Das einstündige Kamingespräch hat diesmal nicht ausgereicht, um alle Fragen zu beantworten. Günther Kamm, Geschäftsführer der Stadtbau Weiden (SGW), ist sich sicher, so sagt er, dass das Mietniveau nicht mehr sinken wird: „Wir werden mit diesen Mieten leben müssen.“ Er bestätigt zwar nicht ganz die Aussage Alfons Ernstbergers vom KAB-Kreisverband, wonach der Wohnungsbau so teuer geworden sei, dass sich der Bau von Sozialwohnungen nicht mehr lohne. Er unterstreicht aber mehrmals, dass mit den aktuellen Mieten kein Neubau zu finanzieren sei.
Niedriges Mietpreisniveau
Dennoch versuche die Stadtbau, das Mietpreisniveau zu halten, eines der niedrigsten gegenüber vergleichbaren Städten. Amberg, Schwandorf, Hof – überall liege die Vergleichsmiete höher. Die Durchschnittsmiete bei der Stadtbau Weiden liegt laut Kamm bei aktuell 4,63 Euro pro Quadratmeter; das genüge nicht für Erhalt und Neubau, die Stadtbau habe daher in den vergangenen Jahren auf den Erhalt der bestehenden Wohnungen gesetzt.
Ernstberger hatte einleitend davon gesprochen, dass weniger die Miete als vielmehr die Nebenkosten das große Problem vieler Mieter seien. Kamm brachte seinerseits die Betriebskosten des Vermieters ins Spiel, die im Moment explodierten. Staatliche Vorgaben trieben die Preise in die Höhe. Für Vermieter seien die Mieten gerade einmal bei der Inflationsrate angekommen.
Vonseiten des Staates sei in den vergangenen Jahren alles getan worden, um den Wohnungsbau zu verhindern. Von der Entscheidung zum Neubau bis zum Einzug des ersten Mieters vergingen im Schnitt vier bis fünf Jahre; es sei dringend geboten, diesen Amtsweg zu beschleunigen. Die Stadtbau hat laut Kamm derzeit noch etwa zehn freie Wohnungen, bis 2015 hätten noch um die hundert Wohnungen leer gestanden.
Was speziell in Weiden die Preise in die Höhe treibe, sei einer der höchsten Stellplatzschlüssel (bedeutet: Auto pro Mieter) in ganz Bayern, sagt Kamm. Der aktuelle Schlüssel von 1,7 Stellplätzen (Regensburg: 0,75, München: 0,5) je Mieter sei im sozialen Wohnungsbau vollkommen unrealistisch; viele Mieter hätten gar kein Auto. Für den normalen Wohnungsbau sei ein Schlüssel von 2,0 heute oft nicht mehr ausreichend, aber das gelte nicht für den sozialen Wohnungsbau.
240 Euro pro Wohnung
Ein Zuhörer fragt, warum sich Wohnungsbaugesellschaften um das Geschäftsfeld rissen, wenn dieses doch so unerquicklich sei wie von Kamm beschrieben. Kamm erwidert, die Rendite bei Bestandswohnungen liege zwischen 5 und 8 Prozent. Die Stadtbau Weiden investiere 80 Prozent wieder in den Wohnungsbestand, derzeit 1800 Wohnungen. Und er fragt: „Wieviel verdienen wir wohl im Jahr pro Wohnung?“ Es sind laut Kamm gerade einmal 240 Euro im Schnitt, während Gesellschaften wie eine Vonovia das Zehnfache erlösten.













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