20.06.2021 - 10:13 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Strom, Gas, Wasser: Wie wirkt sich Corona auf den Verbrauch aus?

Viele Menschen arbeiten seit über einem Jahr zu Hause. Der PC läuft fast täglich, die Spülmaschine ist häufiger im Einsatz als vor Corona. Wie hat sich dies auf den Strom- und Wasserverbrauch in Weiden und im Landkreis Neustadt ausgewirkt?

Viele arbeiten von daheim. Lässt das den Strom-, Gas- und Wasserverbrauch steigen? Die Stadtwerke haben nachgeschaut.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Bei Gesprächen im Freundeskreis sind sich alle einig. Die vielen Monate zu Hause im Homeoffice haben Wasser- und Stromverbrauch ordentlich steigen lassen. Fünf Tage lang lief der PC für acht Stunden täglich, es wurde jeden Tag gekocht, die Spülmaschine war dadurch gefühlt im Dauereinsatz. Von den langen Winterabenden vor dem Fernseher ganz zu schweigen. In so manchem Haushalt war eine Nachzahlung fällig.

Eine Nachfrage bei einigen Kommunen im Landkreis Neustadt/WN und bei den Stadtwerken Weiden zeigt allerdings ein anderes Bild. Der Gesamtverbrauch von Strom, Wasser und Gas ist 2020 eher gesunken. Die Stadtwerke Weiden melden für die vergangenen drei Jahren einen stetig rückläufigen Stromverbrauch. 2018 lag dieser bei 240.171.261 kWh, 2019 nur noch bei 234.659.997 kWh und 2020, in dem Jahr, das im Frühjahr und Winter vom Lockdown geprägt war, nur noch bei 219.961.497 kWh. Wie kann das sein?

Judith Lorenz von den Stadtwerken vermutet, dass die Abnahme in erster Linie auf die Industriegroßkunden zurückzuführen ist, die von den Auswirkungen des Lockdowns stark betroffen waren. Der Einfluss der Haushaltskunden auf die Gesamtmenge sei als sehr gering anzusehen. Dem einzelnen Verbraucher hilft das jedoch nichts. Kunden der Stadtwerke haben ihre Abrechnung für das Vorjahr im Januar und Februar erhalten. Wie sich die Zahlen 2021 entwickeln, wird erst Anfang 2022 ersichtlich sein.

Beim Wasser bietet sich ein ähnliches Bild. Im Jahr 2018 mit einem sehr heißen Sommer findet sich in der Statistik der Stadtwerke ein Verbrauch von 2.794.309 Kubikmeter, 2019 waren es mit 2.774.581 Kubikmeter nur geringfügig weniger. 2020 sank diese Zahl auf 2.677.186 Kubikmeter. Haben die Weidener im Homeoffice weniger geduscht? Eine Frage, die sich aktuell nicht klären lässt.

Diese Tendenz spiegeln auch einige Städte im Landkreis Neustadt/WN wieder. Frank Neubauer von den Stadtwerken Grafenwöhr präsentiert ähnliche Werte. 2020 sackte der Wasserverbrauch auch in Grafenwöhr ab und lag bei einem Jahreswert von 461.000 Kubikmeter. 2019 waren es in etwa 464.000 Kubikmeter, 2018 rund nur 457.000 Kubikmeter. 2021 haben sich diese Zahlen bei einem Verbrauch von monatlich 35.000 Kubikmetern eingependelt. "Unser Verbrauch hängt allerdings sehr stark von den Amerikanern ab", erklärt Neubauer. Je nach Truppenbelegung und angesetzten Übungen gebe es durchaus "Duschspitzen". Auch ein Rohrbruch können den Verbrauch beeinflussen.

Der Blick in die Statistik der Stadt Vohenstrauß offenbart ebenfalls keine großen Überraschungen . "Wir bleiben ungefähr auf dem Niveau der vergangenen Jahre", sagt Markus Wildenauer von der Stadtverwaltung. 2018 ist mit 387.357 Kubikmetern Wasserverbrauch Spitzenreiter, 2019 folgt mit 386.327 Kubikmetern und 2020 sind es nur noch 382.336 Kubikmeter. "Da hat sich nicht viel verändert", sagt Wildenauer.

Die Stadt Windischeschenbach bestätigt den Trend. 2018 wurden 266.692 Kubikmeter verbraucht, 2019 lag dieser Wert bei 261.806 Kubikmetern und 2020 nur noch bei 255.927 Kubikmetern.

Judith Lorenz von den Stadtwerken Weiden führt die Abnahme des Wasserbrauchs auf das gestiegene Umweltbewusstsein der Bürger zurück. Im Bereich Wasser sei der Verbrauch in den vergangenen Jahren unabhängig von Corona rückläufig. Den stärkeren Rückgang von 2019 auf 2020 führt sie auch hier auf die Großkunden zurück, die möglicherweise während des Lockdowns deutlich weniger Wasser benötigt haben.

Was für Strom und Wasser gilt, kommt auch beim Gas zum Tragen. Die Stadtwerke Weiden verzeichneten 2018 einen Verbrauch von 484.456.446 kWh, 2019 mit 494.427.794 kWh etwas mehr und 2020 einen leichten Rückgang auf 471.651.925 kWh.

Laut den Stadtwerken sind solche Schwankungen nicht ungewöhnlich. 2020 könne deshalb durchaus als "Normaljahr" bezeichnet werden.

Dass die großen Unternehmen während des Lockdowns deutlich weniger Strom oder Wasser verbraucht haben, sieht auch Energieberater Thomas Wilhelm aus Windischeschenbach als schlüssige Erklärung für den gesunkenen Gesamtverbrauch. "Die einzelnen Haushalte haben auf jeden Fall mehr Energie verbraucht", stellt Wilhelm klar. Wieviel das beim Strom war, hängt beispielsweise vom Equipment im Homeoffice ab. Einer der nur mit einem Tablet arbeitet, benötigt weniger Strom als jemand, der zwei Bildschirme nutzt oder etwa auf einem uralten Rechner arbeitet, der deutlich mehr "schluckt", als die neueren Geräte.

Auch die Heizabrechnung für den Winter 2020/21 könnte so einige Überraschung bieten. "Der Mai war sehr kalt, deshalb ist überall noch geheizt worden", sagt der Fachmann.

Hohe Kosten

Deutschland & Welt
Energiespartipps vom Fachmann:

Um seinen Energiebedarf zu senken, hat Thomas Wilhelm einige Tipps parat:

  • Stoßlüften statt das Fenster den ganze Tag gekippt lassen
  • Kühlschranktemperatur überprüfen, es muss nicht die kälteste Stufe eingestellt werden
  • Raumtemperatur um ein Grad senken, kann den Verbrauch um 6 bis 8 Prozent reduzieren
  • Spülmaschine immer nur komplett eingeräumt einschalten
  • Heizung warten lassen
  • Photovoltaikanlage für den Eigenstromverbrauch nutzen

 

 

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