06.03.2020 - 18:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Südtirol ist Coronavirus-Risikogebiet: Schüler in Weiden sollen zu Hause bleiben

Muss mein Kind zu Hause bleiben, fragen sich am Freitagmorgen viele besorgte Eltern, als bekannt wird, dass jetzt auch Südtirol zum Coronavirus-Risikogebiet zählt. Die Reaktionen der Schulleiter in Weiden sind unterschiedlich.

Seit Freitag zählt Südtirol zu den Coronavirus-Risikogebieten. Die Schulen müssen reagieren.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Das Robert-Koch-Institut hat Südtirol am Donnerstagabend zum Risikogebiet erklärt. Am Freitagmorgen laufen in vielen Schulen, beim Staatlichen Schulamt Neustadt-Weiden sowie beim Gesundheitsamt die Telefone heiß. Es waren wohl einige Schüler in den Ferien zum Skifahren in Südtirol. Und nun? Die Antworten der erreichbaren Schulleiter unterscheiden sich – ein Überblick:

Am Samstag hat das Gesundheitsministerium eine Allgemeinverfügung veröffentlicht

Bayern

Elly-Heuss-Gymnasium

Zehn Schülerinnen des Elly-Heuss-Gymnasiums melden sich am Freitag nach einer Durchsage. Schulleiter Reinhard Hauer ruft sie zusammen und trifft für die kommende Woche eine Entscheidung. „Bis Freitag, 13. März, sind sie vom Unterricht befreit“, teilt er auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mit. Er stellt ihnen frei, gleich am Freitag heimzugehen. Das tun nicht alle. „Manche wollte unbedingt noch die Ex mitschreiben“, sagt Hauer. Dass wegen des Coronavirus Unterricht ausfällt, sei nicht schön, aber auch nicht zu vermeiden, Prüfungen müssten später nachgeholt werden. „Das muss der Unterrichtsbetrieb hergeben“, sagt der Schulleiter.

Kepler-Gymnasium

Am Kepler-Gymnasium läuft es anders. Dort trommelt Schulleiterin Sigrid Bloch in der Pause zwölf Schüler zusammen, die in Südtirol urlaubten, bisher aber keine Symptome zeigten. „Sie sollen am Montag zu Hause bleiben und ihren Hausarzt kontaktieren“, sagt Bloch. Das habe sie nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt entschieden. Der Arzt müsse alles weitere veranlassen und die Schüler gegebenenfalls testen. Falls dieser Test negativ ausfällt, dürften die Schüler wieder am Unterricht teilnehmen.

In dem Zusammenhang weist das Gesundheitsamt Weiden/Neustadt auf Nachfrage erneut darauf hin, dass nur im Verdachtsfall, also bei Personen, die im Risikogebiet waren UND Symptome zeigen oder Kontakt zu einem Infizierten hatten, getestet wird.

Augustinus-Gymnasium

Am Augustinus-Gymnasium haben am Freitag zwei Schüler gefehlt, teilt Schulleiter Ulrich Winter auf Anfrage schriftlich mit. Der Unterricht verlief am Freitag störungsfrei. Das Gymnasium werde die nach wie vor gültigen Regelungen des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus anwenden. In einem Schreiben heißt es: „Schüler, die innerhalb der letzten 14 Tage in einem Risikogebiet waren, Kontakt zu einer Person in einem Risikogebiet oder Kontakt zu einem bestätigten Fall hatten, wird angeraten, unnötige Kontakte zu vermeiden und – sofern möglich – zu Hause zu bleiben. Die Schule ist umgehend zu informieren. Die Nichtteilnahme am Unterricht gilt als entschuldigt.“

Hans-Scholl-Realschule

Daran orientiert sich auch der Chef der Hans-Scholl-Realschule Michael Meier. Er verschickte noch am Mittag einen elektronischen Elternbrief. Die Info, dass es ein neues Risikogebiet gibt, hatte der Schulleiter durch unseren Anruf erhalten. „Ich hatte Seminar, deshalb habe ich es wirklich noch nicht mitgekriegt“, entschuldigt er sich. Er sei froh, dass bisher alle Schüler gesund sind und der Unterricht normal verläuft. „Das kann nächste Woche schon wieder anders sein.“

Grund- und Mittelschulen

„Die Nachricht von Südtirol hat einige aufgeschreckt“, sagt Elisabeth Junkawitsch. Die stellvertretende Schuldirektorin des Schulamts Neustadt/Weiden informiert Freitagfrüh viele Schulleiter, Lehrer oder Eltern. Junkawitsch ist für Grund- und Mittelschulen zuständig. „Sie sind von uns angehalten, täglich auf die Seite des Ministeriums zu schauen. Doch im Moment ändert sich die Sachlage ständig. Man kommt kaum hinterher.“

Das Schreiben vom Ministerium sieht sie als „Empfehlung“ an die Schulen. Am Ende entscheide jeder Schulleiter selbst. Eltern, deren Kinder im Risikogebiet waren, jedoch symptomfrei sind, könnten diese ganz normal zur Schule schicken, sofern es keine neue Richtlinie der Schule gibt. Niemand müsse Angst haben, dass sein Kind ohne Betreuung nach Hause geschickt werde. Insgeheim hofft sie aber, dass sich die Eltern einsichtig zeigen und ihr Kind zu Hause lassen.

Kommentar:

Mehr Mut!

Das Wichtigste zuerst: Bis Freitagnachmittag gab es noch keinen bestätigten Coronavirus-Fall in Weiden. Aufgeschreckt hat am Freitag trotzdem eine Nachricht. Dass Südtirol ab sofort zu den Risikogebieten zählt. Und eigentlich hätte das nur eine Konsequenz haben dürfen: Dass alle Schüler, die dort in den Faschingsferien zum Skifahren waren und bisher keine Symptome zeigten, die nächste Zeit zu Hause bleiben. Denn heißt es doch, gerade Kinder zeigten bei einer Corona-Infektion kaum Symptome. Deshalb braucht es klare Ansagen für die Schulen, klare Ansagen für die Eltern, die dann noch rechtzeitig eine Betreuung organisieren können.
Stattdessen werden die Zuständigkeiten munter hin- und hergereicht. Am Freitag hört man häufig „Je nachdem wie das Kultusministerium entscheidet“ oder „...das Gesundheitsamt“ oder „...das Schulamt“ oder „wie die Eltern reagieren“, würden weitere Maßnahmen ergriffen.
Gewiss, das Ministerium macht Vorgaben. Aber keine eindeutigen. Die Zuständigen vor Ort schwimmen. In der Spitze hat das zur Folge, dass betroffene Eltern mit Kindern an verschiedenen Schulen sich nun die Haare raufen, weil ein Kind schulfrei hat und das andere zum Unterricht kommen darf. Also lieber klare Kante zeigen.

Von Stephanie Hladik

Das Kultusministerium informiert zum Coronavirus

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