26.05.2018 - 16:59 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stinkende Brühe im Salatbeet

Der Schrebergarten des Ehepaars Prögel wird nach einem Gewitter von einer übelriechenden Brühe überschwemmt. Wie die Behörden damit umgehen, stinkt den beiden erst recht.

So fand das Ehepaar Prögel am Dienstag seinen Garten vor.
von Helmut KunzProfil

(uz) Schreck lass nach! Elisabeth und Erich Prögel trauten am vergangenen Dienstag ihren Augen nicht. Seit 40 Jahren hat das Ehepaar von der Stadt einen Schrebergarten gepachtet. Das Grundstück befindet sich in einer idyllischen Kleingartenkolonie, nördlich der Siechenstraße und östlich des Witt-Gartens. Die Anlage war picobello hergerichtet. Bis nach einem Platzregen eine übelriechende, braune Brühe über die Beete und den Rasen schwappte. Noch Tage nach dem Unwetter steigt modriger Geruch in die Nase. Das Wasser war noch am selben Tag wieder abgeflossen, aber die "Kanalabfälle" blieben in den Gärten zurück. Erich Prögel berichtet, dass sich die Kloake auch über den Witt-Garten mit dem Kinderspielplatz ausgebreitet habe. "Der Platz stand unter Wasser."

Erich Prögel hat alles fotografiert. Die Fotos hat er auch an das Tiefbauamt und die Liegenschaftsabteilung weitergeleitet. Zu sehen sind unter anderem angeschwemmtes Klopapier, Hygieneartikel und Damenbinden, die am Maschendrahtzaun kleben. "Da kam alles, was der Abwasserkanal hergibt", sagt Elisabeth Prögel und zeigt auf eklige Papierfetzen vor ihren Füßen. Was das Ehepaar besonders ärgert: "Die haben uns den Dreck gebracht und lassen uns jetzt mit der Entsorgung allein." "Die", das sind nach ihrer Ansicht die zuständigen Weidener Behörden.

Liegenschaftsabteilung und Tiefbauamt hätten wohl schnell reagiert. "Sie haben den Rasen entlang des Bachs gemäht." Aber vonseiten der Stadtwerke tue sich nichts. Das wurmt die Hobbygärtner. Als "Sprachrohr der Schrebergärtler" sagen die Prögels: "Wir wissen durchaus, dass sich unsere Gärten in einem Überschwemmungsgebiet befinden. Wir haben ja auch nichts gegen das Wasser. Aber gegen Fäkalien schon." Die frisch gepflanzten Salate mussten sie auf den Kompost werfen, weil sie keiner mehr essen mochte.

"Oben an der Siechenstraße befindet sich ein Pumpwerk, mit dem man Feststoffe abpumpen könnte. Ich habe in letzter Zeit nichts dergleichen beobachtet. Würde ich mein Chemieklo hier entsorgen, gäbe es eine saftige Strafe. Und die lassen die Brühe ungeklärt in den Weidingbach. Eine Sauerei ist das." Nördlich des Gartengrundstücks mündet der Kanal in den Bach. Der ist nach Erkundigung der Prögels mit dem Sammler verbunden, der sich rund Hundert Meter südlich an der Siechenstraße befinde. "Und wenn der zu voll ist, dann machen die Stadtwerke ihn auf und lassen das Wasser in den Weidingbach fließen." Johann Riedl von den Stadtwerken habe ihr gegenüber zwar beteuert, dass das Wasser, das durch diesen Kanal fließe, gefiltert sei, sagt Elisabeth Prögel. "Aber wie man sieht, ist das keineswegs so."

Vor mehr als einer Woche habe man zudem die Behörden auf einen Biberdamm aufmerksam gemacht, keine drei Meter hinter der Kanaleinmündung. "Wir ahnten, dass es bei Regen einen Rückstau des Wassers in die Gärten geben könnte." Den Gartenpächtern sei zwar daraufhin versprochen worden, den Damm noch vor Pfingsten zu beseitigen, aber geschehen sei nichts. "Wir sind regelrecht erschrocken, als er Pfingstmontag immer noch da war." Die Prögels vermuten, dass wegen des Gewitters der Sammler geöffnet wurde, um Wasser abzulassen. Das habe dann zur Überschwemmung geführt.



Das schmutzige Wasser überschwemmte auch Teile des Wittgartens und erreichte sogar den Kinderspielplatz.

Auch am Tag 4 nach der Überschwemmung liegen überall Klopapier und Hygieneartikel herum. Einen Großteil hat Elisabeth Prögel schon selber beseitigt.

Toilettenpapier, Damenbinden, Hygieneartikel.

Der Biberdamm wurde von den Wassermassen fortgeschwemmt und verfing sich dann im Sieb.

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