29.08.2019 - 14:25 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Störchin aus Weiden in Hörby zu Hause

Nun ist auch diese Frage geklärt: Die Störchin im Weidener Horst stammt aus Hörby in Südschweden. Dort entstammt sie einem erfolgreichen Wiederansiedlungsprojekt. LBV-Vogelexpertin Oda Wieding fasziniert die Reiselust der "Schwedin".

Lange kann es nicht mehr dauern, dass die Weidener Störche ins Winterquartier abfliegen. Die schwedische Störchin (hier auf einem Kamin in der Bürgermeister-Prechtl-Straße) lockert schon mal ihre Schwingen.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Seit ein paar Wochen ist, wie bereits berichtet, klar, dass die Storchendame im Horst auf dem Dach des Alten Schulhauses eine Schwedin ist. Umfangreiche Recherchen von Storchenbetreuerin Helga Bradatsch und LBV-Ehrenmitglied Adolf Küblböck brachten gemeinsam mit anderen Vogelexperten des Rätsels Lösung um den "Rot-Weiß-Rot"-beringten Vogel: er wurde 2016 in Schweden registriert. Doch wo genau ist er beheimatet? Diese Frage beschäftigte Bradatsch und ihre Mitstreiter weiter. Vom Turm der Michaelskirche, den Mesner Christian Stahl gerne dafür aufsperrte, behielten die Vogelkundler, darunter auch Naturfotograf Gottlieb Bruhnke aus Weiden, den Storchenhorst im Auge.

Einen Blick auf die Registrierungsnummer am Beinring zu erhaschen, erwies sich als Geduldsspiel. Doch Mitte August klappte es: "303" war schließlich zu lesen. Die Information wurde sofort an die Weißstorchexpertin vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Hilpoltstein, Oda Wieding, weitergeleitet. Sie brachte in Erfahrung, dass die Nummer in Hörby registriert ist. "Dort gibt es ein Wiederansiedlungsprojekt für Weißstörche, das seit 2014 erste Erfolge zeigt. Die Weidener Störchin ist dort definitiv zu Hause", erklärt Wieding im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

1000 km zwischen Hörby und Weiden

Die Kleinstadt Hörby mit rund 7000 Einwohnern liegt in Südschweden, 50 Kilometer nordöstlich von Malmö. In Schweden waren die Weißstörche ausgestorben. Dass sie jetzt nach Jahren wieder siedeln und sogar außerhalb der Gehege brüten, freut auch die Oberpfälzer Vogelexpertin. "Ungewöhnlich ist es aber schon, dass die Störchin auf ihrer Route in Weiden hängenblieb. Vor allem Jungvögel kehren in die Heimat zurück oder bleiben im Radius von 150 Kilometern." Hörby und die Oberpfalz trennen jedoch fast 1000 Kilometer. In Weiden hielt die "Schwedin" Hochzeit mit einem Mannheimer. Ein Jungtier krönte die Ehe.

"Die Störche haben diesmal eine richtig gemütliche Saison", findet Helga Bradatsch. Das lag wohl auch daran, dass sie von Kälte und Regen verschont blieben. "Nässe bekommt ihnen nicht und gefährdet die Brut", weiß auch Storchenexpertin Wieding. "Sonne und Hitze stecken sie besser weg." Spannend werde es nun im nächsten Jahr. Dann werde sich zeigen, ob die schwedische Störchin erneut Weiden anfliegt und sich auf dem Alten Schulhaus niederlässt. Vielleicht, so vermutete Bradatsch schon früher, ist aber auch der Horst auf dem Alten Rathaus das Ziel. Zumindest in diesem Sommer wurde er von der Storchenfamilie eifrig als "Zweitwohnsitz" genutzt.

Doppelt beringt zeigt sich die Weidener Störchin (rechts). Die Kennfarben "Rot-Weiß-Rot" beweisen, dass der Vogel in Schweden beringt wurde.
Info:

Spaniens Sonne lockt

"Jeden Tag kann es jetzt so weit sein, dass die Störche in ihre Winterquartier in den Süden abfliegen. Die Thermik ist ideal. Manch einer zieht aber auch erst bis Mitte September los", weiß Storchenexpertin Oda Wieding von der LBV-Landesgeschäftsstelle Bayern. Dabei gibt es durchaus bestimmte Zugrouten, denen die Vögel den Vorzug geben. So steuern die bayerischen Störche über die Westroute eher Spanien an. Die Großvögel in Ostdeutschland zieht es nach Afrika. Sie seien sogenannte "Ostzieher". Spanien gilt as ungefährlichere Route, während über Afrika durchaus mehr gefahren lauern. Oda Wieding weiß von Vogelfängen, Vergiftungen, außerdem sei die Strecke einfach länger länger und beschwerlicher. Erfreulich findet die LBV-Expertin, dass die Zahl der Weißstörche in Bayern heute wieder bei über 600 Tieren liegt. "Das war schon mal ganz anders. In den 70er und 80er Jahren zählte die Population nur noch 60 Storchenpaare in ganz Bayern." (shl)

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