27.11.2020 - 09:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tännesberger Bankräuber lernten sich im Gefängnis kennen

Nachdem der 28-Jährige, der als Fluchtwagenfahrer an zwei versuchten und zwei vollendeten Banküberfällen 2015 beteiligt war, bereits am Montag gestanden hatte, klärt die 1. große Strafkammer des Landgerichts nun noch die Hintergründe auf.

Eine Bronzestatue der Justitia steht in Frankfurt am Main.
von Autor RNSProfil

Am zweiten Tag im Bankräuberprozess berichtete ein mittlerweile pensionierter Kriminalhauptkommissar von den Ermittlungen nach dem Bankraub in Tännesberg Anfang September 2015. Nach den Aussagen einer Zeugin seien die Täter in das vor der Sparkasse wartende Fluchtauto eingestiegen.

Auf der Fahrt Richtung Grenze hätten sie ihre Kleidung und das gestohlene Kennzeichen des Wagen gewechselt. Auch ihre beim Überfall genutzten Waffen hätten sie weggeworfen. Beamte der Polizeiinspektion Vohenstrauß hätten die Sachen beim Abfahren des vermuteten Fluchtwegs entdeckt, ein Polizeihund die Waffen. Die Räuber, darunter der „Chef" der Bande, hätten sich vom Fahrer getrennt. Dieser sei über die Autobahn nach Tschechien gefahren, dann über den Grenzübergang Tillyschanz wieder zu seinen Kumpanen zurück gekehrt und dann zusammen mit ihnen in die Heimat gefahren.

Aus dem Bericht des Polizeibeamten erfuhr man viel darüber, wie es gelungen war, den Tätern auf die Spur zu kommen. Der Angeklagte und der „Chef“, ein ehemaliger Fremdenlegionär, hätten sich im Gefängnis kennengelernt. Nach der Entlassung beider im Februar 2015 hätten sie Banküberfälle und andere Straftaten begonnen, darunter der Überfall in Tännesberg mit einem gemieteten Skoda Oktavia. Aufgrund eines Sicherungssystems, das per GPS die Position ständig aufzeichnet, habe man den Fluchtweg der Verbrecher genau nachvollziehen können. Videoaufzeichnungen auf tschechischen Straßen hätten weitere Erkenntnisse gebracht.

Ein Polizeibeamter aus dem Bezirk Pilsen berichtete von der Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden und wie man der Bande, die in wechselnder Besetzung aufgetreten war, auf die Schliche gekommen war. Am 22. September sei in Tschechien der Zugriff erfolgt. Seither sitzen die Täter in Untersuchungs- oder Strafhaft. Vor dem tschechischen Polizisten hatte ein Beamter aus Dresden über den gescheiterten Bankraub-Versuch in Großenhain berichtet.

Die Verhandlung wird am Montag um 11.15 Uhr fortgesetzt. Eventuell finden dann bereits die Plädoyers von Staatsanwältin Vera Höcht und Verteidiger Dr. Uwe Mosig statt. Das Urteil wird für 3. Dezember erwartet.

Tännesberger Bankräuberprozess verkürzt

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