03.07.2019 - 17:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sturzfluten bedrohen Muglhof

Eigentlich unglaublich. Aber gerade das "Bergdorf" Muglhof im Osten der Stadt Weiden droht bei "Starkregenereignissen" überflutet zu werden. Die Stadtverwaltung arbeitet an einem besseren Schutz.

Die Verwaltungsspritze der Stadt Weiden bei der Bürgerversammlung in Muglhof (von links) Stefan Schinabeck (Leiter Wasserversorg der Stadtwerke), Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel, Rudolf Hölzl (Vizekämmerer der Stadt Weiden und Geschäftsführer der Muglhofer Gruppe), Bürgermeister Lothar Höher, Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, Bürgermeister Jens Meyer, Rechtsdezernentin Nicole Hammerl sowie Oliver Bodensteiner (Vorzimmer OB).
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Ihr reicht's: Agnes Lederer hat 25 Jahre in die Versicherung eingezahlt. Bei der ersten Überschwemmung zahlte die Versicherung noch. "Dann haben sie mich rausgeworfen", erzählt die Muglhoferin bei der Bürgerversammlung in Muglhof. Wie Ortssprecher Reinhard Greiner erinnert sie die Stadt Weiden an das Versprechen, für einen besseren Schutz zu sorgen.

In enger Absprache mit dem Wasserwirtschaftsamt, mit Grundstückseigentümer und Pächter seien erste Maßnahmen umgesetzt, berichtet Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel. Das große Feld zwischen Muglhof und Wald werde nicht mehr zur Gänze bestellt. Ein breiter Wiesenstreifen soll künftig zumindest die ausgewaschene Erde zurückhalten, die sich bereits als Schlammlawine durch das Dorf wälzte, die Einläufe der Kanalisation verstopfte und sich dann in Einfahrten, Hausflure und Wohnzimmer ergoss.

Förderung zugesagt

Die Stadt wolle zweigleisig fahren, erklärt Seidel den 29 Bürgen aus Weiden-Land. Mit Unterstützung der Fachbehörden können zumindest für das Gutachten Fördertöpfe angezapft werden. Aus dem Gutachten würden die notwendigen Maßnahmen abgeleitet. Derzeit sei die Stadt dabei, die Ausschreibung für die Expertise vorzubereiten. Für drei Gemeinden werde ein Pilotprojekt gemacht.

"Wir erwarten eine fundierte Bestandsaufnahme, eine Risiko-Beurteilung und eine integrierte Strategie zum Risiko-Management. Klar: Wir wollen einfache und sehr wirksame Vorschläge." Seidel macht aber auch deutlich, dass nicht alle Zuständigkeiten bei der Stadt Weiden lägen und sie nicht alles alleine umsetzen könne. Sie sei vielmehr auf die private Unterstützung, auf die Mitwirkung der Grundeigentümer angewiesen. Wenig beeindruckt zeigt sich CSU-Stadtrat Heiner Vierling. Ein Grünstreifen am Hang über dem Dorf könne vielleicht etwas Schlamm, aber kein Wasser zurückhalten. "Die Fluten rauschen durch die Häuser: Schutzmaßnahmen drängen, zumindest provisorisch." Muglhof habe es bereits zweimal erwischt.

Mit dem Problem Starkregen kämpfe nicht nur Muglhof, erklärt Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. Vor kurzem etwa habe es den Stadtteil Rehbühl "erwischt". "So was hat's vorher dort nicht gegeben. Da hat's die Kanaldeckel rausgesprengt." Für einen 100-prozentigen Schutz könne niemand sorgen: "Nie, never." Agnes Lederer erinnert daran, dass ihr der Bauhof versprochen habe, das Gefälle der Straße vor ihrem Haus zu ändern. "Die hängt zu mir rein. Mir wird himmelangst, wenn's regnet."

Die Stimmung im Feuerwehrhaus ist überraschend gelöst. Nur in einem Nebensatz ("Der OB ist bestrebt, für Muglhof das Beste zu tun") geht Seggewiß auf die Berichte ein, bei der EU-Wahl habe die SPD an der Wahlurne keine Stimme aus der ehemaligen Gemeinde bekommen, weil "der OB" die Orte vernachlässige.

Mit auf den Weg zurück ins Rathaus nimmt Seggewiß die Klagen über die Schlaglöcher in Matzlesrieth (Franz Voit), fehlende Verkehrsspiegel, vergessene Absperrungen (Michael Ertl, Mitterhöll), schlechte Straßen und rasende Radler in Trauschendorf (Günther Grabs). Grabs wartete auch mit der Idee des Abends auf. Da Theisseil wohl künftig Weidener Wasser brauche, rege er die Eingemeindung des gesamten Gebietes nach Weiden an. Beifall.

Theisseil eingemeinden

Günther Grabs aus Trauschendorf möchte die Gemeinde Theisseil nach Weiden eingemeinden.
Agnes Lederer aus Muglhof ärgert sich nach zwei Überflutungen über die Versicherung.
Ortssprecher Reinhard Greiner erinnert an den versprochenen Hochwasserschutz.

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