05.07.2019 - 16:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Familie Storch in Weiden: "Sensation" im Horst

Er ist ein Sohn Mannheims und flattert mittlerweile seit Jahren in den Weidener Horst. Frau Storch aber ist neu in der Stadt. Ihre Herkunft ist laut Storchexpertin eine "Sensation" – und war gar nicht so leicht herauszufinden.

Sie teilen ihr Nest mit einer Schwedin, die seit heuer die neue Frau an der Seite des Weidener Storchs ist.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Die neue Störchin in der Stadt ist beringt - und zwar gleich zwei Mal. Was das bedeutet, wollten nun die Storchexperten Adolf Küblböck (Landesbund für Vogelschutz Weiherhammer) und Helga Bradatsch aus Weiden erforschen. Dazu erklommen sie gemeinsam den Turm der Michaelskirche und guckten mit Fernglas und Spektiv hinüber in den Storchenhorst auf dem Alten Schulhaus.

Ring mit bunten Farben

Da weilte zuallererst Herr Storch. Er ist derjenige, der seit 2017 auf Weiden fliegt, aus Mannheim stammt und dort 2014 beringt wurde. Seine Herzensdame stand gleich daneben. Sie trägt an jedem langen Bein einen Ring. Rechts den mit der üblichen Nummer. "Weil sich Störche aber bei großer Hitze zur Abkühlung die Beine einkoten, ist diese Nummer leider nicht exakt zu identifizieren", informiert Bradatsch. Folglich lohne es sich, auf einen ausgiebigen Regen zu warten, der den Blick auf die Nummer frei waschen könnte. Bleibt der zweite Ring am linken Bein - zunächst ein Mysterium. Statt einer Nummer finden sich hier Farben: Rot und Weiß. Vielleicht ein Länderhinweis?, mutmaßen die Storchenexperten und befragen die Zentrale des LBV in Hilpoltstein. Mit folgendem Ergebnis: "Die Storchen-Dame wurde 2016 beringt und stammt definitiv aus Schweden. Das ist eine Sensation. Es gibt so gut wie keinen Storch aus Schweden in der Region", sagt Bradatsch.

Die genaue Gegend im Norden, aus der die Störchin stammt, stünde aber - noch - nicht fest. "Ich vermute eher aus dem südlichen Teil des Landes. Und auf dem Weg vom Süden zurück hat sie unseren einsamen Storch entdeckt und gedacht: Da bleib ich doch hier in Weiden."

Heute geht es der Storchenfamilie am Alten Schulhaus gut. Der Nachwuchs, ein Einzelkind, steht bereits stramm im Nest. Demnächst dürften die ersten Übungsflüge anstehen. Da gilt es, die Daumen zu drücken - nach den dramatischen Erfahrungen aus dem Vorjahr.

2018 Absturz in Schulgasse

Mitte Juli 2018 rief die Bruchlandung eines Jungstorchs in der Schulgasse die Feuerwehr Weiden auf den Plan. Sie startete eine Tierrettung der etwas anderen Art, nachdem einer der drei kleinen Vögel verletzt auf dem Pflaster liegen geblieben war. Der Lieferverkehr stoppte, die Amtstierärztin eilte herbei. Ersten Vermutungen nach hatte sich der Jungvogel bei seinem Absturz einen Flügel angebrochen. Am Ende landete der Jungstorch in der Auffangstation im Nürnberger Tiergarten. Von dort wurde er ausgewildert, in Weiden ward er fortan nicht mehr gesehen.

Trauer im Horst: Hier hat es den Anschein, dass Herr Storch und seine langbeinige Schwedin (links) in Herzform ihre Schnäbel zusammenstecken und traurig sind. Im Horst scheint neben den Eiern ein Küken zu liegen, das sich nicht recht aufrappeln kann.

Blick ins Storch-Nest: Wo sind all die Küken geblieben?

Weiden in der Oberpfalz

Storch stürzt ab

Weiden in der Oberpfalz
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.