf Streife zu gehen. Das haben wir über fast 25 Jahre versucht und es ist auch so gut wie gelungen. Wir sind in der Innenstadt und den Stadtteilen unterwegs, zum Beispiel auf abgelegenen Spielplätzen wie in der Mooslohe, rund ums Schätzlerbad, in Parks, am Flutkanal, in Schrebergartenanlagen, auf den Serenaden, in öffentlichen Tiefgaragen. Ich bin früher mehrmals pro Woche auf Streife gegangen. Inzwischen habe ich das auf ein Mindestmaß, zwei Stunden einmal pro Woche, reduziert.

ONETZ: Was ist die richtige innere Einstellung für diese Aufgabe?

Stefan Zrenner: Man sollte nicht versuchen, den großen Hilfssheriff zu spielen, sondern das Machbare im Auge haben mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Man bekommt im Laufe der Jahre ein Gefühl dafür, wie man die Möglichkeiten einsetzt. Ich würde zum Beispiel nicht mit CS-Gas auf jemanden losgehen, der eine Waffe hat. Es ist und bleibt ein Ehrenamt. Wenn es um Körperlichkeit geht, ist es wohl menschlich nachvollziehbar, dass es Grenzen gibt.

ONETZ: Welche Möglichkeiten und Grenzen hat die Sicherheitswacht bei der Dienstausführung?

Stefan Zrenner: Wir dürfen wie jeder Bürger Personen nach dem Jedermannsrecht festhalten, bis die Polizei kommt. Außerdem dürfen wir die Personalien von Zeugen feststellen, diese befragen und Platzverweise erteilen. Aber wir dürfen zum Beispiel keine Waffen tragen. Deshalb haben wir CS-Gas dabei und nicht wie die Polizei Pfefferspray in Sprühgeräten.

ONETZ: Wir berichten regelmäßig über Übergriffe auf Einsatz- und Rettungskräfte. Bekommen Sie auch etwas davon mit?

Stefan Zrenner: Toi, toi, toi sind in 24 Jahren in Weiden keine Attacken auf die Sicherheitswacht vorgekommen. Aber es stimmt schon nachdenklich, wenn man von solchen Übergriffen hört.

ONETZ: Kritiker behaupten, eine Sicherheitswacht sei nicht notwendig. Wie stehen Sie dazu?

Stefan Zrenner: Außenstehende sollten die Qualität der Sicherheitswacht nicht daran messen, wie viele Straftaten verhindert wurden. Das wird auch gar nicht erhoben. Es geht eher um die Stärkung des subjektiven Sicherheitsgefühls. Die Resonanz der Bürger zeigt, dass diese froh sind, dass es uns gibt. Wir sind ein kleines, aber wichtiges Mosaiksteinchen im Gesamtgefüge der Sicherheit.

ONETZ: In der Polizei und der Stadt Weiden gibt es Überlegungen, einen kommunalen Ordnungsdienst zu installieren. Was halten Sie davon?

Stefan Zrenner: Wenn dieser aus geeigneten Personen mit solider Grundausbildung besteht, ist dagegen nichts einzuwenden. Es wäre ein weiterer Mosaikstein im Sicherheitsgefüge. Und im Ehrenamt gibt es keine Konkurrenz.

ONETZ: Wie lange wollen Sie sich noch in der Sicherheitswacht engagieren?

Stefan Zrenner: Alles im Leben hat seine Zeit. Wenn es um die persönliche Beendigung meiner Mitgliedschaft geht, ist der Silberstreifen am Horizont schon erkennbar. Die innere Antriebsfeder ist nicht mehr ganz so gespannt. Ich glaube nicht, dass ich die höchste erlaubte Altersgrenze - ich glaube, sie liegt bei 67 - ausreize. Aber ich möchte die 25 Jahre vollmachen.

Weiden in der Oberpfalz
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Die Sicherheitswacht:

Die Sicherheitswacht

Die Sicherheitswacht unterstützt seit 1994 die bayerische Polizei. 1996 trat nach einer Erprobungsphase das Sicherheitswachtgesetz in Kraft. Kommunen müssen eine Sicherheitswacht beim Innenministerium beantragen.

Stefan Zrenner beschreibt die Aufgaben der Ehrenamtlichen so: "Wir sind prophylaktisch an neuralgischen Punkten vor Ort." Durch die bloße Präsenz könnten vielleicht Straftaten verhindert werden. Die Ehrenamtlichen sind Ansprechpartner für Bürger und unterstützen die Polizei auch bei Sucheinsätzen. Voraussetzung für den Dienst sind 40 Stunden Rechtskunde-Unterricht, ein polizeiliches Führungszeugnis und eine gute Beurteilung der Prüfgruppe. Die Weidener Sicherheitswacht besteht aus 11 Ehrenamtlichen. Darunter befinden sich noch immer 4 aus der Gründungszeit.

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